Neue Führungskräfte, neue Medizin-Angebote – und ein altbekanntes Problem

Seit einem Jahr läuft das Kelheimer Krankenhaus unter Caritas-Regie – seither hat sich personell und medizinisch viel getan. Geschäftsführerin Sabine Hehn berichtete nun dem Kreisausschuss und zog eine positive Zwischenbilanz. Ungeachtet dessen muss der Landkreis mehr Geld in die Klinik stecken als geplant.
Seit 27. Juni 2022 arbeitet die früher vom Landkreis gemanagte Goldberg-Klinik Kelheim unterm Dach des Diözesan-Caritasverbands (DCV) und kooperiert, nun als „Caritas-Krankenhaus St. Lukas Kelheim“ (CSL), mit St. Josef in Regensburg. Geschäftsführerin in Kelheim ist seither Sabine Hehn. Sie stellte am Montag den Kreisräten unter anderem neue Führungskräfte vor.
Denn seit der DCV die Geschäftsführung und GmbH-Mehrheit an der Klinik übernommen hat, verließen mehrere Chefs das Haus; teils altersbedingt, teils kündigten sie.
Für Prof. Michael Reng als Chef der Inneren Medizin II und der Notaufnahme, gibt es gleich zwei Nachfolger. Die Leitung der „Inneren“ übernimmt Ursula Caissier. Die Gastroenterologin arbeitete schon von 2011 bis 2018 am Goldberg, ehe sie als Chefärztin nach Kösching wechselte. Separat geleitet wird jetzt die Notaufnahme; Ärztlicher Leiter Sören Preiß ist bisher schon Oberarzt an der Klinik. Die Notaufnahme habe die jüngste Qualitätsprüfung durch den Medizinischen Dienst bestanden, teilte Geschäftsführerin Hehn ergänzend mit. Das pflegerische Leitungsteam der Notaufnahme bilden Carmen Gebetsberger, Kerstin Bauer und Ines Schmidt.
Den Pflegedienst insgesamt leitete Christina Seifert bislang als kommissarische Nachfolgerin von Andrea Scheibenpflug, die heuer das Haus verlassen hat; nun wurde Seifert als reguläre Pflegedirektorin vorgestellt. Stellvertreterin bleibt Veronika Habicht-Blabl.
Übergangsweise tätig ist Helmut Meyringer: Der Chefarzt von St. Josef betreut derzeit die Kelheimer Anästhesie mit; ab 1. August wird dann Alexander Frohmajer regulärer Nachfolger vom pensionierten Chef-Anästhesisten Norbert Kutz. Kutz‘ Amt als Ärztlicher Direktor hat wie berichtet Volker Benseler übernommen.
Neu sind ferner Apotheken-Leiterin Mirjam Abu Salah, vorher an der Uni Regensburg tätig; sowie Küchenchef Matthias Hausen, zuletzt Betriebsleiter bei einem Caterer. Mit Tobias Mausch gibt es am CSL nun ferner einen Abteilungsleiter Personal.
Neue Geriatrie ab Herbst besetzt
Eine ganze neue Fachabteilung, nämlich Altersmedizin, ist fürs CSL schon beschlossene Sache – nun steht fest, dass ab 1. September Heba Hassa Chefärztin dieser Geriatrie wird. Unterm Strich seien „großartige Kräfte für Kelheim rektrutiert“ worden, lobte Kreisrat Uwe Brandl (SLU).
Aus der unlängst gestarteten Kooperation des CSL mit dem „Sporthopaedicum“ Regensburg/ Straubing resultiert, dass Prof. Johannes Zellner nun als „Sektionsleiter Orthopädie“ am CSL fungiert. Das Sporthopaedicum führt am Kelheimer Krankenhaus insbesondere Operationen durch. Dies sei logistisch und bei den Anfangs-Investitionen eine „Herausforderung“ fürs CSL; deshalb starte man mit der ähnlich geplanten Leistungsausweitung in der Urologie erst im Herbst, sagte Geschäftsführerin Hehn auf Nachfrage von Kreisrat Richard Zieglmeier (Grüne).
Kooperation mit Passauer Wolf Bad Gögging
Eine Kooperation gebe es auch mit dem „Passauer Wolf“ Bad Gögging: Die Klinik führt in Kelheim neurologische Visitendienste zum Beispiel bei Schlaganfall-Patienten durch. Ferner habe man mit dem Landkreis-Hospizverein eine engere Zusammenarbeit vereinbart, sagte Sabine Hehn. Kooperationen mit der Hebammenpraxis Reitzer, der Kinderarztpraxis Schindler und der HNO-Praxis Hromada werden fortgesetzt bzw. ausgebaut.
Wirtschaftlich liegt das Krankenhaus in den ersten fünf Monaten 2023 über der geplanten Zahl an „Fällen“, sprich: Patienten; hingegen lag der Schweregrad der behandelten Fälle (Case Mix) unter Plan. Am defizitären Betrieb ändern alle Bemühungen nichts, im Gegenteil: Das Betriebs-Defizit 2023, im Wirtschaftsplan noch mit knapp 8,4 Millionen Euro veranschlagt, wird nach jetziger Prognose sogar 9,3 Mio. betragen. Zum einen, weil höheren Erlösen deutlich höhere Aufwendungen gegenüberstünden; zum anderen, weil das Fallpauschalen-System nicht kostendeckend sei, so Hehn.
Wenig Hoffnung auf Krankenhausreform
Dass die Krankenhausfinanzierung reformiert gehören, war im Kreisausschuss Konsens; aber ebenso die Skepsis, ob kleine Häuser wie Kelheim von der Lauterbach-Reform tatsächlich profitieren. Bis dahin jedenfalls müsse der Landkreis Geld ins CSL stecken, „denn es geht um die Nahversorgung“ im Gesundheitsbereich, argumentierte Christian Schweiger (CSU). Die müsse von den Menschen halt auch genutzt werden, appellierte Landrat Martin Neumeyer und nannte die Kooperation mit der Caritas eine große Chance. Wie Schweiger dankte er Geschäftsführerin Hehn und dem gesamten CSL-Team für seine Arbeit. Kreisrat Willi Dürr (SPD) merkte kritisch an, dass die Caritas die Oberender AG – für die Geschäftsführerin Hehn tätig ist – ans Haus geholt habe: eine Beraterfirma, der andernorts Klinik-Zusammenlegungen forciere.
Echte und virtuelle Baustellen
Umbau: In den vergangenen Monaten sind u.a. der Haupteingang des Kelheimer Krankenhauses umgebaut, der Wirtschaftshof fertiggestellt und die Station A7 saniert worden. Neu sind im Außenbereich die Beschilderung und innen das Wegeleitsystem; was nach wie vor fehlt, ist die Dachreklame.
Aktuell: Mit der Sanierung des OP-Trakts steht am CSL ein Großprojekt an, für das Laut Geschäftsführerin „heuer hoffentlich zumindest der Spatenstich erfolgt“. Laufend fortgesetzt wird die Digitalisierung, z.B. die Live-Übertragung von Gottesdiensten in der Hauskapelle und besseres WLan.