Rewe-Streit: Markt Bruck kassiert scharfe Kritik vom Landratsamt

Der geplante Rewe-Markt in Bruck sorgt weiter für jede Menge Aufregung: In einer Stellungnahme hat das Landratsamt Schwandorf jetzt erhebliche Bedenken gegen den Standort und das Vorgehen des Marktes Bruck angemeldet. Auch Bodenwöhrs Bürgermeister Georg Hoffmann (CSU) übt Kritik und wirft seiner Brucker Amtskollegin Rücksichtslosigkeit vor.
Noch sind die Rewe-Pläne von der Realisierung weit entfernt. Bis einschließlich 16. Februar lief dazu im Brucker Rathaus im Rahmen der Bauleitplanung die Frist, um zum zweiten Mal Stellungnahmen zum Entwurf des Bebauungsplans „Sondergebiet (SO) Einzelhandel an der Schöngraser Straße“ sowie zum Flächennutzungsplan abzugeben. Im Rahmen dieser Frist hat sich auch das Landratsamt mit einem Schreiben gemeldet.
Behörde meldet Zweifel Abwägungsprozess an
Darin kritisiert die Behörde zunächst das Vorgehen bei der Brucker Marktratssitzung am 18. Dezember 2025. Auf Ratsbeschluss hin hatte das Gremium damals über die bereits eingegangenen Einwendungen nicht einzeln, sondern im Block abgestimmt. Es sei „zumindest zweifelhaft, ob eine sachgerechte Abwägung überhaupt stattgefunden“ habe, heißt es dazu vonseiten des Landratsamtes. Eine Abwägung der Belange, wie es das Baugesetzbuch fordere, habe nicht stattgefunden.
Das ist schon die Königsdisziplin: Nahversorgung im eigenen Ort anzusiedeln – auf Kosten anderer Gemeinden.Georg Hoffmann, Bodenwöhrs Bürgermeister
Das Landratsamt weist in seinem Schreiben außerdem darauf hin, dass der Markt Bruck bei der Bauleitplanung für ein Einzelhandelsgroßprojekt wie Rewe das interkommunale Abstimmungsgebot zu beachten habe. Eine Nachbargemeinde wie Bodenwöhr habe Anspruch darauf, dass ihre Belange im Abwägungsprozess angemessen berücksichtigt würden. „Zum jetzigen Kenntnisstand bestehen erhebliche Zweifel, ob dieser Abwägungsvorgang mängelfrei erfolgt ist“, lautet das Fazit aus der Kreisbehörde.
Mängel in der Standortanalyse festgestellt
Darüber hinaus bemängelt das Landratsamt die Standortanalyse, die ein Planungsbüro im Auftrag des Marktes Bruck und auf Kosten des Investors durchgeführt hatte. Diese Analyse hatte sich einerseits mit dem rund 0,9 Hektar großen Grundstück an der Staatsstraße 2150 beschäftigt, das für den Investor im Fokus steht. Ferner wurden neun weitere potenzielle Standorte untersucht.
Doch das Planungsbüro kam zu dem Ergebnis, dass das vom Investor anvisierte Areal in Bruck die einzige geeignete Fläche für eine Nutzung als Einzelhandelsstandort sei. Zudem seien Innenentwicklungspotenziale nicht in ausreichender Form vorhanden. „An dieser Prüfung bestehen unsererseits erhebliche Zweifel“, lautet das Fazit des Landratsamts. Denn: Die Standortanalyse sei „in ihrer Gewichtung subjektiv“ und von vornherein auf den vom Investor gewünschten Standort angelegt.
Kritik an „methodischen Schwächen“
Außerdem erscheint die Gewichtung der Standorte laut Kreisbehörde „durchgehend willkürlich“ und sei „bei Ortskenntnis nicht nachvollziehbar bzw. plausibel“. In Summe kommt das Landratsamt zu einem deutlichen Hinweis: „Eine Überarbeitung der Standortanalyse aufgrund methodischer Schwächen erscheint zwingend. Die Bedenken hinsichtlich der Unvereinbarkeit der vorliegenden Bauleitplanung im Hinblick auf die Ziele der Raumordnung und Landesplanung werden von Seiten der Bauaufsichtsbehörde aufrechterhalten.“
Zu den Ausführungen des Landratsamts wollte sich Brucks Bürgermeisterin Heike Faltermeier (CSU) auf Nachfrage der Mittelbayerischen nicht äußern. Die Stellungnahme der Behörde werde – so wie alle anderen eingegangenen Stellungnahmen auch – geprüft und ausführlich bei der Marktratssitzung am 26. März behandelt, kündigte sie an. Ursprünglich war dies für die Sitzung am 5. März vorgesehen gewesen, doch die Tagesordnung sei für diesen Termin schon gut gefüllt, weshalb man sich mit der Rewe-Thematik in einer eigenen Sitzung beschäftigen werde. „Sonst heißt es wieder, wir quetschen das nur so rein“, so Faltermeier.
Bodenwöhrs Rathauschef fordert bessere Zusammenarbeit
Kritische Töne kommen derweil erneut aus dem Bodenwöhrer Rathaus. Bürgermeister Georg Hoffmann (CSU) zeigte sich im Gespräch mit der Mittelbayerischen verärgert. „Ich versuche verzweifelt, Kontakt zur Brucker Bürgermeisterin zu bekommen“, erklärte er. Die Gemeinden Bodenwöhr und Bruck bildeten ein gemeinsames Unterzentrum und müssten sich bei einem großen Einzelhandelsprojekt interkommunal abstimmen, so Hoffmann.
Er habe Faltermeier schon mehrfach angeboten, in Sachen Rewe zusammenzuarbeiten. „Aber von ihrer Seite kommt immer nur, dass sie daran kein Interesse hat“, so Hoffmann. Ihm gehe es darum, den Edeka in Bodenwöhr zu retten – der schließen würde, wenn sich im direkt benachbarten Brucker Ortsteil Mögendorf ein neuer großer Rewe-Markt ansiedeln würde. Das habe Edeka ihm deutlich signalisiert, sagt Hoffmann.
Kompromiss: Edeka in Bodenwöhr erweitern
Als Kompromisslösung wäre es für ihn denkbar, den Bodenwöhrer Edeka-Standort zu erweitern – mit Hilfe der direkt angrenzenden Fläche, die bereits auf Brucker Gebiet liege. Bodenwöhr und Bruck könnten sich künftig dann auch die Gewerbesteuereinnahmen teilen, so Hoffmanns Vorschlag. Doch damit habe er bei seiner Brucker Amtskollegin bislang nichts erreicht. „Das ist schon die Königsdisziplin: Nahversorgung im eigenen Ort anzusiedeln – auf Kosten anderer Gemeinden“, ärgert sich der Bodenwöhrer Rathauschef.
Die Brucker Bürgermeisterin erklärte auf Nachfrage, die Initiative aus Bodenwöhr komme zur Unzeit„Wir arbeiten interkommunal immer gern zusammen. Aber jetzt ist es zu spät. Da hätte Bodenwöhr schon viel früher auf uns zukommen müssen.“