Krankenhaus Mainburg im Wandel: Diagnose und Perspektiven

Es wird viel diskutiert über die Ilmtalklinik Mainburg (Landkreis Kelheim) und ihre geplante Umstrukturierung. Aber was würde sich eigentlich ändern, wenn das Krankenhaus zur „Sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtung“ würde? Antworten gibt Klinik-Geschäftsführer Christian Degen.
■ Aktuell: Die Ilmtalklinik Mainburg ist im Krankenhausplan als Haus der Versorgungsstufe eins ausgewiesen. Seit Mai hat Mainburg aber keine Unfallchirurgie mehr: Die stationäre Abteilung samt Endoprothetik wurde an die ITK Pfaffenhofen verlagert; damit können derzeit auch keine Arbeits-, Schul-, Wegeunfällen in Mainburg behandelt werden.
Unverändert in Betrieb ist hingegen die Intensivstation mit sechs Betten, davon drei mit Beatmung, schildert Geschäftsführer Degen. Mainburg deckt auch „das gesamte internistische Spektrum“ derzeit ab, inklusive Computertomograph, Gastroenterologie und Kardiologie samt Herzkatheter-Labor.
■ Perspektive: Sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen („Level 1i-Krankenhäuser“) sind definitionsgemäß „Krankenhäuser, die besonders im ländlichen Raum, bzw. in struktur- und bevölkerungsschwachen Regionen, wohnortnah ein Leistungsspektrum von stationären Krankenhausbehandlungen mit ambulanten und pflegerischen Leistungen verbinden sollen“.
Mangels Bundesverordnung (siehe Info) seien definitive Aussagen zum künftigen Mainburger Leistungsspektrum noch schwierig, so Degen. Klar sei aber, dass SVEs allgemein-internistische und geriatrische Leistungen, ambulante Operationen und pflegerische Angebote vorzuhalten haben, weil dies unsere alternde Gesellschaft immer mehr benötigt.
■ Pflegebereich: Die in SVEs geplante „Übergangspflege“ gibt es in Mainburg bereits seit Mai. Sie zielt auf Klinik-Patienten ab, deren medizinische Behandlung beendet ist, die aber noch pflegerische Versorgung brauchen. Bis zu zehn Tage zahlt dafür die Krankenkasse.
Anbieten will Christian Degen künftig auch Kurzzeitpflege, etwa für Senioren, die nach Klinikaufenthalt noch nicht oder nicht mehr zuhause leben können. Dafür kommt die Pflegeversicherung (ab Pflegegrad 2) bis zu acht Wochen im Jahr auf. Geschätzt jährlich rund 1600 Patienten der ITK kämen dafür in Frage.

Nutzbar wären u.a. die Patientenzimmer der früheren Ausbildungsstation (die jetzt die – größere – frühere unfallchirurgische Station nutzt). Dazu müssten aber die Bäder, bisher separat neben dem Zimmer, baulich ins Zimmer integriert werden – das ist Vorgabe.
Vorstellbar sei sogar ein ambulantes Pflegeangebot, sofern es nicht mit privaten Anbietern konkurriert. So könnten ITK-Auszubildende alle Pflegebereiche hausintern durchlaufen.
■ Innere Medizin: Das „allgemein-internistische Leistungsspektrum“ werde Mainburg auch künftig abdecken: z.B. akute Magen- und Darm-Probleme, Kreislaufprobleme. Schlaganfall-Patienten wurden hier, mangels „Stroke Unit“, schon bisher nicht behandelt; künftig werde man wohl auch bei Herzinfarkt-Verdacht keine Anlaufstelle mehr sein, schätzt Degen. Für weniger gravierende Beschwerden, etwa Herzrhythmus-Störungen, unter Umständen schon noch.
■ Ambulante Operationen: Bund und Kassen wollen so viele Leistungen wie möglich – bis hin etwa zur Blinddarm-OP – „hybrid“ definieren. Ambulante Ausführung ist dann Standard, stationäre die Ausnahme. Das käme Mainburg zugute. Denn im ITK-Verbund wird das Haus bereits zum Zentrum für ambulante OPs ausgebaut; für die Abteilungen Allgemein- und Viszeralchirurgie, Unfallchirurgie und Gynäkologie sowie Oralchirurgie (durch die Mainburger Kooperations-Zahnarztpraxis). Pfaffenhofen soll sich auf komplexere, stationäre OP-Fälle konzentrieren.

■ Bettenverteilung: Bayerns Krankenhausplan führt die ITK Mainburg aktuell mit 89 Planbetten. Belegbar sind seit Abzug der Chirurgie nur 48. Für die Übergangs- und Kurzzeitpflege will man künftig 27 nutzen. Die restlichen 62 Planbetten „wären ein gutes Potenzial, um internistische Patienten zu behandeln“, so Degen.
■ MVZ: Die ehemalige Physiotherapie-Praxis im Mainburger Haus wird derzeit zum Medizinischen Versorgungszentrum umgebaut. Zunächst als neuer Standort des bislang „ausgelagerten“ ITK-MVZ für Unfall-/Chirurgie und Orthopädie. Zudem verhandelt Degen mit Kassen sowie ärztlichen Interessenten über die Option Allgemeinarzt-Praxis – zumal in Mainburg zwei Hausarzt-Kassensitze unbesetzt sind.

Für weitere MVZ-Optionen sei man „jederzeit offen“: Kooperationen mit einer Kardiologie- und/ oder einer Radiologie-Praxis etwa „wären schön“. Das müssten aber auch die Kassen genehmigen, und es darf keine Konkurrenz zu den Niedergelassenen entstehen.
■ Notfallmedizin: Die größte Sorge in Mainburg gilt der künftigen klinischen Notfallversorgung. Oft zu hören, aber falsch ist laut Degen, dass der Rettungsdienst eine SVE generell nicht mehr anfahre. „Fälle, die in einer SVE behandelbar sind, dürfen und sollen auch dorthin gefahren werden“ – allein schon, um die übrigen Kliniken zu entlasten.

Fraglich freilich, welches Spektrum eine Notaufnahme in Mainburg künftig anbieten kann. Bislang nimmt sie internistische, kardiologische, gastro-enterologische sowie Intensivpatienten „aller Art“ auf. Schwerverletzte bringt der Rettungswagen allerdings schon jetzt nicht hierher.
Offen ist, welchen Zeitraum die Notaufnahme künftig abdeckt. Bisher ist sie rund um die Uhr („24/7“) einsatzbereit; rechtlich möglich, weil das Haus den Status „Spezialversorger“ hat. Den könne man theoretisch auch künftig beantragen, auch als SVE. Aber dann müsse die Notaufnahme weiterhin 24/7 besetzt sein – samt aller Hintergrunddienste wie Labor und Röntgen, gibt der Geschäftsführer zu bedenken.
Er bezweifelt, dass dies künftig personell zu stemmen ist – so zu stemmen, dass man jederzeit bestmögliche Leistung bieten könne. Denn das sei erklärter Wille der Belegschaft, betont Degen. Für fraglich hält er die Forderung, Mainburg als „Sicherstellungs-Haus“ definiert zu bekommen: „Egal, wie sinnvoll man die Kriterien hierfür halten mag – wir erfüllen sie einfach nicht. Unabhängig davon werden wir auch hier nichts unversucht lassen“.
■ Personal: Alle Pläne für Mainburg hängen an der Verfügbarkeit des nötigen Personals. Dies wiederum hängt, nach Ansicht des Geschäftsführers, im ärztlichen Bereich vor allem von den Weiterbildungsmöglichkeiten für Assistenzärzte ab und sei daher ein wichtiger Punkt in der künftigen SVE-Verordnung. Für die beiden ITK-Standorte sei vertraglich geregelt, dass z.B. die operierenden Ärzte pendeln. In der Pflege hofft er, mit der stationären und ambulanten Vielseitigkeit einer SVE zu punkten - und mit dem an der ITK geltenden Tarifvertrag.
