Rewe-Gegner wollen Druck aufbauen: Neue Brucker Bürgerinitiative stellt Forderungen

Die „Bürgerinitiative für eine vernünftige Nahversorgung in Bruck und Bodenwöhr“ hat sich klar positioniert: Sie fordert in Sachen Rewe-Ansiedlung eine erneute Bürgerbeteiligung. „Wir werden einen Erörterungstermin verlangen und Druck aufbauen, damit alles nochmal zur Diskussion gestellt wird“, sagte BI-Sprecher Helmut Ertel vor rund 80 Teilnehmern eines Infoabends im Gasthaus Jacob in Bodenwöhr.
Zu Beginn der Versammlung hatte Karin Nehmeyer, eine weitere BI-Sprecherin, erklärt, worauf es ihr und ihren Mitstreitern ankommt. „Unser Ziel ist es, fair und neutral zu informieren“, sagte sie. Es sei wichtig, für Transparenz zu sorgen.
Auch Petra Käsbauer, die dritte Sprecherin der Initiative, meldete sich zu Wort und erläuterte, warum sie bei der neuen Gruppierung mitarbeite. Als Mögendorferin habe sie sich von Anfang an mit der Rewe-Thematik beschäftigt. Dabei zog sie einen Vergleich zur WAA-Zeit in den 1980er Jahren.
Vergleich mit der WAA-Zeit gezogen
Der damalige Landrat Hans Schuierer (SPD) habe die Pläne für die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf begutachtet und sich über die hohen Kamine gewundert – und sei dadurch zum WAA-Gegner geworden. „Uns ist es ähnlich gegangen. Wir haben die Pläne angeschaut und gemerkt: Da stimmt was nicht“, sagte Käsbauer. Deshalb habe man sich zusammengetan. „Eine Bürgerinitiative ist ein demokratisches Mittel, um autokratische Entscheidungen zu kippen“, so die BI-Sprecherin.
Eine Bürgerinitiative ist ein demokratisches Mittel, um autokratische Entscheidungen zu kippen.Petra Käsbauer, BI-Sprecherin
Anschließend sprach BI-Mitglied Gertrud Kuhnle ausführlich über Gutachten, die zur Nahversorgung im Landkreis Schwandorf im Allgemeinen und zur Rewe-Ansiedlung in Bruck im Speziellen existieren. Zunächst erinnerte sie die Zuhörer an eine Analyse der GMA (Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung) aus München. Diese habe 2021 im Auftrag des Landkreises Schwandorf eine Untersuchung durchgeführt – mit dem Ergebnis, dass Bruck und Bodenwöhr als gemeinsames Zentrum in Sachen Nahversorgung sehr gut dastünden, und zwar besser als viele andere Ortschaften im Landkreis. „Wir haben hier sehr gute Möglichkeiten, um in weniger als fünf Minuten bei einem Supermarkt zu sein“, fasste Kuhnle zusammen.
Zweifel an der Kaufkraft der Brucker
Allerdings bewege sich das Bruttojahreseinkommen in Bruck im Vergleich zu anderen Kommunen eher im unteren Bereich, weshalb man hier nicht gerade die allerhöchste Kaufkraft habe. Deshalb stelle sie sich die Frage, warum man ausgerechnet in Bruck einen Rewe-Markt brauche, der ihrer Erfahrung nach vielen Leuten sowieso zu teuer sei.
Anschließend verglich Kuhnle die beiden neuesten Gutachten, die sich konkret mit Bruck befassen. Eine ebenfalls von der GMA erstellte Analyse sei vom Rewe-Investor in Auftrag gegeben und bezahlt worden. Sie scheine „mit der heißen Nadel gestrickt zu sein“, kritisierte Kuhnle. Ein in Bruck existierender Getränkemarkt sei darin sogar totgeschwiegen worden. Das sei skandalös.
Forderung: Investoren nicht alles glauben
Weitere Zweifel am GMA-Gutachten müsse man bekommen, wenn man das kürzlich in Bodenwöhr vorgestellte CIMA-Gutachten betrachte, das in weiten Teilen zu anderen Ergebnissen komme – zum Beispiel, dass Edeka in Bodenwöhr schließen müsse, falls Rewe nach Mögendorf komme.
Erhebliche Zweifel meldete Kuhnle auch an der Standortanalyse des Planungsbüros TB Markert an. Dieses war zu der Auffassung gekommen, dass im Markt Bruck nur der vom Investor favorisierte Standort in Frage komme – und alle anderen neun untersuchten Standorte nicht. Dabei handle es sich um ein Gefälligkeitsgutachten, das nicht objektiv sei, kritisierte Kuhnle. Dieser Meinung sei auch das Landratsamt, wie eine Stellungnahme der Behörde bestäige. Es sei nicht gut, Investoren und Planern alles zu glauben.
Unnötige Flächenversiegelung vermeiden
Anschließend hatten die Zuschauer das Wort. Darunter war auch Klaus Pöhler, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz. Er forderte, dass nicht die amtierenden Markträte weiter über Rewe entscheiden sollten, sondern erst das neu gewählte Gremium. „Diese sollten das Privileg haben, darüber abzustimmen“, sagte er. Zudem forderte er, jede unnötige Flächenversiegelung unbedingt zu vermeiden.
Alois Feldmeier, Gemeinderat der Bodenwöhrer Bürgerliste, erklärte, vom geplanten Rewe würden nicht die Brucker Bürger profitieren, sondern der Durchgangsverkehr. Die Zeiten der Rivalität zwischen Bodenwöhr und Bruck seien doch lang vorbei, so Feldmeier weiter. Nun sei es Zeit zusammenzuhalten, damit Rewe keinen Keil zwischen die beiden Orte treiben könne.
Auf die Frage, was die Bürgerinitiative nun konkret vorhabe, gab Sprecher Helmut Ertel einen Kurs vor. Es sei respektlos, wie in der Brucker Marktratssitzung im Dezember mit den Einwendungen von Bürgern umgegangen worden sei. Damals hatte sich das Gremium für eine Block-Abstimmung entschieden.
Marktrat soll sich nicht mehr auf Bürgerentscheid berufen
Seit dem Bürgerentscheid im Jahr 2022 hätten sich die Pläne für den Rewe-Standort massiv geändert. Mittlerweile gehe es nicht mehr nur um einen großen Lebensmittel-Markt, sondern außerdem um einen Non-Food-Markt und einen Imbiss. Das sei eine völlig neue Geschäftsgrundlage. „Der Marktrat darf sich nicht mehr auf den Bürgerentscheid berufen“, so Ertels Fazit.
Die Bürgerinitiative werde „auf jeden Fall Stimmung machen“ und einen Erörterungstermin im Freizeitzentrum verlangen. „Da können dann alle dabei sein“, sagte Ertel. Zudem werde man ein Flugblatt veröffentlichen und die Bürger bitten, am 8. März nur Kandidaten zu wählen, die sich klar gegen den Rewe-Markt gestellt hätten.