Drei Aufsichtsräte fordern „lückenlose Aufklärung“ zu Caritas-Krankenhaus St. Lukas Kelheim

Von Martina Hutzler · 18. April 2025 um 15:00

Nach der überraschenden Teilschließung des OP-Bereichs am Caritas-Krankenhaus St. Lukas melden sich nun Kelheims Bürgermeister und zwei weitere Klinik-Aufsichtsräte zu Wort. Sie wollen unter anderem der Oberender AG die Geschäftsführung entziehen.

Die Nachrichten kamen vor anderthalb Wochen überraschend: Erst musste die Geschäftsführerin des Kelheimer Caritas-Krankenhauses St. Lukas (CSL), Sabine Hehn, gehen; kurz darauf gab eine PR-Agentur bekannt, dass am CSL für voraussichtlich vier Wochen „keine geplanten Operationen“ mehr möglich seien. Grund seien „dringende Umbauarbeiten im OP und im Bereich der Sterilgutversorgung“.

Auf unsere ausführlichen Nachfragen gab sich der Diözesan-Caritasverband (DCV), der die Betriebsträgerschaft für das kreiseigene Krankenhaus hat, sehr zugeknöpft. Er erklärte lediglich, nach „Hinweisen durch Mitarbeitende“ habe man „im OP-Bereich und bei der Sterilgutversorgung eine Untersuchung inklusive einer fachlichen Begehung eingeleitet“; diese habe zu den „Umbauarbeiten“ geführt. Nach unseren Informationen läuft derzeit bereits die Beseitigung von Hygienemängeln.

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Videokonferenz des Aufsichtsrats

Die Klinik wird als GmbH geführt; dort und entsprechend im Aufsichtsrat hat der DCV die strategische Mehrheit gegenüber dem Landkreis Kelheim. Nach unseren Informationen gab es nach der OP-Entscheidung eine Videokonferenz des Aufsichtsrats, in der die Mitglieder eindringlich zu Verschwiegenheit ermahnt wurden. Dieser Pflicht sei man sich durchaus bewusst, schreibt nun in einer Stellungnahme gegenüber unserer Mediengruppe der Kelheimer Bürgermeister Christian Schweiger, auch im Namen von Willi Dürr (Painten), der auch den Krankenhaus-Förderverein leitet, und Ferdinand Hackelsperger (Bad Abbach). Aber die überraschende Teilschließung des OP-Bereichs habe „verständlicherweise für große Verunsicherung in der Bevölkerung gesorgt“, begründen die drei ihre am Donnerstagabend weitergeleiteten „Standpunkte“.

Christian Schweiger - Foto: Weigert
Willi Dürr - Foto: Regierung v. Niederbayern/Vinçon
F.Hackelsperger - Foto: Hutzler

Gleich der erste ist eine klare Forderung: „Die Zusammenarbeit mit der Beratungsgesellschaft Oberender AG sollte aus unserer Sicht umgehend beendet werden. Der aktuelle Zustand im OP-Bereich, der laut Pressemitteilung ,dringende Umbauarbeiten‘ erfordert, wirft erhebliche Fragen zur bisherigen Betriebsführung auf.“ Ferner müssten „die Sachverhalte, die zur jetzigen Situation geführt haben, lückenlos aufgeklärt und aufgearbeitet werden“, fordern die drei Aufsichtsrats- und auch Kreistagsmitglieder.

Sparkurs und Fluktuation

Wie berichtet, hatte der DCV unmittelbar nach seinem Einstieg die Firma Oberender mit der Geschäftsführung am CSL beauftragt; diese entsandte Sabine Hehn. Bald darauf war aus Krankenhauskreisen immer wieder von Hehns rigidem Sparkurs zu hören; es gab auch eine starke Personalfluktuation. Hehn wurde zwar nun geschasst. Fragen zur weiteren Zusammenarbeit mit Oberender ließ die Caritas aber zumindest gegenüber unserer Mediengruppe bislang offen.

Ein weiterer „Standpunkt“ der drei Aufsichtsräte: „Die ärztliche Leitung, die Pflegedienstleitung und das Personal müssen in den laufenden Transformationsprozess voll eingebunden sein.“ Die Kreispolitiker treibt offenkundig auch die Zielrichtung dieses Prozesses um.

Sie fordern „ein klares Bekenntnis“ zum „aktiven Erhalt des Krankenhausstandortes“; nur dies könne Grundlage der Zusammenarbeit mit der Caritas sein. Diese sieht bekanntlich so aus, dass der DCV zwar die 51-prozentige Mehrheit an der Klinik-GmbH hat; dass aber alle betrieblichen Defizite und Investitionen allein der Landkreis Kelheim zahlt.

Zwar teilte 2022, beim DCV-Einstieg, das Landratsamt mit, dass „bei wegweisenden Entscheidungen die Gesellschafterversammlung einberufen werden [muss]; ohne die Zustimmung des Landkreises kann in diesen Fällen nichts beschlossen werden.“ Allerdings könnten auch ausbleibende Entscheidungen die Entwicklung eines Krankenhaus beeinflussen, zumal angesichts der bundesweiten Krankenhaus-Strukturreform.

Hierzu kündigen Christian Schweiger, Willi Dürr und Ferdinand Hackelsperger an, sich dafür einzusetzen, „dass der Standort Kelheim gemäß den Anforderungen des Krankenhausversorgungsverbesserungs-Gesetzes ausgerichtet wird mit Schwerpunkt auf Notfallmedizin, Chirurgie (allgemein, viszeral, Unfallchirurgie), Kardiologie, Innere Medizin und Geburtshilfe.“

„Krankenhaus hat Potenzial“

Die genannten Bereiche gibt es am CSL bereits. Die gestiegene Patientenzahlen in Kardiologie, Gastroenterologie und Orthopädie seien der Beweis für „das Potenzial unseres Krankenhauses“.

Überdies sei das CSL für die Versorgungssicherheit unverzichtbar, argumentieren die drei Räte: Maximalversorger wie die Regensburger Uni-Klinik müssten sich weiterhin auf die schwereren und spezialisierten Fälle konzentrieren können. Und die weiteren Krankenhäuser in Regensburg hätten gar nicht genügend Kapazitäten, auch noch alle Patienten aus der Region Kelheim aufzunehmen.

Als letztes fordern die drei Aufsichtsräte „eine engere Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten in Kelheim (…), um die medizinische Versorgung in unserer Region zu stärken“.