Zwei Tote in der Dampfer-Szene bei Schwandorf: Waren Baller-Liquids im Spiel?

Von Martin Kellermeier · 26. Februar 2026 um 19:00

Nach zwei Leichenfunden im Landkreis Schwandorf ermittelt die Kriminalpolizei Amberg. Ein 25-Jähriger und ein 37-Jähriger wurden Anfang der Woche leblos in ihren Wohnungen in Schwandorf und Teublitz entdeckt. Laut Polizei kannten sich die Verstorbenen. Die Ermittler sind alarmiert. Kam der Tod der beiden Männer mit ein paar Zügen aus der E-Zigarette, in die ein sogenanntes Baller-Liquid gefüllt wurde?

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Noch stehen die Ermittlungen der Kriminalpolizei ganz am Anfang, berichtete Polizeihauptkommissarin Corinna Wild auf MZ-Anfrage. Beide Leichen sollten zeitnah von der Rechtsmedizin untersucht werden. „Wir warten das Ergebnis der Obduktion ab“, teilte Wild mit. Schon jetzt stehe fest, dass es in beiden Fällen keine Hinweise auf ein Fremdverschulden oder einen Unfall gibt.

Im Messengerdienst WhatsApp kursiert derweil eine Nachricht, die sich auf die beiden Leichenfunde bezieht. Darin heißt es, Polizeibeamte hätten an einem der Einsatzorte aufgeklärt, dass derzeit illegale Liquids für E-Zigaretten im Umlauf seien. Diese könnten zu schweren Gesundheitsfolgen führen. Als Symptome werden in der Nachricht unter anderem Schaum vorm Mund sowie blutiger Ausfluss aus Mund und Nase genannt.

Derartige Liquids für die Vapes, wie E-Zigaretten auch genannt werden, sind der Polizei nicht fremd. In den vergangenen Monaten wurden insbesondere in Hochfranken immer wieder chemisch veränderte Liquids bei Jugendlichen entdeckt, die eine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit darstellten. So berichtet es die Bayerische Polizei auf ihrer Internetseite.

Auch als „Zombie-Liquid“ oder „Görke“ bekannt

Die gefährlichen Substanzen seien unter den Namen „Zombie-Liquid“, „Baller-Liquid“ oder „Görke“ bekannt. „Meist enthalten diese Liquids synthetische Cannabinoide oder sonstige Stoffe, die dem Betäubungsmittelgesetz oder dem Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz unterliegen“, erklärte Polizeisprecherin Wild auf MZ-Anfrage. Das habe zur Folge, dass unter anderem der Erwerb, der Besitz und der Handel dieser Substanzen strafbar seien.

Polizeisprecherin Corinna Wild sagt: „Meist enthalten diese Liquids synthetische Cannabinoide oder sonstige Stoffe, die dem Betäubungsmittelgesetz oder dem Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz unterliegen.“ - Foto: Martin Kellermeier

Laut der Polizeihauptkommissarin könnten die berauschend wirkenden Substanzen „zu Enthemmung und Halluzinationen führen und schwerwiegende gesundheitliche und mitunter auch lebensgefährdende Folgen nach sich ziehen“. Zu den Risiken zählten hierbei insbesondere Herzrasen, Krampfanfälle, Angst- und Panikattacken, Wahnvorstellungen und Psychosen.

Seit Anfang 2025 wurden laut Corinna Wild „einige Einzelfälle von entsprechenden illegalen Liquids im Bereich des Polizeipräsidiums Oberpfalz“ festgestellt. Oberpfalzweit sei bislang in zwei Fällen ein Rettungsdiensteinsatz in Zusammenhang mit „Baller-Liquids“ die Folge gewesen.

Die beiden Leichenfunde im Landkreis Schwandorf könnten die Polizeistatistik nun trüben und womöglich die ersten beiden Todesfälle im Zusammenhang mit „Baller-Liquids“ in der Oberpfalz sein.

Caritas-Fachambulanz in Schwandorf berichtet von etlichen Suchtkranken

Eine Anlaufstelle für Suchtkranke im Landkreis Schwandorf ist die Fachambulanz der Caritas in der Ettmannsdorfer Straße in Schwandorf. Dort wurden im Vorjahr 625 Klienten und deren Angehörige beraten. 241 Personen davon stellten sich laut Leiterin Karin Schmittner vor, weil sie verbotene Substanzen konsumieren. Sie waren vor allem der Gruppe der Anfang 20- bis Ende 30-Jährigen zuzuordnen. Der Wert aus 2025 bewege sich in etwa auf dem Niveau der Vorjahre. „Es gibt eigentlich keine Ausreißer“, bilanzierte die Diplom-Sozialpädagogin und Suchttherapeutin.

Bei diesen chemischen Substanzen ist den Konsumenten die Gefährlichkeit oft nicht bewusst.Karin Schmittner, Leiterin der Caritas-Fachambulanz in Schwandorf

Fälle, in denen Baller-Liquids eine Rolle spielten, seien in der Fachambulanz bislang eher eine Seltenheit. „Bei diesen chemischen Substanzen ist den Konsumenten die Gefährlichkeit oft nicht bewusst“, sagte Schmittner. Die Klienten der Caritas würden nach Alkohol vor allem Cannabis konsumieren. Doch auch Suchtkranke, die regelmäßig Amphetamine, Crystal Meth und Opiate einnehmen, würden sich vorstellen.

Frau lag mit Schaum vor dem Mund regungslos in Schwandorf

Unterdessen wurde am Donnerstag ein weiterer Vorfall bekannt. Am vergangenen Mittwoch, gegen 12.30 Uhr, wurden Polizei und Rettungsdienst zu einer kleinen Grünanlage in der Friedrich-Ebert-Straße in Schwandorf gerufen, direkt unterhalb der Adenauerbrücke. Laut Polizeisprecher Stefan Dirnberger wurde hier eine 27-Jährige aus Maxhütte-Haidhof reglos mit Schaum vor dem Mund aufgefunden. Der Rettungsdienst brachte die Frau ins Krankenhaus.

Nach einer mittlerweile erfolgten ersten Befragung habe die Frau in der Nähe des Schwandorfer Bahnhofs einmal von einem Joint gezogen. „Fraglich bleibt allerdings, ob der noch unbekannte Inhalt des Joints alleine ausschlaggebend für den Zustand der Frau war oder ob hier auch Wechselwirkungen mit den gut 2,5 Promille, die die junge Frau hatte, eine Rolle spielten“, teilte Polizeioberkommissar Dirnberger mit. Ein Zusammenhang zu den beiden Leichenfunden „kann zum derzeitigen Zeitpunkt nicht hergestellt werden“, hieß es.