Rewe-Ansiedlung in Bruck: Zwischen Faltermeier und Hoffmann hagelt es Vorwürfe

Gewitterstimmung herrscht derzeit zwischen Brucks Bürgermeisterin Heike Faltermeier und ihrem Bodenwöhrer Amtskollegen Georg Hoffmann: Die beiden CSU-Parteikollegen sind in der Diskussion um die Rewe-Ansiedlung in Bruck zuletzt heftig aneinandergeraten – und machen sich nun erneut gegenseitig massive Vorwürfe.
Der Hickhack um den am Brucker Ortsrand geplanten Rewe-Markt ist in Bruck und Bodenwöhr neben dem Ausgang der Kommunalwahl derzeit das Hauptgesprächsthema. Vor zwei Wochen hatte die neu gegründete Bürgerinitiative der Rewe-Gegner bei einer Infoveranstaltung kräftigen Widerstand angekündigt.
Eine Stellungnahme des Schwandorfer Landratsamts im Rahmen des Bauleitplanverfahrens hatte die öffentliche Diskussion weiter befeuert. Darin sah die Kreisbehörde die Standortanalyse zum neuen Rewe in Bruck als mangelhaft an.
Faltermeier fährt schwere Geschütze auf
Brucks Bürgermeisterin hatte sich zunächst verbal zurückgehalten, doch nun hat auch sie sich mit einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der Mittelbayerischen zu Wort gemeldet – und fährt darin schwere Geschütze gegen ihren Bodenwöhrer Amtskollegen auf.
Dieses Schreiben hält Bürgermeister Hoffmann bewusst zurück und informiert die Bevölkerung dadurch absichtlich falsch.Heike Faltermeier, Brucks Bürgermeisterin, zu Hoffmanns Schriftverkehr mit Edeka
Konkret geht es Faltermeier dabei um ein Schreiben, das Hoffmann Anfang Februar von der Firma Edeka Süd erhalten hatte. In dieser E-Mail bestätige Edeka, dass der Umsatz für zwei Märkte – also den bestehenden Edeka in Bodenwöhr sowie einen neuen Markt in Bruck – ausreichend sei, schreibt Faltermeier. Dies komme auch in einem Gutachten der GMA (Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung) zum Ausdruck.

Bevölkerung absichtlich falsch informiert?
Die Ansiedlung des neuen Rewe-Markts sei daher „in keiner Weise schädlich“ für den Edeka-Markt in Bodenwöhr, so Faltermeier weiter. Vielmehr zeige Edeka in dem Schreiben an Hoffmann sogar Interesse daran, auch den geplanten Vollsortimenter in Bruck zu betreiben. „Dieses Schreiben hält Bürgermeister Hoffmann bewusst zurück und informiert die Bevölkerung dadurch absichtlich falsch“, schreibt die Brucker Bürgermeisterin in ihrer Stellungnahme weiter.
Ich glaube, es ist allerhöchste Zeit, dass seitens der Bürgermeisterin ausnahmslos alle Karten zur laufenden Bauleitplanung auf den Tisch gelegt werden.Georg Hoffmann, Bodenwöhrs Bürgermeister
Das ist ein Vorwurf, den der Bodenwöhrer Rathauschef nicht auf sich sitzen lassen will. „Mir wurde in einem Gespräch mit Edeka klar gesagt: Edeka sperrt zu, wenn Rewe kommt. Ich informiere die Bevölkerung also nicht falsch“, sagt er. Faltermeier sei bei diesem Gespräch am 28. Januar nicht dabei gewesen und könne sich deshalb dazu gar nicht äußern.
Keine Standortgarantie für Edeka?
Hoffmann verweist aber auch auf das von Faltermeier angesprochene Schreiben, das er am 6. Februar von Edeka Süd im Nachgang zum Gespräch erhalten habe. „Dieses Schreiben enthält weder eine Standortgarantie für Edeka in Bodenwöhr noch sonst irgendetwas Verlässliches“, lautet Hoffmanns Fazit.
Deshalb habe er ein paar Tage später erneut bei Edeka nachgehakt und um eine Standortgarantie für Bodenwöhr gebeten. Diese liege bislang aber immer noch nicht vor– dafür telefonisch von Edeka die Aussage, eine solche Garantie könne man Bodenwöhr nicht geben. Man wisse schließlich nicht, wie die zukünftige Entwicklung vor Ort aussehen werde.

Beide Märkte künftig in einer Hand?
Dass seine Brucker Amtskollegin aus dem Edeka-Schreiben eine Standortgarantie für Bodenwöhr herauslese, kann Hoffmann nicht nachvollziehen. „Frau Faltermeier ist blauäugig, wenn sie so etwas glaubt“, sagt er. Vielmehr sei davon die Rede, dass der Edeka-Standort in Bodenwöhr nur dann sicher sei, wenn Edeka auch den neuen Markt in Bruck betreibe.
Wörtlich heißt es dazu im Edeka-Schreiben, dass der Mittelbayerischen vorliegt: „Das gesamte Umsatzpotenzial im Bereich Bodenwöhr/Bruck reicht aus unserer Sicht grundsätzlich dennoch für zwei Lebensmittelvollsortimenter aus, sofern idealerweise beide Märkte in Abstimmung miteinander und in der Hand eines Betreibers betrieben werden.“ Das Unternehmen selbst reagierte auf eine Anfrage der Mittelbayerischen bislang nicht.
Mit Edeka war Vertraulichkeit vereinbart
Dass Faltermeier das an ihn persönlich adressierte Edeka-Schreiben überhaupt vorliegt, ist etwas, dass Hoffmann irritiert. Schließlich habe er mit dem Unternehmen Vertraulichkeit vereinbart.
Mittlerweile habe er erfahren, dass Edeka selbst das Schreiben weitergegeben habe, und zwar an den Projektentwickler, der eigentlich gerade die aktuellen Rewe-Planungen für Bruck vorantreibt. Das sei ein bedenkliches Vorgehen von Edeka, so Hoffmann. Wenn dieser Projektentwickler das Schreiben dann auch noch an den Markt Bruck weiterleite, brauche es zumindest eine Aufklärung, welcher Partner für Bruck den neuen Markt betreiben werde.
„Aktuell scheint es so, dass es keine Fixierung eines Rewe gibt“, so Hoffmann. Vielmehr werde der Investor nach einem Bauleitplanverfahren an den Meistbietenden vermieten, lautet seine Befürchtung.
Faltermeier bestreitet jegliche Kommunikation mit Edeka
Spekulationen rund um das Edeka-Schreiben bringen Brucks Rathauschefin derweil auf die Palme. Zwar sei erfreulich, dass die Gemeinde Bodenwöhr die Existenz des Edeka-Schreibens nicht bestreite. „Dass die darin getroffenen Aussagen von Edeka in den mehrmals getätigten öffentlichen Äußerungen des Bürgermeisters Hoffmann keinen Einfluss fanden, ist für uns jedoch sehr irritierend“, so Faltermeier. Letztlich lasse dies nur den Rückschluss zu, dass „eine bewusste Täuschung“ vorliege.
Vermutungen, sie sei heimlich in Verhandlungen mit Edeka eingetreten, weist Faltermeier weit von sich. „Seitens der Marktgemeinde Bruck fand bislang keine Kommunikation mit Edeka Südbayern statt“, erklärt sie. Das bestätigt mittlerweile auch Edeka in einem Schreiben, das der Mittelbayerischen vorliegt.
Telefonat fand vor Zeugen statt
Außerdem will Faltermeier die von Hoffmann kürzlich gegenüber der MZ getätigte Aussage, er könne sie nicht erreichen, nicht hinnehmen. „Entsprechende Kommunikationskanäle zu mir stehen jederzeit offen“, schreibt sie.
Das letzte gemeinsame Telefonat habe vor drei Brucker und zwei Bodenwöhrer Gemeindemitarbeitern als Zeugen am 13. Februar stattgefunden. Dabei habe Hoffmann „abermals mit Nachdruck darauf gedrängt“, das Rewe-Verfahren sofort einzustellen, so Faltermeier.
Zudem habe er sie dazu aufgefordert, ein Brucker Marktratsmitglied zur Löschung eines Facebook-Beitrags zu bewegen. In diesem Beitrag habe sich der Marktrat positiv zur Ansiedlung des Rewe-Markts geäußert. Hoffmann habe auch verlangt, dass der Marktrat keine weiteren Rewe-Posts mehr verfassen solle. „Dies widerspricht gänzlich dem von Herrn Hoffmann propagierten Willen zum gemeinsamen Austausch und kommt einer Zensur gleich“, schreibt Faltermeier.
Rewe-Ablehnung frühzeitig kommuniziert
Angesichts solcher gegenseitiger Vorwürfe stellt sich die Frage, wie die beiden Gemeinden künftig in Sachen Rewe zusammenarbeiten wollen. Hoffmann betont dazu, er habe Faltermeier von Anfang an am Rande von gemeinsamen Terminen erklärt, dass man in Bodenwöhr gegen den neuen Rewe sei.
Das offizielle Bauleitplanverfahren, bei dem Bodenwöhr als Kommune eine Stellungnahme habe abgeben können, sei allerdings erst im Herbst 2025 angelaufen. Zu dem Zeitpunkt habe Bodenwöhr seine Einwendungen dann öffentlich gemacht.
Auch mit Brief an die Fraktionschefs gewandt
Das wiederum will Faltermeier so nicht unkommentiert stehen lassen. Die Absichten des Marktes Bruck zur Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes seien nicht zuletzt durch den Bürgerentscheid vor vier Jahren hinlänglich bekannt gewesen. „Schon zu diesem Zeitpunkt hätten die Bedenken der Gemeinde Bodenwöhr kommuniziert werden können. Nunmehr kurz vor Abschluss des Bauleitplanverfahrens eine mangelnde interkommunale Abstimmung zu unterstellen, dient nur dazu, eigene Versäumnisse zu kaschieren“, schreibt Faltermeier in ihrer Stellungnahme.
Ihr Bodenwöhrer Amtskollege Hoffmann hat sich derweil in einem Schreiben an die Fraktionssprecher im Brucker Marktrat gewendet. „Ich glaube, es ist allerhöchste Zeit, dass seitens der Bürgermeisterin ausnahmslos alle Karten zur laufenden Bauleitplanung auf den Tisch gelegt werden“, schreibt er darin.
Das Angebot zum interkommunalen Austausch stehe weiterhin. „Wir sind aufgefordert, beim Thema Nahversorgung in unserem gemeinsamen Unterzentrum zusammenzuarbeiten und bitten noch einmal eindringlich um eine sachgemäße Abwägung im laufenden Verfahren“, schreibt Hoffmann in seiner Nachricht an die Brucker Fraktionssprecher weiter.