Wieder blutige Schlägerei in Hemau: Sechs Verdächtige im Visier der Ermittler

Nach aufsehenerregendem Vorfall in Hemau im Landkreis Regensburg laufen intensive Ermittlungen – Bezüge zur Tankstellen-Attacke von 2023 verneint die Polizei. Doch mindestens ein Beteiligter ist kein Unbekannter, zeigen MZ-Recherchen. Er saß bis vor kurzem im Mammut-Prozess vor dem Landgericht.
Vor zehn Tagen sorgt ein Vorfall in der Wittelsbacher Straße in Hemau für Wirbel. Zwei Gruppen geraten laut Polizei aneinander – schnell werden Befürchtungen laut, es könnte die Fortsetzung des schlagzeilenträchtigen Vorfalls vom Herbst 2023 an einer Tankstelle in der Nähe sein. „Das hat gar nichts miteinander zu tun“, sagt Michael Wurm, Chef der Polizeiinspektion in Nittendorf. Doch mindestens ein Beteiligter stand bis vor wenigen Wochen noch in einem Mammut-Prozess vor Gericht.
Was genau der Auslöser war, dass zwei Gruppen mit etwa zehn Beteiligten am 22. Februar brutal aneinander gerieten, ist „derzeit Gegenstand intensiver Ermittlungen“, so Wurm. Dass das Ganze in der Wittelsbacher Straße spielte, bestätigt der Polizeihauptkommissar erstmals, ebenso die Tatzeit: Gegen 21.15 Uhr waren die Notrufe von Anwohnern eingegangen. Bislang hatte sich die zuständige Polizei in dieser Sache äußerst bedeckt gehalten.
Einige Geschädigte sind zugleich auch Beschuldigte
Wohl, um die Aufklärung so wenig wie möglich zu gefährden. Auch zehn Tage später scheint aber noch nicht allzu viel Licht ins Dunkel gekommen zu sein. Die Hintergründe seien „nach wie vor etwas undurchsichtig“, erklärt Wurm. „Wir sind dran, sortieren und ordnen das ein.“ Fakt ist: Einige Geschädigte haben mittlerweile teilweise auch Beschuldigtenstatus. Sie haben sich Anwälte genommen. Es kam wechselseitig zu körperlichen Attacken. Mehr will Wurm mit einem Verweis auf die intensiven laufenden Ermittlungen jedoch vorerst nicht sagen.
Auch nicht zur Frage, ob am jüngsten Vorfall Beteiligte oder jemand aus deren Umfeld auch etwas mit der einst als versuchter Mord angeklagten Bluttat an der Tankstelle zu tun haben. Hinweise, dass beides einen Zusammenhang hat, „gibt es keine“, so Wurm mehrfach. Gewisse familiäre Verbindungen scheinen aber durchaus zu bestehen. Aber: „Das ist in Hemau ein sozialer Brennpunkt – so, wie man es in anderen Dienstbereichen auch kennt.“
Alle Urteile im Fall von 2023 sind noch nicht rechtskräftig
Nach Recherchen der Mittelbayerischen soll ein ehemals Angeklagter aus dem Tankstellen-Fall unter den Beteiligten sein. Rückblick: Elf Männer hatten nach der Bluttat von Hemau vor Gericht gestanden. Drei verurteilte die Jugendkammer wegen unterlassener Hilfeleistung, zwei wurden freigesprochen und fünf wegen gefährlicher Körperverletzung zu langjährigen Haftstrafe verdonnert. Sie hatten nach Überzeugung des Landgerichts im Herbst 2023 zwei Brüder mit Eisenstangen fast totgeprügelt.
Rechtskräftig geworden sind in dem Fall, der das Landgericht an gut 50 Prozesstagen immer wieder zum Hochsicherheitstrakt hatte werden lassen, nach jüngsten Recherchen auch die beiden Freisprüche nicht. Dagegen ist die Nebenklage in Revision gegangen. Gegen die Schuldsprüche legten auch Verteidiger und Staatsanwaltschaft Rechtsmittel ein. Also wird hier der Bundesgerichtshof das letzte Wort haben.
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Ein Mann, der bis 30. Januar in besagtem Fall von 2023 mit auf der Anklagebank saß, soll nun wieder dabei gewesen sein, zeigen die MZ-Recherchen. Er soll zunächst als Geschädigter geführt worden, mittlerweile aber auch einer der Beschuldigten sein. Ein weiterer Tatverdächtiger soll mit Verurteilten aus dem Tankstellen-Fall zudem unmittelbar verwandt sein, aber im Ausland leben.
Verdächtige stammen größtenteils aus Bulgarien
Kommentiert wird all das von offizieller Seite jedoch nicht: Der größte Teil der aktuell sechs Tatverdächtigen, die bei den Ermittlern als solche geführt werden, sind wie 2023 bulgarische Staatsbürger. Russischstämmige Personen sind diesmal aber keine beteiligt.