Bass statt Hass am Schwandorfer Marktplatz – Bündnis gegen Rechtsextremismus setzte Zeichen

Von Clara Lietzmann · 1. März 2026 um 15:00

Dresscode: bunt, lautete die Devise am Freitagabend auf dem Schwandorfer Marktplatz. Kurz vor dem Abschluss des Kommunahlwahlkampfs lud das Schwandorfer Bündnis gegen Rechtsextremismus zur Kundgebung „Tanz für Toleranz“ ein. Ziel der Aktion war es, für ein friedliches und respektvolles Miteinander in der Gesellschaft zu werben.

Etwa 120 Menschen fanden sich ab 17 Uhr bei strahlender Frühlingssonne in der Innenstadt ein, um ein Zeichen für Demokratie und gegen die AfD zu setzen. Einen großen Lastwagen als Bühne hatte Unternehmer Stefan Wegerer zu Verfügung gestellt. Am Rande der Kundgebung boten die Helfer zur Stärkung Kinderpunsch und Sauerteigbrötchen an. Unterstützerin Christa Braun half zudem bei der Einhaltung des Dresscodes mit: Sie hatte selbst gestrickte und genähte bunte Mützen, Stirnbänder und Schals für die Besucher mitgebracht.

Die Bündnissprecher Martin Schmid und Veronika Peters-Brunner eröffneten die Veranstaltung und stellten die Programmpunkte vor. „Und dazwischen und danach vibriert der Markplatz, und die Menge kocht mit Bass und Beats von DJ Neupi“, versprach Schmid, der passend im bunt geringelten Anzug erschienen war.

Eine musikalische Einstimmung bot der Schwandorfer Künstler Ferdinand Rieppel mit dem Lied: „Schleich di“, wie er im authentischen oberpfälzer Dialekt verkündete. Bündnissprecherin Elisabeth Hirzinger fand auf der Bühne ebenfalls klare Worte gegen Rechtsextremismus: „Unsere Stadt darf kein Ort sein, an dem der Hass das Klima bestimmt“, erklärte sie: „Schwandorf ist bunt, nicht braun – Gott sei dank“.

Für einen Überraschungsbeitrag sorgte eine Frau aus dem Elisabethenheim. Da eine syrische Pflegekraft aus ihrem Heim abgeschoben werden soll, erbat sie das Wort. Viele der Pfleger aus dem Ausland seien wirklich anständige und fleißige Leute, auf deren Hilfe sich die Menschen im Heim verlassen könnten, betonte sie. Eine Abschiebung solcher Menschen kann die alte Dame nicht verstehen: „Wer soll dann für uns sorgen?“

Der Höhepunkt der Tanzkundgebung folgte schließlich mit einer Choreografie, die Tanzlehrerin Andrea Nerf mit ihrer Jazztanzgruppe zu dem italienischen Partisanenlied „Bella Ciao“ erarbeitet hatte. Beim ersten Durchgang wurde noch vorgetanzt, in der zweiten und dritten Runde durften alle mittanzen. „Ein erfolgreicher Versuch“, wertete Bündnissprecher und SPD-Stadtrat Franz Schindler die Aktion. Auch im Anschluss hielt die Tanzstimmung im Publikum weiter an.

Pfarrer Stefan Drechsler gab einen passenden theologischen Exkurs zur Rolle des Tanzes in der Bibel und erklärte: „Intolerante Menschen können gar nicht tanzen.“ Deutsche Marschmusik eigne sich schließlich wenig für diesen Zweck.

Kabarettist Christian Springer hatte ein Grußwort gesendet, das von Bündnissprecherin Uschi Maxim verlesen wurde, da er selbst nicht anwesend sein konnte. Eine weitere Rede hielt Aktivist Paul Lehmann.

Gekommen waren nicht ganz so viele Menschen wie ursprünglich erwartet, dennoch zeigte sich Bündnissprecherin Elisabeth Hirzinger mit der Resonanz und dem Ablauf der Aktion zufrieden. Das Bündnis sieht nun dem Ergebnis der Kommunalwahl mit Spannung entgegen.

In Handarbeit stellte Christa Braun (2. v. r.) rund 60 Schals oder Mützen in Regenbogenfarben her. - Foto: Clara Lietzmann