Dr. Heinz Kroiss (FDP): Kandidieren, um Kliniken Kelheim und Mainburg zu kurieren

Von Martina Hutzler · 20. Februar 2026 um 11:00

Im übertragenen Sinn ist Dr. Heinz Kroiss jetzt ein „Berufspolitiker“: Die Gesundheitsversorgung im Kreis Kelheim hält der Allgemeinarzt für so wichtig, aber auch verbesserungswürdig, dass er deshalb als Landrat kandidiert. Wo er umsteuern würde, schildert der Abensberger FDP-Politiker im MZ-Gespräch.

Ursprünglich habe er überlegt, gar nicht mehr für den Kreistag zu kandidieren, sagt Heinz Kroiss, der auch Stadtrat und Vize-Bürgermeister von Abensberg ist: Mit 68 „habe ich ja schon ein gewisses Alter, und ich muss nicht bis ins hohe Alter ,gschaftlhubern‘“. Doch beim Thema Gesundheitsversorgung „glaube ich, dass ich meine Erfahrung als Allgemeinarzt gut auch als Landrat einbringen könnte.“ Denn er ist sich sicher: „Zu den Kreis-Krankenhäusern Kelheim und Mainburg wird es nach der Wahl neue Diskussionen und Vorschläge geben.“

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Beim Kelheimer Caritas-Krankenhaus St. Lukas herrsche nämlich allenfalls ein „Burgfrieden“, seit einstimmig der Leistungsgruppen-Antrag für eine Basis- und Notfallversorgung beschlossen wurde. Das sei zwar richtig, und in Kombination mit guter, familiärer Pflege wäre so ein Haus das Beste für eine alternde Bevölkerung, findet Kroiss. Aber Details und Kosten seien noch völlig unklar. Und der „Kardinalfehler“ von 2022 bleibe.

Der Landkreis habe damals die strategische Mehrheit im Aufsichtsrat an die Caritas abgegeben, sprich: die Entscheidungshoheit. Dabei sei der Caritas-Diözesanverband nicht per se der bessere Klinikmanager. Vizevorsitzender Dr. Clemens Prokop (Saal) etwa sei „ein guter Jurist und Leichtathlet – aber von Krankenhäusern versteht er sicher nicht mehr als ich“, sagt der Mediziner Dr. Kroiss.

Gravierendster Fehler sei der Management-Vertrag mit der Oberender AG gewesen. Nach deren Rauswurf voriges Jahr musste kurzfristig der OP-Trakt für vier Wochen geschlossen und instandgesetzt werden. „Eine Katastrophe für das Haus“, deren Anbahnung man „drei Jahre lang zugeschaut“ habe, kritisiert der FDP-Kreisrat.

Ich würde eine Doppelspitze für das Krankenhaus etablieren, mit einer Verwaltungs- und einer strategischen Leitung.Dr. Heinz Kroiss, FDP-Landratskandidat

Er will eine „Doppelspitze“ für die Klinik: mit einer Verwaltungsleitung fürs Alltagsgeschäft und einem – wenigstens stundenweise tätigen – strategischen Leiter, der sich um Entwicklungsmöglichkeiten, Fördertöpfe und Ausrichtung des Hauses kümmere. Vom Versuch, spezialisierte Medizin-Fachrichtungen ins Haus zu holen, ist aber auch Kroiss wieder abgekommen. Das sei auch an der Mainburger Ilmtalklinik gescheitert, etwa mit der kurzzeitig etablierten Adipositas-Chirurgie.

In Mainburg kritisiert er die Entscheidung für eine „Sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung“: „Immer noch eine ,black-box‘“, mit der Mainburg schlimmstenfalls „zum Altenheim mit kleiner Arztpraxis“ absteige. Chirurgie und Unfallchirurgie seien schon verloren; jetzt müsse die Kreispolitik endlich „sagen, was wir wollen“.

Eine Voll-Intensivstation inklusive Beatmungs-Möglichkeit ist für das Mainburger Haus nicht realistisch.Heinz Kroiss

Für ihn wäre das vor allem auch eine rund um die Uhr ärztlich besetzte Notaufnahme, um kleinere Verletzungen und Erkrankungen vor Ort zu behandeln und schwerere Fälle schnell zu verlegen. Die Standards einer „echten“ Notaufnahme, etwa für Schlaganfall, schwere Unfälle, „erfüllt Mainburg schon seit Jahren nicht mehr“, und eine Voll-Intensivstation sei für das Haus „nicht realistisch“: Kroiss will „eine ,Halbintensiv-Station‘, etwa zur Überwachung bei Herzrhythmus-Störungen“.

Die Mehrkosten durch die ungeplante OP-Schließung in Kelheim – laut Geschäftsführerin Eder knapp drei Millionen Euro – führt der FDP-Kandidat auch als Beispiel an, „dass wir als Landkreis nicht sparsam genug unterwegs sind“. Das beschränke die Handlungsfreiheit künftiger Generationen, kritisiert der Vater und Opa.

Sparen könne man auch in der Kreisverwaltung, indem man zweckgebundene Stellen nach Erfüllung dieses Zwecks zeitnah wieder abschaffe, fordert Kroiss. Das sei mit der während Corona eingeführten Security fürs Landratsamt zu lange nicht passiert, wie auch bei den zusätzlichen Integrationsberatungs-Stellen, obwohl es nun gute örtliche Integrations-Netzwerke gebe.

Flächendeckender ÖPNV „ist bei uns nicht finanzierbar“

Bei der Jugendhilfe argwöhnt er, dass ein steigendes Hilfe-Angebot die Nachfrage teils erst schaffe. Und beim ÖPNV müsse man sich eingestehen, dass wirklich flächendeckende Angebote im Flächenlandkreis – z.B. ein optimierter Kexi – nicht finanzierbar seien. Er würde lieber den ÖPNV splitten und den Kreis-Norden an den RVV anbinden, den Süden an den MVV.

Alles in allem sei das Sparen im Kreishaushalt ein „mühsames, aber notwendiges Klein-Klein“, urteilt der Liberale. Der sich selbst die Freiheit nimmt, auch mal mit seiner eigenen Partei zu hadern. Trotzdem glaube er nach wie vor daran, „dass eine Gesellschaft eher mit Aufklärung und gutem Vorbild besser wird als mit Vorschriften und Regeln“ – und genau das habe ihn vor 49 Jahren zur FDP geführt.

Zur Person

Privat: Heinz Kroiss und seine Frau Karin haben vier Kinder und freuen sich aktuell auf Enkel Nummer neun. Auszeiten von Beruf und Ehrenamt findet der 68-Jährige beim Tanzen und unterwegs in den Bergen, zu Fuß oder auf Ski.

Beruf: Nach dem Studium in seiner Geburtsstadt München lernte Kroiss als Assistenzarzt das Krankenhaus Kelheim dreieinhalb Jahre lang kennen und schätzen. Seit 38 Jahren ist er Allgemeinarzt in Abensberg; die Gemeinschaftspraxis hat mittlerweile sechs Ärztinnen und Ärzte.

Partei: „Dem Einzelnen etwas zutrauen“: Diese Haltung habe ihn vor 49 Jahren zur FDP geführt, so Kroiss. Er ist seit über 20 Jahren im Abensberger Stadtrat und im Kreistag ehrenamtlich aktiv und seit zwei Jahren auch Vize-Bürgermeister von Abensberg.