Starrummel in Regensburg: Heiner Lauterbach und Iris Berben stellen ihr Feelgood-Movie vor

Liebe ist keine Maschine: Nach 40 Jahren knistert es wieder zwischen Alice und Walter. Heimlicher Star der Komödie ist die Welterbestadt Regensburg, wo der Film auch gedreht wurde.
Starrummel vor dem Regina-Kino: Eine Menschentraube vor dem Eingang, draußen roter Teppich, drinnen der abgesperrte Kamera-Bereich, an dem sich Medienvertreter drängeln, auch ein ZDF-Team für den Beitrag im „Moma“. Selbst für dieses premierenverwöhnte Lichtspielhaus ist der Andrang am Mittwoch außergewöhnlich, sagt Chefin Yvonne Kühl. Die Tür zum Saal steht unter strenger Kontrolle. Bei so viel Lokalprominenz, so vielen Gästen von der Film-Crew, werden die Plätze fast gehandelt wie ein Sitz in der Virgin Galactic.

Heiner Lauterbach und Iris Berben arbeiten das Spalier der Mikrofone ab. Die häufigste Frage: Wie war das Arbeiten in Regensburg? Die Welterbestadt wird mit Komplimenten überschüttet: die Kulisse so wunderschön, die Menschen so herzlich. „Wir hatten eine fantastische Zeit“, sagt Produzent Lasse Scharpen über den Dreh 2024, und denkt gar an künftige Projekte: „Dürfen wir nochmal zurückkehren?“
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„Es war uns ein Fest!“, bekennt Regisseur Marc Rothemund. „Wir wurden so offen aufgenommen! Wir fühlten uns so willkommen, dass man auch den nächsten Film hier drehen möchte“, schwärmt Iris Berben, und: „In Berlin wäre das sehr anders gelaufen.“ „Es war eine einzige schöne Erfahrung“, bekräftigt Heiner Lauterbach und zieht die Grenze zur „Weltstadt mit Herz“: „München ist in dieser Beziehung grauenhaft“, auch die Behörden, die Lizenzen vergeben. „Die Leute dort sind wahnsinnig genervt von Dreharbeiten.“

In der Tat: Regensburg spielt die heimliche Hauptrolle in „Ein fast perfekter Antrag“. Ausgiebige Schwenks über die Dächer, appetitlich präsentiert die Schokoladenseiten: Die Bilder sind Balsam für Regensburg-Liebhaber und das Image-Geschenk dürfte sich auch konkret in Gästezahlen niederschlagen. Gerade meldet das Portal HomeExchange, dass 40 Prozent der Deutschen schon ein Reiseziel gewählt haben, das sie in einem Film gesehen haben; bei den 18- bis 24-Jährigen sogar 54 Prozent.
Ein nerviger Rechthaber und eine kluge Kunst-Professorin
Und wie ist der Film? Ein Feelgood-Movie, charmant, witzig, toll gespielt, handwerklich gut gemacht, stellenweise altbacken. Walter (Heiner Lauterbach) füllt seine freie Zeit mit Restaurant-Bewertungen, lobt und straft mit Sternchen. Ein Rechthaber, nervig, egozentriert, gefangen in einem Weltbild von Vorgestern, der meint: „Das Leben ist eine Waschmaschine. Man wird ein bisschen hin- und her geschaukelt, aber wichtig ist, dass am Ende alles gut riecht und sauber ist.“ Nur: Liebe ist halt keine Maschine. Der Unsympath ändert sich, als er Alice (Iris Berben) nach 41 Jahren wieder trifft. Sein Antrag damals ging spektakulär schief, jetzt will er es besser machen. Er schreibt sich an der Universität für das Fach Kunstgeschichte ein, bei der klugen Professorin Alice, die den Anschluss zur Gen Z hält.
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Schauspielerisch funktioniert das picobello; Berben und Lauterbach liefern in gewohnter Qualität ab, zwei reife Stars, die in den Gesichtern – oft in Großaufnahme – jede Regung spiegeln können und hier wieder einmal zeigen, warum sie Publikumslieblinge sind. Autor Richard Kropf stattet sie aus mit schlagfertigen Dialogen, im Saal wird viel gelacht , lässt aber Fragen offen. Warum Alice, ein kluger, selbstbestimmter Freigeist, sich gefallen lässt, dass der nervige Walter sie stalkt, wie umgekehrt Walter plötzlich Zugang zu Kunst und Meta-Ebenen findet: Es will einem nicht recht einleuchten, aber hach! Die Story ist halt so charmant erzählt, liefert halt so perfekte Bilder. „Wunderschöne Unterhaltung“ nennt Lauterbach den Film. „Er beschwingt und inspiriert.“ Stimmt. Produzent Scharpen sagt: „In diesen weltpolitischen Zeiten ist Eskapismus in Ordnung – vielleicht sogar gesund.“
