Klinik, ÖPNV, Therme, Finanzen: Wo sich Neumeyer und Nerb widersprechen - und wo nicht

Von Martin Rutrecht · 16. März 2026 um 19:02

Wer wird Kelheims künftiger Landrat? Nächsten Sonntag fällt die Entscheidung: bei der Stichwahl zwischen Amtsinhaber Martin Neumeyer (CSU) und Christian Nerb (Freie Wähler). Einem direkten Duell stellten sie sich jetzt in der MZ-Redaktion. Und schärften nochmals ihr Profil.

Das bestimmende Thema bei der Diskussion zwischen den Landrats-Kandidaten Martin Neumeyer (CSU) und Christian Nerb (FW) in den MZ-Räumen war das Krankenhaus Mainburg. Beide Kandidaten legten ein Bekenntnis zum Erhalt der Klinik ab. Auch am Kreistagsbeschluss für eine „Sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtung“ (SüV) wollen beide festhalten – Neumeyer aus Überzeugung, dass das Krankenhaus nur so zu erhalten sei; Nerb nur, weil dank seiner FW-Initiative parallel zum SüV nun auch Krankenhaus-Leistungsgruppen beantragt seien. Er räumte ein: „„Ich kann nichts versprechen. Aber ich werde für die Leistungsgruppen Innere Medizin, Chirurgie, Kardiologie und Herzkatheterlabor kämpfen.“ Alle „werden wir nicht schaffen“, widersprach Neumeyer; die Vorgaben seien in Mainburg gar nicht erfüllbar.

Amtsinhaber wie Herausforderer wollen eine rund um die Uhr besetzte „Notfall-Annahmestelle 24/7“ in Mainburg. Aktuell gebe es selbst das nicht mehr in Mainburg, weil man mit dem SüV-Umbau sofort begonnen habe, kritisierte Nerb: „Derzeit ist die Region nicht ausreichend versorgt“.

Neumeyer widersprach vehement, auch dank Fortschritten wie Telemedizin und Notarzt-Versorgung, die jetzt „so gut wie nie“ sei in Mainburg. Derzeit investiere der Landkreis ja gerade, dass die SüV künftig die Notfall-Annahme leisten, aber auch Neues bieten könne, etwa „24 Betten für die Kurzzeitpflege“, und wieder eine Chirurgie sowie ein Hausärzte-MVZ. Eine klassische Krankenhaus-Notaufnahme mit Intensivstation , „mit 12 bis 14 Ärzten“, sei aber bei einer SüV nicht realisierbar.

Das Geld aufzubringen, um das Krankenhaus Mainburg zu erhalten, ist aus Sicht von Christian Nerb unverhandelbar. „Wir müssen schon ehrlich sein“, hielt Martin Neumeyer entgegen: „Das Geld wird nicht vom Himmel fliegen.“

Ausstieg aus dem RVV halten nun beide für falsch

Um Geld geht es auch beim ÖPNV. Wie berichtet soll der Kreis-Mobilitätsausschuss am 24. März über die Wiedereinführung des RVV-Tarifs auf der Donautalbahn zwischen Sinzing und Neustadt a. d. Donau beraten.

Ein entsprechender Vorstoß Martin Neumeyers Ende voriger Woche markiert die Abkehr von einem Sparvorschlag seines eigenen Hauses – dem anfangs auch alle, inklusive FW, im Ausschuss zustimmten. „Wir waren nicht ausreichend informiert“, sagte der FW-Sprecher rückblickend. Aus heutiger Sicht hält auch Neumeyer den Beschluss für falsch; da müsse man den Mut haben „und das rückgängig machen“. „Damit haben wir ja schon ein Wahlziel erreicht“, erwiderte Nerb.

Beim Expressbus-System Kexi will der FW-Bewerber die Unterteilung in neun Sektoren „wegbringen“. „Idealerweise fährt der Bus ohne viele Umstiege und Umwege von einer Ecke in die andere“, so sein Wunsch. Selbst bei U-Bahn und Co. müsse man umsteigen, konterte der Landrat: Mit Nerbs Vorschlag „bräuchten wir zehn Busse mehr. Das können wir uns nicht leisten“. Die „Erfolgsgeschichte“ des Land-Kexi will Neumeyer bei einer Wiederwahl fortschreiben.

Klar auseinander gingen die Positionen bei der Kaiser-Therme in Bad Abbach. „Eine Schließung will ich verhindern“, bekundete Nerb.

Kaiser-Therme Meinungen gehen weit auseinander

Er frage sich, warum man das Kurbad mit dem zweitgeringsten Defizit unter den fünf Thermen Niederbayerns privatisieren wolle. Die 1,75 Millionen Euro an Strukturmitteln des Landkreises an Bad Abbach „kann ich auch nicht verstehen“.

Neumeyer gab sich hoffnungsvoll, dass ein Investor zu finden sei. Treibende Kraft beim Ausstieg seien „Bezirk und Kommune“ gewesen, merkte er an. Eine Sanierung aus öffentlichen Geldern für 50 Millionen Euro, die im Raum steht, „würde den Landkreis ab 2027 zwischen acht bis zwölf Millionen Euro kosten. Das können wir uns nicht leisten.“

Das Gespräch fand in der Kelheimer MZ-Redaktion statt. - Foto: Forster

Wo im klammen Kreishaushalt kann überhaupt gespart werden? „Sehr schwierig“, sagten beide. Nerb will sich die „Personalsituation im Landratsamt intensiv anschauen. Projekte wie die „Ökomodell-Region brauche ich nicht zum Überleben. Aber Kündigungen wird es nicht geben.“

Neumeyer betonte, in der Kreisbehörde gebe es kaum noch Neueinstellungen. „Aber bei neuen Aufgaben, etwa in der Jugendhilfe, können wir nicht aus.“ Und Projekte wie die Öko-Region „sind notwendig, um die Gesellschaft zusammen zu halten. Wir arbeiten bürgernah im Landkreis.“

Als Argumente für sich als Landrat sieht Nerb seine klaren Positionen zu Klinik Mainburg oder Kaiser-Therme sowie das Motto: „Wenn ich nicht kämpfe, habe ich schon verloren.“ Der amtierende Landrat wirft „meine Erfahrung, Leidenschaft und Überzeugungskraft“ in die Waagschale. Persönlich könnten sie gut miteinander, betonten beide – „in der Politik liegen wir halt auseinander“.