„Sie war Er“: Ein Film erinnert an die Vielbegabte

Von Marianne Sperb · 3. Februar 2026 um 15:32

Sophie Sowa war sanft und konnte doch mit Tigern kämpfen. Peter Kollross widmet der Regensburger Theaterfrau, die als Wolfgang zur Welt kam, ein Kino-Porträt.

Sophie Valentina Winona Sowa ist nun gut fünf Jahre tot, aber in Regensburg, wenn man auch nur ein bisschen gräbt, glimmt die Erinnerung an die Regisseurin, Schauspielerin und Dramatikerin noch immer sanft nach. In Straubing 1953 geboren als Junge, in Regensburg 2020 gestorben als Frau: Zwischen den dürren Daten spannt sich ein in vieler Hinsicht außergewöhnliches Leben auf. Peter Kollross, filmaffiner pensionierter Mathe- und Physik-Lehrer und lange Jahre bei den Machern vom Arbeitskreis Film (AkF), widmet der Vielbegabten nun ein Kino-Porträt. „Sie war Er“ heißt der Film, nach dem Büchlein von Brigitte Weckert, die Sowa durch seine letzten 25 Jahre begleitet hat.

Wolfgang Sowa: So kannte ihn Regensburg die meiste Zeit seines Lebens. - Foto: Privatarchiv

Sanft, dieses Wort fällt einem zu Sophie Sowa ein. Alles an ihr war weich: die Haut, das Lächeln, der Blick, der Bauch. Aber sie war auch streitbar und pragmatisch, hieß es im Nachruf der Mittelbayerischen: „Sie besaß das Herz eines Löwen und konnte mit Tigern ringen. Sich frei zu kämpfen aus bürgerlichen Erwartungen, eine Künstlerkarriere einzuschlagen – erfolgreich! – und erst zum Dr. und dann vor allem von Wolfgang zu Sophie zu werden, das war schließlich keine Kleinigkeit in einer Zeit, als der Begriff divers noch undefinierbar und seltsam klang.“

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Sowa steuerte entschlossen und direkt auf die Bühne zu. Zu seinen ersten Taten an der Universität Regensburg, wo er 1985 promovierte, gehörte die Gründung einer Theatergruppe, die weniger brav sein, mehr provozieren sollte. Später folgten Engagements an Theatern in Bayern, auch am Staatstheater München. Sowa spielte unter Regie-Größen wie Hans Neuenfels und immer wieder für TV und Kino. In Joseph Berlingers „Königin von Schneizelreuth“ verkörperte er im Hesperidengarten die Volkssängerin, Tenorin und Knödel-Esserin Bally Prell und berührte als brummelnde, kugelrunde, seelisch übel zugerichtete Figur.

Mit dem „Gespräch aus dem Hause Wahnfried“ – eine sarkastische Denkmalschändung – löste Sowa in Köln einen Theaterskandal aus. Der berühmte Kollege Mathieu Carrière komponierte da als Ricarda in Dessous, Brigitte Weckert gab die Peitschenlady Cosimo. Die Wagnerianer schäumten.

Elegant zurecht gemacht und sehr weiblich

In Regensburg traf man Sowa früher bei seinen gelegentlichen Heimat-Besuchen breitbeinig auf einem der zartgliedrigen Stühlchen vor dem Orphée in der Bachgasse sitzend, in Hemd und Anzughose, bereit für einen Ratsch über die Szene oder ein halbes Stündchen Philosophie. Ab den frühen Nullerjahren begegnete man ihr dann als elegant zugerecht gemachte und sehr weibliche Person mit dunklem langem Haar, die als Frau absolut stimmig wirkte.

Sophie Valentina Winona Sowa: So lebte sie in ihren späten Jahren. - Foto: Privatarchiv

Peter Kollross grub nun im Regensburger Kultur-Humus der 1980er, 1990er, und holte für sein Porträt Weggefährten vor die Linse: Künstler Alexander Rogl, Patron Neli Färber, Inge Faes, Grande Dame des Kabaretts, Bruder Konrad, Regisseur Joseph Berlinger und Brigitte Weckert natürlich. Sie lernte Sowa 1995 in München kennen, produzierte mit ihm etwa „Entlang der Donau“ für Eva Demski und hält bis heute die Flamme Sowa am Züngeln. Sie hob auch den Schatz an Gedichten – die ersten schrieb der Teenager Wolfgang mit 14 – und gab sie heraus, unter dem schönen Titel „geboren gestorben gelebt“. Den schmalen Band bekamen die Trauergäste beim Festmahl zur Beerdigung.

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Der Film, macht Peter Kollross vorsorglich klar, ist keineswegs eine kniend dargebotene Huldigung. Wolfgang/Sophie wird so vielschichtig und ambivalent gezeichnet, wie Er/Sie eben war, in 54 schnörkellos inszenierten Minuten. Der Regisseur, in Personalunion Drehbuchautor, Produzent und Finanzier des lowest-budget-Streifens, hatte lang überlegt, ob er das Projekt wagt. Als Rosa von Praunheim, den er bei den Filmtagen Hof anstubste, nicht reagierte, nahm er das Projekt selbst in die Hand. Das Ergebnis ist jetzt zu sehen im Ostentor-Kino Regensburg.

„Sie war Er“ läuft im Ostentor-Kino Regensburg: 12. Februar (19 Uhr), 15. Februar (14.30 Uhr) und 22. Februar (14.30 Uhr). Details: ostentorkino.de