Mörderjagd unter Models: Krimi aus dem Bayerwald kombiniert Spannung mit Humor

Doro und Gabi haben einen neuen Fall: Das darf für die Täterin oder den Täter als eindeutige Bedrohung, für Leserinnen und Leser als Versprechen gelesen werden – denn auch im neuen Krimi sind die Hobbydetektivinnen mit allem ausgestattet, was erfolgreiches Ermitteln bei gleichzeitigem Lektürevergnügen garantiert.
„So etwas passiert einem doch nicht zwei Mal, oder?“ fragt sich Doro, als die Nachricht von einem Verbrechen sie erreicht, während sie doch nur ihrer Arbeit als Fotografin nachgehen möchte… Nachdem im Vorgängerroman (2025) der „Oachkatzlkiller“ gestellt wurde, erleben Ich-Erzählerin Dorothea Schweighofer und ihre beste Freundin nun ihr ganz persönliches „Oachkatzldrama“. Denn als mitten in einem Dirndl-Fotoshooting ein Mord geschieht, braucht es für Gabi und Doro die berühmten Spürnasen und eine gute Portion Menschenkenntnis, um herauszufinden, wer Model Delara mit selbstgebranntem Haselnussschnaps um die Ecke gebracht hat.
Marion Wagner konstruiert einen Plot, der vor Abwechslungsreichtum, Tempo und Überraschungsmomenten nur so strotzt – und das ohne Effekthascherei, sondern mit einer gut austarierten Mischung aus stimmigem Spannungsbogen und der einen oder anderen unerwarteten Kapriole. Findig und in ihren Methoden durchaus erfinderisch nähern sich Doro und Gabi den Verdächtigen, müssen aber auch neue Erkenntnisse verarbeiten und Personen aus dem Kreis der potenziellen Täter wieder ausschließen. So ist der Weg zum Ziel kein gerader, doch macht natürlich gerade das den Reiz aus, der zum guten Krimi gehört. Wagner versteht es, ihre Figuren psychologisch nachvollziehbar und individuell in Szene zu setzen und mit Leben zu füllen. Es ist eine der großen Stärken des Buchs, wie der bayerwäldlerische „Oachkatzlhof“ als Schauplatz des Geschehens mit einem Panoptikum an Charakteren ausgestattet wird, das nicht nur die Handlung bereichert, sondern auch Atmosphäre schafft. Vom charmanten Schuhplattl-Lehrer über den leicht gschlampert daherkommenden, dabei durchaus sympathischen Kommissar bis hin zum Klischee-Model: Ein jeder und eine jede haben ihren Platz im „Oachkatzldrama“. Es sind auch Details, die zählen – und womöglich sogar zur Lösung des Falles führen?
Wie schon im „Oachkatzlkiller“ punktet Marion Wagner vor allem durch sprachliche Finesse. Die Autorin beherrscht die gut komponierte Szenengestaltung wie die Choreografie von Dialogen, die die Handlung mal vorantreiben, mal retardieren und intensivieren.
Das Ambiente des „Oachkatzlhofs“ wartet mit sowohl rustikalem als auch modernem Hotelcharme auf: Auch hier beherrscht Wagner den Balanceakt, Regionalität stimmig rüber zu bringen, ohne die Atmosphäre phrasenhaft in Lokalkolorit zu tauchen. Dass Wagner, die in der Nähe von Passau lebt, erneut auf Dialekt weitestgehend verzichtet, passt zu diesem Ton – und fördert die Lesefreundlichkeit auch für Nicht-Bayern.
Regionalkrimi, Krimi mit Herz, Kriminalhumor: Marion Wagners neuer Roman ist alles das – und doch etwas Eigenes. Eben das „Oachkatzldrama“, Spannung gepaart mit Einfühlungsvermögen und augenzwinkerndem Heimatbezug.
„Oachkatzldrama“ von Marion Wagner erscheint am 26. Februar im Emons Verlag (320 Seiten, 15 Euro). Die Premierenlesung findet am 18. April (18 Uhr) in der Gemeindebücherei Thyrnau statt.