Nach überraschendem Wahlergebnis in Bodenwöhr: Hoffmann erteilt Schmid eine Absage

Von Cornelia Lorenz · 10. März 2026 um 16:10

Die Bürgermeisterwahl in Bodenwöhr hat Amtsinhaber Georg Hoffmann (CSU) zwar gewonnen – doch mit einem Ergebnis, das viele überraschte: Sein junger Herausforderer Fabian Schmid hat ihm jede Menge Wählerstimmen abgeknöpft. Der 23-Jährige von der Bürgerliste, der von den Freien Wählern noch als Bürgermeisterkandidat verschmäht wurde, blickt stolz auf seine 38 Prozent. Und er erhebt Ansprüche, von denen Hoffmann gar nicht begeistert ist.

Der Rathauschef ist bereits seit 2019 im Amt und zeigte sich auf Nachfrage der Mittelbayerischen mit seinem Wahlergebnis (62 Prozent) zufrieden. „Für mich ist das eine Bestätigung meiner Arbeit der vergangenen sieben Jahre. Wir haben versucht, vieles zu verbessern und die Leute haben das auch wertgeschätzt“, sagt er. Allerdings habe er viele Projekte angestoßen – und jedes Projekt ziehe auch Gegner an. „Da wird es dann schon den einen oder anderen geben, der damit nicht zurechtkommt.“

Hoffmann hatte schwer damit zu tun, mir in die Augen zu schauen.Fabian Schmid, unterlegener BLB-Kandidat

Er hat die Wahlergebnisse nach eigenen Aussagen „intensiv analysiert“ und verweist darauf, dass es in Bodenwöhr bei der Bundestagswahl 2025 in einigen Ortsteilen einen hohen AfD-Wähleranteil gegeben habe. In Altenschwand etwa, seinem eigenen Wohnort, seien damals 35,9 Prozent der Zweitstimmen auf die AfD entfallen und nur 34,3 Prozent auf die CSU. Diese Wählerschaft habe sich nun auch bei der Kommunalwahl eine Protestpartei gesucht – und sie in Form der Bürgerliste mit ihrem Kandidaten Fabian Schmid gefunden, vermutet Hoffmann.

Wenig Hoffnung auf einen anderen Ton im Gemeinderat

Sein persönliches Wahlergebnis und der Verlust eines CSU-Sitzes im Gemeinderat an die Bürgerliste (BLB) werde sich nicht auf seine weitere Arbeit auswirken. „Ich hatte ja vorher auch schon keine Mehrheit im Gemeinderat“, sagt der Bürgermeister. Er habe die vergangenen Jahre genutzt, um Sachthemen in den Vordergrund zu stellen – und jeder Gemeinderat könne entscheiden, was sinnvoll sei und was nicht.

Bei der BLB sei der Fokus ein anderer. „Was da gemacht wird, hat nichts mit Sachpolitik zu tun. Und so lange Herr Feldmeier dabei ist, verbessert sich der Ton im Gemeinderat auch nicht“, vermutet Hoffmann.

Schmid ging nervös in den Wahlabend

Fabian Schmid, der Bürgermeisterkandidat der BLB, erklärt, mit einer guten Portion Nervosität am Wahlabend die Auszählung mitverfolgt zu haben. „Da wurde relativ schnell klar, dass es knapp ist“, sagt er. Als alle Stimmen ausgezählt gewesen waren, sei Hoffmann „sichtlich gekränkt“ gewesen, weil das Ergebnis für ihn „eine gewisse Niederlage“ sei, so Schmids Wahrnehmung.

Ich hatte ja vorher auch schon keine Mehrheit im Gemeinderat.Georg Hoffmann (CSU) über die neuen Kräfteverhältnisse im neuen Gemeinderat

Er habe Hoffmann unter anderem mit den Worten „Auf gute Zusammenarbeit im Gemeinderat“ gratuliert, doch dafür sei er nur belächelt worden. „Hoffmann hatte schwer damit zu tun, mir in die Augen zu schauen“, so Schmid weiter.

Der 23-Jährige ist mit seinem Ergebnis äußerst zufrieden. Sein Minimalziel seien 350 Stimmen gewesen, also rund 16 Prozent. Woher kommt diese Zahl? Für Schmid ist das einfach erklärt: Bei der Bürgermeisterwahl 2014 habe Albert Krieger – sein ehemaliger FW-Kollege und erklärter Gegner von Schmids Kandidatur gegen Hoffmann – genau dieses Ergebnis erzielt. „Deshalb wollte ich das auf alle Fälle erreichen“, räumt Schmid freimütig ein.

Schmid freut sich über Ergebnis in Altenschwand

Dass es ihm nun gelungen sei, dem Amtsinhaber nicht nur ein paar wenige, sondern ordentlich Stimmen abzugraben, ist für Schmid ein persönlicher Erfolg. „Ich habe das Statement gesetzt, dass es in Bodenwöhr auch noch jemand anderen gibt, den man wählen kann“, sagt der 23-Jährige. Dass er im Wahllokal in Altenschwand, Hoffmanns Wohnort, mit 47,6 Prozent sein bestes Teilergebnis erzielt habe, ist für ihn besonders. „Das zeigt mir, dass die Leute mit mir als Bürgermeister zufrieden wären und dass Hoffmanns Rückhalt im Ort nicht so groß ist.“

Mit einer gewissen Genugtuung blickt Schmid jetzt auch auf seinen Abschied bei den Freien Wählern zurück, die ihm Ende Dezember die Nominierung unter anderem mit Hinweis auf sein Alter und mangelnde Erfahrung verweigerten. Er habe in der Zwischenzeit von zahlreichen Seiten Rückmeldungen bekommen. „Viele haben gesagt: Wie kann man nur so blöd sein und das Potenzial eines solchen Kandidaten wie mir, der schon gewisse Erfolge aufweisen kann, nicht nutzen?“, sagt Schmid und verweist dabei beispielsweise auf seine Bundestagskandidatur 2025.

Keine Glückwünsche von alten Parteikollegen bekommen

Von Seiten der Ortsvorsitzenden der Freien Wähler hat Schmid anlässlich der Wahl keine Reaktion erreicht. „Ich hätte aus Gründen der Höflichkeit schon Glückwünsche erwartet – und dass sie über ihren Schatten springen und vielleicht zugeben, dass sie nicht Recht hatten“, sagt Schmid.

Den Einzug in den Gemeinderat hat er geschafft. Nun ist sein nächstes Ziel, 2. Bürgermeister zu werden. „Das ist ein logischer Schritt, denn da kann man noch einmal anders mitgestalten“, sagt er. Das wiederum ist aber eine Option, die aus Hoffmanns Sicht ausscheidet. Die BLB habe einen unfairen Wahlkampf betrieben, sei seit Jahren Protestpartei und verbreite Halbwahrheiten. Deshalb sollte sie keinesfalls den Vize-Rathauschef stellen. Einen fairen Wahlkampf attestiert Hoffmann lediglich der CSU und der SPD.

Überraschung bei den Freien Wählern

Mit Spannung wurde am Sonntagabend das Ergebnis der Bürgermeisterwahl auch bei den Freien Wähler erwartet. „Für mich war das eine Überraschung“, sagt Albert Krieger, stellvertretender Ortsvorsitzender und einer jener FW-Vertreter, die sich klar gegen eine Kandidatur Schmids ausgesprochen hatten. Krieger hatte unter anderem argumentiert, man wolle keinen jungen Kandidaten gegen einen fest im Sattel sitzenden CSU-Rathauschef verheizen.

Nun hat dieser CSU-Amtsinhaber aus Kriegers Sicht einen Schuss vor den Bug bekommen. „Das ist ein schlechtes Ergebnis für Hoffmann. Es war eine absolute Protestwahl“, sagt der FW-Mann. Offenbar fänden dessen Amtsführung und seine politische Arbeit bei den Wählern weniger Zuspruch, als dies ein fest im Sattel sitzender Amtsinhaber erwarten könne. „Deutlicher kann die Sprache der Wähler nicht sein“, so Krieger.

Albert Krieger bleibt bei seiner Meinung zu Schmids Kandidatur

Haben die Freien Wähler einen Fehler gemacht, als sie Schmid nicht selbst nominierten? Haben sie dessen Chancen unterschätzt? Krieger winkt ab. Er stehe zu seiner Meinung, was die Nominierung Schmids angehe. Für ihn ist klar: „Wenn ein geeigneter Gegenkandidat gekommen wäre, wäre Hoffmann nicht mehr im Amt.“

Ihm sei zudem von mehreren Seiten zugetragen worden, dass eine ganze Menge Wähler auf den Wahlscheinen beide Kandidaten durchgestrichen hätten. Ein Blick in die Statistik zeigt: 6,4 Prozent der Stimmen bei der Bodenwöhrer Bürgermeisterwahl waren ungültig – und damit deutlich mehr als etwa in der Nachbargemeinde Bruck (2,1 Prozent) oder in Wackersdorf (1,0 Prozent), wo die beiden Amtsinhaber jeweils klare Siege einfuhren.