Nach OP-Teilschließung am Kelheimer Krankenhaus: Caritas und Landkreis halten sich bedeckt

Von Martina Hutzler · 14. April 2025 um 19:00

Vier Tage nach der überraschenden Teil-Schließung der OP-Abteilung am Kelheimer Caritas-Krankenhaus St. Lukas hüllen sich die Träger zu den näheren Umständen weiter in Schweigen. Nur auf einige der Fragen unserer Mediengruppe ging die Caritas näher ein.

Wie berichtet, hatte ein PR-Büro am Freitag überraschend mitgeteilt, dass im Caritas-Krankenhaus St. Lukas Kelheim (CSL) „voraussichtlich in den kommenden vier Wochen keine geplanten Operationen möglich“ seien, aber „Notfälle und Patienten mit kleineren Wundversorgungen“ sowie „Geburten sowie Notfall-Kaiserschnitte“ weiterhin behandelt würden. Grund für die Einschränkungen sind laut Pressemitteilung „dringende Umbauarbeiten im OP und im Bereich der Sterilgutversorgung“.

„Hinweise durch Mitarbeitende aus dem CSL“ haben die Notwendigkeit dieser Arbeiten offengelegt: Das antwortete am Montag Harry Landauer, Sprecher des Diözesan-Caritasverbandes (DCV) in einer schriftlichen Stellungnahme namens DCV und Landratsamt. Der DCV führt seit drei Jahren das kreiseigene Krankenhaus und hat in der Klinik-GmbH die 51-prozentige Mehrheit gegenüber dem Kreis Kelheim (49%).

Hinweise vom Personal

Auf die Frage, wann der offenbar unzulängliche Zustand in der OP-Abteilung bekannt wurde, antwortet Landauer lediglich indirekt: Die beiden Gesellschafter hätten auf die Mitarbeiter-Hinweise „unmittelbar reagiert und im OP-Bereich und bei der Sterilgutversorgung eine Untersuchung inklusive einer fachlichen Begehung eingeleitet“. In der Folge sei entschieden worden, diese Bereich „zu optimieren“, was „nur mit einer zeitweisen Schließung der OP-Abteilung möglich“ sei. Worin genau die „Optimierung“ besteht und was sie voraussichtlich kostet, ließ der Caritas-Sprecher offen.

Neben diesen direkten Kosten dürfte auch der Einnahme-Verlust nicht unerheblich sein, den der Wegfall von Operationen verursacht. Laut Landauer versuche man zwar, geplante OP-Termine zeitlich zu verschieben. Auf Wunsch und „in dringenden Fällen“ unterstützten das „Operative Kompetenzzentrum“ der Klinik sowie Hausärzt/innen aber auch „bei der Suche nach einem anderen Krankenhaus“. Die Klinik-Notaufnahme steht laut Caritas zwar „weiterhin rund um die Uhr zur Verfügung“, auch für „kleinere Eingriffe“. Aber „schwere chirurgische Notfälle werden von den Rettungsdiensten in andere Kliniken gebracht.“

Noch offen ist, welche Folgen die Einschränkungen und der mutmaßlich damit einher gehende Image-Verlust des Krankenhauses für dessen Eigentümer, den Landkreis Kelheim, haben. Er hat gemäß Kooperationsvertrag mit der Caritas das gesamte betriebliche Defizit auszugleichen. Der OP-Teilausfall könnte einen schmerzlichen Rückschlag bedeuten im Bemühen, die hohen Krankenhaus-Ausgaben zu senken.

Noch einen Tag vor Bekanntwerden der Teilschließung hatten mehrere Redner in der Haushaltsdebatte des Kreistags die leichten Verbesserungen im Betriebsergebnis des CSL gelobt, ebenso Mitglieder des Kreisausschusses in den Haushaltsvorberatungen.

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Gut möglich, dass sich nun einige in der Kreispolitik die Frage stellen, ob in der Klinik, die bis vorige Woche unter der Leitung von Geschäftsführerin Sabine Hehn stand, an der falschen Stelle gespart wurde.

Dasselbe fragen sich vermutlich auch Klinik-Beschäftigte. Ob und wie diese von der Zwangspause bei geplanten OPs betroffen sind, ließen der DCV-Sprecher und auch die Mitarbeitervertretung offen.

Weiterhin mit Oberender?

Ins Auge sticht die zeitliche Nähe zwischen dem überraschenden Abgang von Geschäftsführerin Hehn und den OP-Arbeiten. Auf die Frage, ob es auch einen inhaltlichen Zusammenhang gibt, geht Caritas-Sprecher Landauer ebenso wenig ein wie auf Fragen zur Nachfolge Hehns und zur künftigen Zusammenarbeit mit der Firma Oberender, in deren Auftrag Hehn in Kelheim tätig war.

Als 2022 bekannt wurde, dass Oberender mit der Geschäftsführung beauftragt ist, hatten mehrere Kreistagsmitglieder dies kritisiert und vor womöglich hohen Kosten dieser externen Lösung gewarnt. Welche Kosten für das Oberender-Mandat bislang aufgelaufen sind, blieb bis Montag ebenfalls unbeantwortet. Ex-Geschäftsführerin Hehn selbst war telefonisch nicht erreichbar. Vorstandsvorsitzender Jan Hacker verwies lediglich an den DCV als Zuständigen für die „Außenkommunikation“.

Indes scheint auch die interne Kommunikation bislang eher überschaubar zu sein. Dem Vernehmen nach wurden zumindest auf Kelheimer Seite des Klinik-GmbH-Aufsichtsrats die Mitglieder sowohl vom plötzlichen Abgang der Geschäftsführerin als auch von der plötzlich anberaumten OP-„Optimierung“ überrascht. Nach unseren Informationen hat der Aufsichtsrat am gestrigen Montagnachmittag beraten; über Inhalte wurde bislang nichts bekannt.

Kreisverband hofft auf Tempo

Die Sicht von Patientinnen und Patienten dürfte sich derweil mit dem decken, was der Ärztliche Kreisverband Kelheim (ÄKV) auf unsere Anfrage erklärte: Es komme nun darauf an, „dass die stationäre Versorgung möglichst schnell und umfänglich wiederhergestellt wird“, nannte ÄKV-Vorsitzender Hubert Faltermeier als „dringenden Wunsch“; ähnlich äußerte sich der Kelheimer Bürgermeister Christian Schweiger.

Dass planbare Operationen verschoben werden, sei für die Betroffenen zwar „maximal ärgerlich“, so ÄKV-Chef Faltermeier weiter. Aber zumindest sei die stationäre Versorgungssicherheit nicht in Gefahr, nachdem die Klinik ja erklärt habe, dass Notfälle weiterhin behandelt würden.