Kelheimer Krankenhaus-Chefarzt Reng ist überraschend freigestellt worden

Die Abteilung für Akut- und Notfallmedizin sowie allgemeine Innere Medizin am Kelheimer Krankenhaus St. Lukas hat derzeit keinen Chefarzt: Der bisherige, der zum September gekündigt hat, ist überraschend vom Dienst freigestellt worden.
Schon als im März bekannt wurde, dass Prof. Michael Reng seine Kündigung am Kelheimer Krankenhaus eingereicht hatte, sorgte dies für einiges Aufsehen. Reng war, auch aufgrund seiner Funktion als Landkreis-Pandemiebeauftragter während der Coronazeit, ein bekanntes Gesicht der früheren Goldberg-Klinik, dem jetzigen Caritas-Krankenhaus St. Lukas (CSL).
Mail an Beschäftigte des Krankenhauses St. Lukas Kelheim
CSL-Geschäftsführerin Sabine Hehn hatte im März gegenüber unserer Zeitung ihr Bedauern über den Weggang Rengs geäußert. Sie hatte damals darauf verwiesen, dass er bis zum Herbst in der Klinik sei und man bis dahin die Nachfolge regeln könne. Wie unsere Zeitung aus Klinik-Kreisen erfahren hat, bekamen nun aber vor kurzem die CSL-Beschäftigten per Mail mitgeteilt, dass Reng „aus gegebenem Anlass (...) ab sofort bis zum Beschäftigungsende vom Dienst freigestellt“ werde.
Von offizieller Seite gibt es hierfür keine Bestätigung. Geschäftsführerin Sabine Hehn, in Urlaub befindlich, lässt über Klinik-Pressesprecher Christopher Martin von der FuP Kommunikations-Management GmbH lediglich wiederholen, dass Reng selbst „aus persönlichen Gründen gekündigt“ habe und dass man ihm „ausdrücklich für die langjährige sehr gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit“ danke. Auch auf unsere Nachfrage hin ging Pressesprecher Martin nicht auf die Freistellung und die Gründe dafür ein.
Zum Schweigen verdonnert
Ex-Chefarzt Reng darf nach eigenen Angaben nichts dazu sagen. Er schreibt auf unsere Anfrage: „So offen mein Verhältnis zur Presse in den letzten Jahren – gerade zu Zeiten von Corona – sein durfte, wurde ich mit meiner Freistellung schriftlich ausdrücklich verpflichtet, betriebsinterne Angelegenheiten strengstens geheim zu halten“.
Seine Ablösung erinnert an die der früheren Klinik-Geschäftsführerin: Sie wurde im Juni 2022, unmittelbar nach Übernahme der Klinikleitung durch die Caritas und der Bestellung der neuen Geschäftsführerin Hehn, ebenfalls freigestellt.
Aufsichtsrat hüllt sich in Schweigen
Der Aufsichtsrat der Klinik-GmbH, in den der Diözesan-Caritasverband (DCV) und Landkreis Kelheim Mitglieder entsenden, hüllt sich zur Personalie Reng in Schweigen. Vorsitzender des Gremiums ist Clemens Prokop, Jurist aus dem Kreis Kelheim und Vize-Vorsitzender im DCV. Er weist auf unsere Anfrage lediglich darauf hin, dass für Medienanfragen die CSL-Geschäftsleitung bzw. der Pressesprecher zuständig sei. Dorthin verweist auch Landrat Martin Neumeyer als einer der Landkreis-Vertreter im Aufsichtsrat. Er teilt über die Landratsamts-Pressestelle mit, dass man sich „nicht zu Personalangelegenheiten äußert“.
„Keine Folgen für Betrieb“
Eine Personalangelegenheit indes, die über die reine Personalie hinaus Fragen aufwirft. So wollten wir wissen, ob die sofortige Freistellung Rengs den Betrieb insbesondere der Notaufnahme gefährdet. Das verneint Pressesprecher Martin Nein; dieser sei „zu jeder Zeit gewährleistet“, ebenso die ärztliche Weiterbildung.
Er ergänzt, dass für die Übergangszeit zwei andere Chefärzte des Hauses die medizinische Führung von Rengs Abteilung übernommen hätten: Chirurg Volker Benseler, zugleich Ärztlicher Direktor am CSL, und Vize-Direktor und Kardiologe Prof. Marcus Fischer. Derzeit führe man „Gespräche mit möglichen Nachfolgern auf der Chefarztposition“ von Reng und suche für die Abteilung „Innere Medizin II“ nach zusätzlichen Fachärztinnen und Fachärzten.
Geplant ist laut Martin „eine organisatorische Neuaufstellung der Abteilung“. Deren bisheriger Schwerpunkt Gastroenterologie – also die Behandlung von Erkrankungen des Verdauungstrakts – soll nach Martins Worten aber auch künftig als Fachabteilung am CSL erhalten bleiben.
Auswirkungen auf Kelheimer Fallzahlen?
Interessant werden dürfte, ob sich der offenbar erzwungene Abgang des Chefarztes und die Vakanz bis zur Neubesetzung in den Fallzahlen des CSL niederschlagen wird. Noch zu Jahresbeginn hatte Matthias Meier als Kaufmännischer Direktor des CSL die Devise ausgegeben, „die Belegungszahlen wieder zu steigern“.
Das ist auch für Kelheim von originärem Interesse. Denn der Landkreis, der die Mehrheit seiner Anteile an der Klinik-GmbH an den DCV abgegeben hatte, muss nach wie vor vertragsgemäß etwaige Defizite aus dem Klinikbetrieb schultern. Ob und inwieweit sich auch die Freistellung Rengs finanziell auf den Landkreis-Haushalt auswirkt, lasse „sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht seriös beziffern“, so die Antwort aus der Landratsamts-Pressestelle.