Wie Mainburg steht auch das Krankenhaus Kelheim vor Herausforderungen und Fragezeichen

Die Umstrukturierung der Ilmtalklinik Mainburg hat hohe Wellen geschlagen. Doch vor immensen Herausforderungen stehen auch das Kelheimer Caritas-Krankenhaus St. Lukas und sein Träger, der Landkreis: Krankenhausreform, hohe Klinik-Defizite, eine seit Jahren hinausgeschobene große Sanierung. Das löst Sorgen auch um die Zukunft des Kelheimer Hauses aus.
Noch berät der Bundestag die Krankenhausreform von Gesundheitsminister Lauterbach. In der Mainburg-Debatte war sie aber schon eine Begründung dafür, dass das 90-Betten-Haus nicht mehr als Grundversorgungs-Krankenhaus mit stationärer Notaufnahme zu halten sei. Zwar ist das Kelheimer Caritas-Krankenhaus St. Lukas (CSL) mit 200 Planbetten deutlich größer. Dennoch kursieren Gerüchte, dass auch ihm die Abstufung zu einem „Level-1i-Haus“ drohen könnte. Solche Sorgen habe er schon gehört; sie würden aber von offizieller Seite dementiert, sagt der Mainburger Kreisrat und Zahnarzt Michael Schöll auf Nachfrage.
Schöll war Mit-Initiator eines bemerkenswerten Beschlussvorschlags, den Freie Wähler, SPD, ÖDP, FDP, Bayernpartei und ein SLU-Kreisrat jüngst einbringen wollten, als der Kreistag über das Mainburger Haus entschied. Der Kreistag solle – ausdrücklich für „die beiden Kreiskrankenhäuser“ – beschließen, dass dort unabhängig von allen Umstrukturierungen ein „Mindeststandard gewahrt“ bleibt, nämlich eine rund um die Uhr besetzte Akutversorgung mit stationärer Notaufnahme und Intensivmedizin, lautete der Antrag, der aber nicht behandelt wurde. Daraus lässt sich die Sorge heraushören, dass genau diese 24/7-Notfallversorgung auch in Kelheim in Gefahr geraten könnte. Braucht die Kreisstadt überhaupt so ein Krankenhaus der Grundversorgung?
Caritas: Medizinkonzept gilt
Mit Ja oder Nein antwortet Harry Landauer, Sprecher des Diözesan-Caritasverbands (DCV), nicht. „Ziel der strategischen Partnerschaft von Landkreis und Caritasverband war und ist, in Kelheim eine hochwertige und bedarfsgerechte medizinische Versorgung zu sichern“, schreibt er auf unsere Anfrage. Fügt aber an: „Das entsprechende medizinische Konzept wurde vertraglich verankert. Seitens der Caritas gibt es keine Initiativen, hier Verringerungen im Angebot vorzunehmen.“ Das gelte auch für die Geburtshilfe, die laut Konzept „fester Bestandteil der Frauenklinik“ sei, erinnert Landauer.
Freilich werden aus Caritas-Sicht die künftigen „Spielräume“ im Krankenhauswesen von den „Rahmenbedingungen definiert, die auf Bundes-, Landes- und auch kommunaler Ebene geschaffen werden“; unter anderem eben von der Krankenhausreform. Was von dieser „am Ende in Kelheim ankommen wird, bleibt abzuwarten“, so der Sprecher des kirchlichen Verbands, der vor zwei Jahren vom Landkreis die strategische Mehrheit an der Kelheimer Klinik-GmbH übernommen hat. Das Landratsamt prüft nach eigenen Angaben ebenfalls bislang, ob bzw. welche Auswirkungen die Lauterbach-Reform auf das CSL habe. Ob sie sich aufs dortige Leistungsspektrum auswirkt, ist laut Caritas-Sprecher noch nicht abzusehen. Aber „für die Caritas gilt: an den laufenden Verträgen werden wir festhalten.“
Diese sahen auch eine Leistungssteigerung und -ausweitung unter Caritas-Regie vor. In der Hinsicht ist einiges passiert, etwa die Eröffnung der Klinik für Akutgeriatrie und die Kooperation mit dem „Sporthopaedicum“, dessen Orthopäden und Chirurgen nun auch in Kelheim operieren. Was freilich umso mehr die Frage aufwirft, wie es mit dem Jahrzehnte alten OP-Trakt weitergeht. Dessen Sanierung war zu Zeiten der Goldberg-Klinik schon jahrelang im Gespräch. Seit dem Einstieg des DCV ist das Projekt in der Warteschleife (siehe eigener Bericht).
Personelle Sorgen
Immer gewichtiger wird aber auch der Faktor Personal. In der Mainburg-Debatte hieß es stets, die Klinik-Reform und die medizinische Entwicklung insgesamt führe zu immer strengeren und umfangreicheren Personalvorgaben, die gerade in kleineren Häusern immer schwerer zu erfüllen seien. Das gilt insbesondere für die geplanten „medizinischen Leistungsgruppen“, die Minister Lauterbach zur neuen Basis in der Krankenhausplanung machen will.
Mit all dem muss sich auch das Kelheimer Haus auseinandersetzen. Hinzu kommt hier freilich, dass die Stimmung der Krankenhaus-Belegschaft offenbar nicht die beste ist. Das zumindest sagen Mitarbeitende hinter vorgehaltener Hand und verweisen auch auf etliche Wechsel an Führungspositionen. Beispielsweise haben, nach Informationen unserer Zeitung, schon drei Personalleiter das Haus verlassen, seit dort die Caritas und in ihrem Auftrag die Oberender-AG tätig sind.
Dem Landkreis ist laut Pressestelle „keine grundlegenden Fehlentwicklungen im Hinblick auf das Betriebsklima bekannt“; Man verweist dort und auch seitens der Caritas auf eine „Fluktuationsrate“ von heuer (Januar bis Mai) knapp vier Prozent am CSL. Das sei „im bundesweiten Median“.
Der Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, Helmut Mayer, lehnt auf Anfrage eine Stellungnahme ab, unter Verweis auf seine Verschwiegenheitspflicht. Er hoffe „zugunsten der Gesundheitsversorgung Kelheims, dass sich das Krankenhaus positiv entwickelt“ und hierfür alle Protagonisten an einem Strang ziehen, so Mayer. Immerhin gebe es am CSL, dank Ausbildung und Einstellungen, eine ganze Generation neuer junger Mitarbeitender. „Ich hoffe, dass sie uns erhalten bleiben.“