Veronika Graßmann leitet künftig Technikerlebniszentrum in Bodenwöhr

Von Renate Ahrens · 1. März 2026 um 17:00

Forscherin wollte sie schon als kleines Kind werden – am liebsten im Dschungel, weil sie Natur und Tiere liebte. Schon früh stand für Dr. Veronika Graßmann aus Bruck fest, wohin ihr Weg führen sollte. Nun übernimmt die promovierte Biochemikern die Leitung des neuen Technikerlebniszentrums (TEZ) in Bodenwöhr, das im Herbst eröffnet werden soll.

Dort entsteht derzeit ein MINT-Lernort – eine „Forscherwerkstatt“ – für den gesamten Landkreis, der Kinder und Jugendliche für Technik und Naturwissenschaften begeistern will – ihr Herzensprojekt, wie Graßmann sagt.

Damals wurde die 38-Jährige noch belächelt, wenn sie von ihrem Berufswunsch erzählte. Doch schon als Kind stellte sie sich eine entscheidende Frage: Welchen Beruf kann ich 40 Jahre lang ausüben, ohne dass er langweilig wird? „Da war Forscher eben der Favorit“, erzählt Graßmann und lacht. Naturwissenschaften faszinierten sie von klein auf. Statt Zeichentrickfilme sah sie gemeinsam mit ihrem Bruder lieber Tierdokumentationen. In der Schule zählten Biologie, und vor allem Chemie, zu ihren Lieblingsfächern.

Die Bauarbeiten laufen unter Hochdruck. Im OG entsteht ein Bürgersaal. - Foto: Renate Ahrens

Verstehen, wie die Welt funktioniert

„Am Nittenauer Gymnasium hatte ich viele Jahre dieselbe Chemielehrerin, die oft mit uns experimentierte. Das fand ich großartig. Ich wollte verstehen, wie die Welt funktioniert“, erinnert sich die 38-Jährige. Ihre Begeisterung für naturwissenschaftliche Zusammenhänge wuchs stetig – und bald war klar, dass sie an der Universität Regensburg Biochemie studieren würde.

„Ich wusste, dass es eines der schwierigsten Studienfächer ist. Aber meine Chemielehrerin sagte: Du kannst das schaffen.“ Diese Ermutigung prägte sie. Ihre Masterarbeit schrieb Graßmann über gemeinsame Vorfahren von Enzymen bei Tieren und Menschen, und für ihre Doktorarbeit forschte sie fünf Jahre lang an HIV-Impfstoffen. In dieser intensiven Zeit wurde auch ihre erste Tochter geboren – inzwischen sind es vier Kinder im Alter von ein, fünf, sieben und neun Jahren.

Das ehemalige, mehr als 100 Jahre alte Bahnhofsgebäude stand lange leer. Nun entsteht hier ein Technikerlebniszentrum für den gesamten Landkreis. Reante Ahrens - Foto: Renate Ahrens

Ihr Ehemann, Professor für Biologie und Informatik, lehrte mehrere Jahre lang in Potsdam. Die Familie wohnte dort, bis sie vor einem halben Jahr nach Bruck zurückkehrte, wo Veronika Graßmann aufgewachsen ist und ihre Eltern wohnen. Bald wird ihr Mann eine Professur an der Universität München antreten, also näher an Bruck. Zurzeit entsteht in Bruck für Eltern und Großeltern ein Zwei-Generationen-Haus, das bald bezugsfertig sein wird – ebenso wie Graßmanns zweites großes Bauprojekt: das Technikerlebniszentrum.

Auf der Baustelle des TEZ wird intensiv gearbeitet. Sobald der für April geplante Estrich fertig ist, lässt sich der genaue Termin für die Einweihung besser abschätzen. Voraussichtlich im September soll es so weit sein. „Ich hätte mir so einen Ort als Kind selbst gewünscht“, sagt Graßmann und lächelt. „Kinder haben einen natürlichen Forscherdrang. Den wollen wir fördern.“

Im TEZ sollen Kinder und Jugendliche nach Herzenslust experimentieren und tüfteln – ohne Noten- oder Zeitdruck. „Es darf ruhig auch einmal etwas schiefgehen. Gerade daraus lernt man. Es wird nichts bewertet. Scheitern ist ausdrücklich erlaubt“, sagt Graßmann. Hemmschwellen gegenüber Technik – etwa bei Mädchen – sollen abgebaut werden. Träger des TEZ ist die „Lernende Region Schwandorf“. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Auch ehrenamtliche Tüftler sind gefragt

Neben Graßmann als MINT-Managerin werden zwei weitere Mitarbeiter fest angestellt sein, etwa ein Elektrotechniker oder ein Schreinermeister, die Kurse anbieten. Zudem soll ein fester Stamm an Ehrenamtlichen aufgebaut werden – Tüftler, die mit den Kindern beispielsweise Vogelhäuschen bauen oder Lego-Roboter programmieren.

Graßmann selbst wird den Schwerpunkt auf naturwissenschaftliche Angebote legen. Für spezielle Themen wie Künstliche Intelligenz oder Informatik sind zusätzlich Honorarkräfte vorgesehen.

Auch regionale Unternehmen haben bereits Interesse signalisiert. Ausbildungsleiter mit Auszubildenden könnten Kurse übernehmen und so frühzeitig das Interesse junger Menschen an technischen Berufen wecken – vielleicht sogar für eine spätere Ausbildung im eigenen Betrieb.

Auch die Lage überzeugt

Beim Rundgang durch das künftige TEZ lässt sich erahnen, was hier entstehen wird: mehrere große, helle Räume – darunter eine Holzwerkstatt, ein Maschinenraum, ein naturwissenschaftliches Labor und ein Elektrotechniklabor. Maschinen auf rollbaren Wagen ermöglichen flexibles Arbeiten. „Die Leitungen an der Decke bleiben bewusst sichtbar, damit wir die Elektrik erklären können“, erläutert die Biochemikerin. Auch die Lage überzeugt Graßmann: Bodenwöhr liegt zentral im Landkreis Schwandorf und ist gut mit der Bahn erreichbar. Der nahegelegene See und der umliegende Wald bieten zusätzliche Möglichkeiten für Experimente.

Im Dschungel forscht Graßmann heute zwar nicht. Doch es sei noch viel schöner, sagt sie lächelnd, in der eigenen Heimat junge Menschen für Wissenschaft zu begeistern.

Zur Eröffnung wurde übrigens auch die Maus aus „Die Sendung mit der Maus“ eingeladen. Die Chancen, so Graßmann, stehen gut, dass sie tatsächlich kommt.