„Hässliche“ Uni, kultige Kneipe und ganz viel Steinerne Brücke: So kommt Regensburg im Kino weg

Hauptrolle für die Domstadt: Im neuen Kinofilm „Ein fast perfekter Antrag“ gibt es Regensburg satt – das wollen sich viele nicht entgehen lassen. Die Kinos schieben deshalb Sonderschichten. Doch wie kommt die Stadt im Film rüber? Eine exklusive Vorschau auf die Komödie.
Am Sonntag sorgte das geballte Lokalkolorit des Films gleich zweimal für leuchtende Augen im Regina Kino. Dort liefen exklusive Film-Previews. „Beide waren ausverkauft“, sagt Geschäftsführerin Yvonne Kühl. „Ganz Regensburg hat von diesem Film mitbekommen.“ Er sei eine Hommage an die Stadt.
Regisseur Marc Rothemund bezeichnet Regensburg neben Heiner Lauterbach und Iris Berben als „dritten Hauptdarsteller“ der Komödie. Wie ernst er das meint, wird gleich zu Beginn des Films klar. Eine Drohnenaufnahme zeigt Regensburgs Postkartenmotiv Nummer eins, die Steinerne Brücke samt Altstadt. Dort geht Hauptfigur Walter, ein mürrischer Rentner, mit seinem Hund Gassi, während seine Jugendliebe, Kunstprofessorin Alice, Richtung Uni radelt. Walter spaziert durch die Blaue-Lilien-Gasse, trifft am Haidplatz einen seiner späteren Kommilitonen.
Regensburger Wahrzeichen im Kono: Wie alt ist die Steinerne Brücke wirklich?
Lauterbachs selbst erklärte Lieblingsszene in Regensburg spielt – mal wieder – auf der Steinernen Brücke. Seine Filmfigur, die sich die Zeit mit kritischen Restaurant-Bewertungen im Internet vertreibt, gibt dem Bauwerk vier von fünf Sternen. 879 Jahre sei die Brücke alt, sagt Walter beim Kaffee-Date mit Alice. Ganz richtig ist das nicht. Laut der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wurde die Steinerne vermutlich zwischen 1135 und 1146 erbaut. Das wären 880 Jahre. Vielleicht haben die Filmemacher mit einem Kinostart 2025 gerechnet. Sei’s drum.
Viel Platz im Film nimmt die Universität ein, das „hässlichste Bauwerk der Stadt“, wie Walter befindet. Anlässlich des Papst-Besuchs vor 20 Jahren – Benedikt XVI. hielt damals eine Vorlesung – sei die Uni neu gestrichen worden, erklärt er den Tatsachen entsprechend. Dann folgt der nächste Seitenhieb: Die Eierschalenfarbe habe den Campus noch einmal hässlicher gemacht. „Null Sterne!“

Regisseur Rothemund hat zum Antlitz der Uni eine ganz andere Meinung als Walter. „Diese ganzen Hörsäle von unterschiedlichen Architekten finde ich faszinierend. Wenn das Licht stimmt, geben sie ein ganz tolles Motiv ab“, sagte er schon während des Drehs. Zu sehen sind ganz unterschiedliche Ecken der Uni, gekonnt in Szene gesetzt. Die Vorlesungen spielen im H18. Nur die Wege, die die Darsteller wählen, passen nicht ganz mit dem Lageplan zusammen.
Flunkyball auf der Jahninsel – Was Studenten in Regensburg halt so machen
Trotz Rentenalters kommt Walter an einem für Regensburg typischen Studenten-Brauch nicht vorbei: Flunkyball auf der Jahninsel. Nur dem angeblichen Erstsemester-Ritus, einem Sprung von der Steinernen Brücke, erteilt er eine Absage. „Das ist ja lebensgefährlich“, sagt er völlig richtig.

Natürlich verschlägt es die Studenten auch in die Kneipe – genauer, die Banane. Einen ganzen Tag lang hatte die Crew mit 60 Komparsen im Frühling vor zwei Jahren dort für ein paar Sekunden im Film gedreht. Den Aufwand, der damals betrieben wurde, beschrieb Wirt Tom Bockes als „immens“. Aufgrund von Markenrechten sei die ganze Kneipe „verpappt“ worden. Schriftzüge von Brauereien durften nicht mehr zu sehen sein. Die Mona Lisa, seit jeher ein Markenzeichen der Banane, bekam eine Pappbrille aufgesetzt. So ist sie auch im Film zu sehen.
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Was der non-binären Filmfigur Zero in der Banane fehlt? Eine All-Gender-Toilette. Rezensent Walter gibt dem Kneipen-Lokus übrigens zwei von fünf Sternen. „Prostata vier von fünf“, lobt er sich am Urinal stehend – korrigiert dann aber doch auf drei Sterne runter.
Auch Fans der bierernsten Kommunalpolitik kommen auf ihre Kosten. Wer ganz genau hinschaut, entdeckt ein Plakat für den Stadtbahn-Bürgerentscheid.
„Ein fast perfekter Antrag“: Filmstars fühlen sich in Regensburg pudelwohl
Am Donnerstag kommt der Film ins Kino. „Unser Telefon klingelt durchgängig“, sagt Kühl vom Regina Kino. Viele Menschen hätten auf den Film gewartet – auch, weil zahlreiche Komparsen aus Regensburg zu sehen sind. „Jeder kennt wohl jemanden, der mitspielt.“ Auf den Film gebe es einen „Riesen-Run“. „Wir zeigen ihn drei- oder viermal am Tag. Das ist deutlich mehr als üblich.“ Ein Teil des Hypes sei auch darauf zurückzuführen, dass die Hauptdarsteller Anfang Februar zur großen Filmpremiere im Regina Kino waren. „Sie haben sich sehr wohlgefühlt und gesagt, dass sie gerne wieder kommen.“
Auch im Garbo Kino läuft der Streifen. Chef Achim Hofbauer spricht von einem „Riesen-Andrang“. „Ich hatte noch nie so viele Karten im Vorverkauf.“ Wie er den Film findet? „Ich habe ihn noch nicht gesehen“, sagt Hofbauer. „Aber er hat gute Kritiken.“ Gut, wen wundert das schon, wenn Regensburg in eine Hauptrolle schlüpft.