Filmstars an der Uni Regensburg: Professor räumt sein Büro für Iris Berben

Von Philip Hell · 10. Mai 2024 um 15:00

Seit einigen Wochen dreht ein Team um Regisseur Marc Rothemund in Regensburg die Liebeskomödie „Very Best Ager“. Iris Berben spielt in dem Film eine Professorin für Kunstgeschichte. Und zieht dafür in das Büro des echten Kunsthistorikers Christoph Wagner. Dieser berät das Team auch inhaltlich.

Dom, Steinerne Brücke oder der Dreifaltigkeitsberg: Regensburg mangelt es nicht an filmreifen Orten. Das Büro von Professor Christoph Wagner im zweiten Stock des PT-Gebäudes der Uni zählte bislang nicht zu eben jenen Orten – das ändert sich nun. In den Räumen des Kunsthistorikers wird ein Kinofilm gedreht.

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Seit einigen Wochen dreht ein Team um Regisseur Marc Rothemund die Liebeskomödie „Very Best Ager“ in Regensburg. Darin gibt Heiner Lauterbach einen Witwer, der nach Jahren wieder auf seine Jugendliebe (Iris Berben) trifft. Die ist inzwischen Professorin für Kunstgeschichte in Regensburg.

Und genau da kommt der echte Kunsthistoriker Christoph Wagner ins Spiel. „Es war Marc Rothemund offenbar wichtig, in einem realen Kontext am Lehrstuhl für Kunstgeschichte zu drehen. Das haben wir gerne ermöglicht“, sagt Wagner. „Er kam rein und meinte gleich: Das ist es!“ Der Raum mit den vielen Büchern habe den Filmschaffenden sofort gepackt, sagt der Kunsthistoriker.

Die Bücher bleiben

Wagner muss sein Refugium nun also räumen – oder besser: Es wird geräumt. „Ein Teil der Kunstwerke in meinem Büro wird wegkommen – aus bildrechtlichen Gründen, das ist ziemlich kompliziert.“ Auf jeden Fall bleibe die Bücherwand. „Ansonsten lasse ich mich überraschen, wie das Filmteam mein Büro umstellt.“ Er habe sich da nicht eingemischt, sagt Wagner. „Das ist ja ein kreativer Prozess.“ Das Filmteam ist mehrere Tage an der Universität zugange. „Das ist im laufenden Betrieb keine ganz kleine Herausforderung.“ Neben Iris Berben und Heiner Lauterbach sei ein ganzer Tross unterwegs, um sich die Situation anzugucken.

Wagner stellte dem Filmteam nicht nur sein Büro zur Verfügung, der Kunsthistoriker beriet die Crew auch inhaltlich – und ist einer der wenigen, die schon wissen, worum es in der Komödie genau geht. „Ich habe das Drehbuch bekommen – und komplett gelesen.“ Verraten dürfe er natürlich nichts, sagt Wagner. „Das ist ja vertraulich.“ Das Filmteam hatte einige Fragen an Wagner. „Da ging es vor allem um Details. Wie wird eine Vorlesung der Kunstgeschichte gehalten? Mit welcher technischen Ausstattung?“ Ein Film solle schließlich realistisch sein.

Erfahrung ist bereits vorhanden

Wenn die Scheinwerfer sein Büro in ein rechtes Licht rücken, wird Wagner selbst gar nicht an der Universität sein. „Ich bin in Weimar auf einem großen Festakt.“ Er wolle aber auch gar nicht dabei sein, betont der Professor. „Ich weiß um die Intimität und Sensibilität einer solchen Situation zwischen Regisseur, Kameraleuten, Technik und Schauspielern.“

Der Uni-Professor hat schon ein bisschen praktische Erfahrung, was Filmdrehs angeht. „Bei uns am Institut ist schon mal ein Teil eines Films entstanden.“ Dabei ging es um den Schweizer Künstler Johannes Itten. „Die waren auch mit einem großen Team hier. Insofern ist uns schon klar, was da auf uns zukommt.“

Kunsthistoriker Wagner beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Film. „Ich habe immer die Meinung vertreten, dass die Filmgeschichte auch Teil der Kunstgeschichte ist.“ Sein Institut habe in den vergangenen Jahren viele Symposien zum Thema veranstaltet. „Das Faszinierende am Film finde ich, eine Bildsprache für ein Thema zu finden – und damit dann auch ein breites Publikum zu erreichen.“

An der Uni Regensburg gibt es sogar einen Master, der sich mit Filmgeschichte beschäftigt. „Es geht bei uns nicht nur um Kunst. Es geht auch um kulturelle und politische Prozesse.“ Die Stärke des Instituts liege darin, über die Auseinandersetzung mit der Kunst verschiedene Themenfelder, Methoden und Perspektiven zu entwickeln, die dann am Schluss auch im Beruf brauchbar seien.

„Jetzt gucken wir mal“

Wagner betont allerdings: „Wir bilden keine Regisseure aus.“ Im Studium gehe es um die Analyse von Filmen. Die Komödie, die zum Teil in seinem Büro entsteht, werde er sich auch mit seinen Studierenden ansehen, sagt der Professor. „Ich würde da aber nicht von analysieren sprechen.“

Kunsthistoriker Wagner hat sogar eine Parallele zwischen dem Filmdreh und seiner Aufgabe als Dozent entdeckt. Beides sei ein Prozess des Aushandelns. „Es geht darum, Dinge zuzulassen.“ Es sei ihm wichtig, dass das Institut ein Raum der Freiheit sei, in dem sich Menschen entwickeln können. Mit dieser Maßgabe möchte er auch das Filmteam begleiten. „Ich finde es ganz großartig, dass ein Regisseur es spannend findet, einen Film über eine Kunstgeschichtsprofessorin an der Uni Regensburg zu drehen. Und jetzt gucken wir mal, welch schöne, schräge und ganz sicher unterhaltsame Story herauskommt.“

Filmdreh in der Stadt

Vor rund zwei Wochen begann das Team um Regisseur Marc Rothemund mit den Arbeiten in Regensburg. Gedreht wird nicht nur an der Universität. Auch in der Eifelstraße im Stadtnorden wurde gefilmt. Besonders eindrückliche Szenen dürften rund um die Steinerne Brücke entstanden sein − auch dort machte das Filmteam Halt. Dafür musste das Bauwerk sogar immer wieder kurz gesperrt werden.

Es wurde aber auch innen gedreht – und das nicht nur an der Universität. Auch in der Kult-Kneipe Banane in der Altstadt entstanden einige Szenen für den Film. Der letzte Drehtag in Regensburg wird aller Voraussicht nach der 17. Mai sein. Dann ist das Filmteam rund um den Ernst-Reuter-Platz im Einsatz sein, wie einem Flyer zu entnehmen ist, der an Anwohner verteilt wurde.

Iris Berben und Heiner Lauterbach sind für einen Filmdreh in Regensburg.