Nach OP-Schließung: Kelheimer Krankenhaus St. Lukas will sich aus dem Frühjahrs-Tal herausarbeiten

Von Martina Hutzler · 25. November 2025 um 17:30

Das Caritas-Krankenhaus Kelheim versucht, sich aus dem Tief herauszuarbeiten, in das es durch die ungeplante Schließung des OP-Trakts im Frühjahr schlitterte. Über den Stand dieser Bemühungen und die finanziellen Folgen der Zwangspause hat jetzt Geschäftsführerin Claudia Eder den Kreisausschuss informiert.

„Wir hoffen, dass die Talfahrt zu Ende ist“, schickte Claudia Eder am Montag ihrem Situationsbericht zum Caritas-Krankenhaus St. Lukas Kelheim (CSL) voraus. Die Prokuristin hatte im April die Geschäftsführung übernommen, nachdem Sabine Hehn von der Oberender AG diesen Posten räumen musste. Unmittelbar, nachdem das CSL bekanntgab, den OP- und Steri-Trakt für Sanierungsarbeiten vier Wochen sperren zu müssen.

„Die Schließung hat uns knapp drei Millionen Euro gekostet“, legte Geschäftsführerin Eder dem Kreisausschuss die neueste Berechnung der Zwangspause vor. So sank nicht zuletzt die Zahl der Entbindungen. Das Ziel, mindestens 500 Geburten pro Jahr zu betreuen und damit mindestens 50 Prozent aller Landkreis-Neugeborenen, werde das CSL heuer deshalb wohl verfehlen. Falls das auch 2026, dann zum dritten Mal in Folge, nicht klappt, droht der Verlust von rund einer Million Euro Förderung aus dem bayerischen „Zukunftsprogramm Geburtshilfe“. Immerhin: „Mittlerweile sind wir wieder bei gut 50 Geburten pro Monat“, so Eder.

In Summe, von Januar bis Oktober, hatte die Klinik 621 Patienten weniger als im Vorjahres-Zeitraum. Seit Mai indes steigen Fallzahlen und die „Fall-Schwere“ wieder deutlich in fast allen Bereichen, so Eder. Seit Jahren steigend ist die Frequentierung der Notaufnahme, wo mittlerweile rund 18.500 Patienten pro Jahr ankommen. Etwa 10.000 werden stationär aufgenommen, die übrigen ambulant versorgt.

Neuer Chefarzt gesucht

Das Defizit der Klinik-GmbH liegt - Stand Ende Oktober - bei rund 9,2 Mio. Euro: fast 2,6 Mio. mehr als geplant. Dazu tragen offenbar auch personelle Weichenstellungen der früheren Geschäftsführung bei. Unter Oberender wurden vermehrt Arbeiten an externe Auftragnehmer ausgelagert sowie Arbeitnehmer-Überlassungen in Anspruch genommen. Das belastet laut Eder zusätzlich das Wirtschaftsergebnis. Mittlerweile kündige man, wo möglich, die teuren Verträge und versuche, den eigenen Personalstamm wieder aufzubauen. Eine neue „Baustelle“ tut sich dabei in der Unfallchirurgie auf, weil Chefarzt Schmidt und der Leitende Oberarzt Hoxhaj Ende März 2026 das Haus verlassen werden.

Für künftige „Eigengewächse“ in der Belegschaft steht mehr Geld zur Verfügung: Das Kelheimer Krankenhaus verhandelt für einen Verbund von 15 ostbayerischen Kliniken das alljährliche Ausbildungsbudget mit der AOK; und 2025 erreiche das Budget einen neuen Höchststand, freute sich Eder.

Bund will Klinikausgaben kürzen

Ein Tiefschlag für alle Kliniken sei hingegen, dass ihnen das Bundes-Gesundheitsministerium „durch die Hintertür“, nämlich über den „Landesbasisfallwert“, Geld wieder „vorenthalten“ wolle – nachdem den Krankenhäusern zunächst befristete Hilfe beim Bewältigen der hohen Inflation gewährt worden war. Allein das CSL müsste laut Eder jährlich auf mehr als 600.000 Euro verzichten, sollte die Kürzung Gesetz werden – was bislang der Bundesrat noch blockiert.

Unterdessen rückt in Kelheim die Sanierung der drei OP-Säle und der Zentral-Steri in den Blick, verbunden mit dem Aufstellen eines Interims-OP-Moduls. Derzeit laufe die Abstimmung mit der Regierung von Niederbayern als Hüterin der staatlichen Fördergelder. Im ersten Quartal 2026 hofft Eder eine aktuelle Kostenschätzung sowie einen Ablaufplan für das Millionen-Projekt vorlegen zu können.

Lesen Sie dazu auch: OP-Trakt sanieren und Fachabteilungen anpassen: Fahrplan fürs Kelheimer Krankenhaus steht

Schon kalkuliert ist das Defizit für 2026: Rund 8,5 Mio. Euro stehen im Wirtschaftsplan. „Wir versuchen zwar alles, um die Erlöse zu steigern“, etwa bei den ambulanten Operationen und mit einem 24/7-Betrieb des Herzkatheter-Labors, versicherte Geschäftsführerin Eder. „Aber unter den aktuellen politischen Rahmenbedingungen trauen wir uns keine besseren Zahlen zu planen.“