OP-Trakt sanieren und Fachabteilungen anpassen: Fahrplan fürs Kelheimer Krankenhaus steht

Von Martina Hutzler · 18. Juli 2025 um 18:00

Das Kelheimer Krankenhaus hat am Donnerstag volle Rückendeckung vom Kreistag erhalten: Alle Fraktionen befürworten die Neuausrichtung von St. Lukas für die Krankenhausreform, und die millionenschwere Erneuerung des OP-Trakts. Dafür ist es nämlich allerhöchste Zeit.

Video ansehen

Der Kelheimer Kreistag erachtet das Krankenhaus St. Lukas (CSL), das vom Diözesan-Caritasverband (DCV) geführt und vom Landkreis finanziert wird, als unverändert bedarfsnotwendig für die Grundversorgung der Bevölkerung; er will es hierfür weiterentwickeln und begrüßt den Ausbau von Kooperationen mit Uni-Klinik, St. Josef und Hedwigsklinik in Regensburg. Und der Kreistag will die seit Jahren verschobene Generalsanierung des zentralen OP-Trakts nun schleunigst umgesetzt haben.

Die Politik folgt damit einer Analyse, die die PwC-Krankenhausberater Fabian Schülke und Prof. Christian Lackner in und mit der Klinik erstellt haben. Die Berater erinnerten in der Sitzung, dass die Klinik seit 2010 rote Zahlen schreibt; ab 2022 schossen die Verluste auf rund acht Millionen Euro hoch. Bekanntlich ein bundesweites Phänomen, das mit zur Krankenhaus-Reform führte. Im neuen System aus 65 „Leistungsgruppen“ (LG) soll das CSL zwölf LG beantragen und sich darauf konzentrieren. Dafür reichen laut PwC zumindest vorerst „etwa 139“ Betten statt der jetzt 200 Plan-Betten.

Stellten die Pläne für Kelheim vor: (v. li.) Fabian Schülker und Prof. Dr. Christian Lackner (PwC). Ebenfalls am Podium: Landrat Martin Neumeyer, Caritas-Vize-Vorstand Dr. Clemens Prokop, Prof. Dr. Sylvia Pemmerl (Ärztliche Direktorin von Caritas-St. Josef), St.-Lukas-Geschäftsführerin Claudia Eder und Ingenieur Marcus Hartl - Foto: Hutzler

Für fünf LG erfülle die Klinik die künftigen Vorgaben bereits „weitestgehend“, so der Notfallmediziner Christian Lackner: Allgemeine Innere Medizin, Chirurgie, Endoprothetik Hüfte, Endoprothetik Knie und Allgemeine Frauenheilkunde. In sechs LG stellte er „Strukturanpassungs-Bedarf“ fest.

So gelte es bei der Interventionellen Kardiologie u.a. die Kapazität aufzustocken und eine Kooperation bezüglich Herzchirurgie schließen. „Sehr wünschenswert“ sei der Erhalt der Geburtshilfe in Kelheim. Dafür sei die bereits praktizierte „Arbeitsteilung“ mit dem Neonatologie-Maximalversorger St. Hedwig (Regensburg) konsequent weiterzuführen: Schwierige Geburten dorthin, „unkomplizierte“ Geburten in Kelheim. Er dankte den hiesigen Beleghebammen, „dass Sie das Konzept begleiten“.

Für die Stroke Unit brauche es noch ein telemedizinisches Netzwerk und die Kooperation mit einem interventionellen Radiologen – wohl einem in Regensburg, um die künftig nur noch 120-minütige Frist bis Beginn der Schlaganfall-Behandlung einzuhalten.

„Dringend“ angesichts der alternden Bevölkerung rät PwC zum Ausbau der bisher „hauptsächlich konsiliarischen“ Geriatrie am CSL. Das hieße u.a., eigene Geriatrie-Betten zu schaffen. Als vor allem humanistischen Auftrag sieht Prof. Lackner den Ausbau der Palliativmedizin, u.a. in Form einer stärkeren ambulant-stationären Verzahnung. An der nötigen personellen Aufstockung der Intensivmedizin am CSL sei der neue Chefarzt Dr. Markus Schmola bereits dran; ferner ratsam sei u.a. der Aufbau einerIntermediate-Care-Station.

Notfall-Medizin: Fragezeichen in Berlin

Bei der Notfallmedizin hätte das CSL ärztlichen Nachholbedarf für die neue LG – die aber wohl gar nicht kommt: Laut Lackner will Berlin nun die bisherigen (G-BA-)Kriterien für Notaufnahmen belassen; diese erfülle Kelheim schon.

In jedem Fall brauche der Landkreis weiterhin eine akut- und notfallmedizinische Grundversorgung. Und er brauche das Krankenhaus als solches. Im Umkreis von 30 Fahr-Minuten leben gut 160.000 Menschen; würde das CSL schließen, hätten 19.000 Einwohner länger als 30 Fahrminuten bis zum nächsten Haus der Grundversorgung.

Wirtschaftlich könne St. Lukas mit der Fokussierung auf die LG Boden gewinnen; auch wenn „in anderen Bereichen etwas verloren gehen“ werde, etwa bei Belegärzten, aber auch durch die Ambulantisierung von Behandlungen. Explizit riet Fabian Schülke „derzeit“ von einem „ökonomisches Sanierungskonzept“ ab.

Krankenhaus Kelheim: OP-Modernisierung vordringlich

Als dringend und unaufschiebbar beschreibt PwC die „Sicherung des OP-Betriebs“. Der OP-Trakt sei nach der kurzfristigen Sanierung Anfang Mai zwar hygienisch einwandfrei und voll funktionsfähig – diese Ausführung von Geschäftsführerin Claudia Eder bestätigten die Berater und Ingenieur Marcus Hartl, der die Generalsanierung begleitet. Aber nach mehr als 50 Jahren seien die vier Säle völlig aus der Zeit gefallen, ein modernes OP-Management nötig.

Sie werden auf Anraten von PwC, Hartl und einem weiteren Berater durch drei neue Säle an gleicher Stelle ersetzt. Ein OP-Trakt in Modulbauweise hinterhalb der Klinik soll als Ausweichquartier dienen und wäre danach für ambulante Operationen weiterhin nutzbar.

Die Regierung signalisiert laut Hartl, dass sie keinen neuen Förderantrag fordert – der würde Jahre kosten. Er hofft, bis Herbst die überarbeiteten Pläne samt Kostenschätzung vorlegen zu können.

Lesen Sie dazu auch die Reaktionen im Kreistag auf das neue Konzept: „Kreistag lobt neues Konzept und die „Aufbruchstimmung“ am Krankenhaus Kelheim“

So geht es nun weiter

Die Vorschläge von Klinik und PwC waren in nicht-öffentlichen Workshops bereits vorbesprochen. Nun hat sie der Kreistag einstimmig gebilligt. Sprich: Damit darf auch der Landrat in der Gesellschafterversammlung der Klinik-GmbH den Vorschlägen zustimmen. Was eine Formsache sein dürfte: Der Aufsichtsrat der Klinik – dort hat der Diözesan-Caritasverband gegenüber dem Landkreis die Mehrheit – hatte im Juni sinngemäß bereits einen sinngemäß gleichlautenden Empfehlungsbeschluss gefasst.