Hauruck-Sanierung am Kelheimer Caritas-Krankenhaus war teuer für den Landkreis

Die Sanierung der OP-Säle am Kelheimer Krankenhaus, die im Frühjahr kurzfristig nötig geworden war, kommt den Landkreis teuer zu stehen. Das zeigt eine erste Abschätzung der neuen Geschäftsführerin Claudia Eder. Aber sie brachte dem Kreisausschuss auch eine gute Nachricht mit.
Die Mitteilung aus dem Kelheimer Caritas-Krankenhaus St. Lukas (CSL) kam Mitte April völlig überraschend: Wegen „dringender Umbauarbeiten im OP und im Bereich der Sterilgutversorgung“ musste der reguläre OP-Betrieb für einen Monat eingestellt werden; bis Mitte Mai waren nur Notfall-Operationen und -Kaiserschnitte möglich. Zeitlich – und mutmaßlich auch kausal – einher damit ging die ebenfalls überraschende und kurzfristige Entlassung der damaligen Geschäftsführerin Sabine Hehn.
Ihre Nachfolgerin Claudia Eder ist nun unter anderem mit der wirtschaftlichen Aufarbeitung der Zwangspause befasst. Eine erste Einschätzung dazu legte sie am Montag dem Kreisausschuss vor. Etliche geplante Operationen wurden wegen der Sanierung abgesagt; mutmaßlich dürften viele Betroffene nicht auf einen neuen Termin gewartet haben, sondern auf andere Kliniken ausgewichen sein.
Millionen-Ausfall
Die ausgefallenen OPs bzw. Krankenhaus-Aufenthalte sorgten laut Geschäftsführerin Eder für Minder-Erlöse von 150- bis 300.000 Euro pro Tag. Nach vorläufiger Hochrechnung zum 31. Mai steht die Klinik deshalb im laufenden Betrieb um rund zwei Millionen Euro schlechter da als im Wirtschaftsplan vorgesehen. Eder, die auch ihre bisherige Position als Prokuristin weiterhin ausübt, betonte aber, dass dies noch keine abschließende Bewertung sei. Sie versprach, bis zum Juli eine belastbare Hochrechnung vorzulegen.
Immerhin war die vierwöchige Hauruck-Aktion erfolgreich: Die jüngste routine-mäßigen Hygiene-Begutachtung „haben wir mit Bravour bestanden“, berichtete die Geschäftsführerin – für deren Engagement in den vergangenen Wochen Landrat Martin Neumeyer explizit dankte.
Mit der erfolgten Sanierung hat sich das CSL etwas Luft verschafft für die schon seit Jahren geplante, aber unter Ex-Geschäftsführerin Hehn auf Eis gelegte Generalsanierung des OP-Bereichs. Grundlage wird laut Eder die ursprüngliche Planung von 2008 bleiben, freilich angepasst an die heutigen Vorschriften und Bedingungen. Demnach würden künftig drei (statt jetzt vier) OP-Säle zur Verfügung stehen und in der Sanierungsphase auch ebenso viele Interims-OP-Säle.
Im Juli wird sich die Kreispolitik nicht nur damit und mit der aktuellen wirtschaftlichen Situation von St. Lukas befassen. Sondern auch mit der Frage, wie sich das Krankenhaus unter den neuen Maßgaben der bundesweiten Krankenhausreform insgesamt aufstellen will. Das gab Landrat Neumeyer bekannt.
Ein Eckpfeiler der noch vom früheren SPD-Gesundheitsminister Karl Lauterbach durchgesetzten Krankenhaus-Reform sind die Leistungsgruppen. Mit ihnen wird für jede Klinik festgelegt, welche medizinischen Leistungen dort erbracht werden dürfen und welche Standards dafür erfüllt sein müssen. Die Leistungsgruppen müssen vom jeweiligen Krankenhaus beantragt werden; die Zuweisung wird dann vom bayerischen Gesundheitsministerium koordiniert.
Das CSL und seine Gesellschafter - der Diözesan-Caritasverband und der Landkreis Kelheim – lassen sich bei der Antragstellung vom Notfallmediziner und Krankenhausberater Prof. Christian Lackner bzw. der Beratungsfirma PwC begleiten, berichtete Geschäftsführerin Eder im Kreisausschuss.
Weiterhin Grundversorger?
Zusammengefasst rate der Experte dazu, das CSL weiterhin als Haus der Grund- und Regelversorgung aufzustellen. Damit wären in Kelheim die jetzigen Fachbereiche weiterhin abgedeckt, also Intensiv- und Innere Medizin, Allgemein- und Unfallchirurgie, (interventionelle) Kardiologie, Stroke-Unit, Palliativ-Medizin. Über die Leistungsgruppen-Vorschläge im Detail berät der Kreistag am 17. Juli, kündigte Landrat Neumeyer an.