Mit der Perspektive der Kreis-Bürgerin will Beatrix Kappelmeier (SPD) Kreis-Chefin werden

Von Martina Hutzler · 19. Februar 2026 um 05:00

Ihre Kandidatur war eine der Überraschungen, als der Landrats-Wahlkampf begann: Bis dahin war Beatrix Kappelmeier ein weitgehend unbeschriebenes Blatt in der Kelheimer Kreispolitik. Genau das sei ihr Vorteil, sagt die SPD-Frau aus Aiglsbach: „Ich bin noch nicht in dieser ,Politik-Blase‘, sondern vertrete die Bürgersicht.“

Wenn es nach Beatrix Kappelmeier geht, ist heuer die „Zeit für Veränderung“ im Landkreis Kelheim, nämlich „Zeit für eine Landrätin“. Und damit für sie selbst: Die Aiglsbacherin ist die einzige Frau in der Siebener-Runde derer, die das Kelheimer Landrats-Amt haben wollen. Vor allem aber sei ein Generationswechsel nötig, fordert die 57-Jährige: Zu ihrer Kandidatur habe sie sich entschlossen, als Amtsinhaber Martin Neumeyer (71) bekanntgab, erneut bei der Wahl anzutreten.

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In viele Landkreis-Themen müsste sie sich erst einarbeiten, räumt Beatrix Kappelmeier ein – aber das sei eine Chance: Sie könne Themen unvoreingenommen aus der Perspektive der Landkreis-Bevölkerung betrachten und neu bewerten. Durchexerziert hat sie das schon für die kommunalpolitische Aufgabe der „Daseinsvorsorge“; um sich zum geplanten Amazon-Logistikpark in Stocka eine Meinung zu bilden.

Seither ist sie überzeugt: In der Debatte komme viel zu kurz, wie viele Aspekte bei dem Großprojekt hineinspielten – sei es der große Flächenbedarf für Betriebsgebäude und für Wohnungen künftiger Beschäftigter, seien es die Pendlerströme oder die Wasserversorgung. „Die Rohrer müssen klären, ob sie all die Risiken eingehen wollen“, weil die Gemeinde nun mal zuständig sei für das Mega-Projekt. Aber „mir wären fünf bis zehn Mittelständler und Handwerksbetriebe lieber“ als ein Online-Riese mit Aversion gegen Tarifverträge und Gewerkschaften, schiebt sie hinterher.

Mir wären fünf bis zehn Mittelständler und Handwerksbetriebe lieber als ein Online-RieseBeatrix Kappelmeier, SPD-Landratskandidatin

Die gelernte Bürokauffrau hat selbst schon für eine Gewerkschaft gearbeitet, und für viele andere Arbeitgeber, ist nun im Rathaus Ingolstadt im Vorzimmer eines Amtsleiters. Das Kappelmeiersche Berufs- und Familienmanagement hat sich vereinfacht, seit die beiden Töchter und der Sohn erwachsen sind. Gemeinsame Zeit mit ihrem Mann bleibe aber kostbar, ergänzt sie – Josef Kappelmeier arbeitet als Industrieelektroniker Nachtschicht.

Alle drei Kinder haben Ausbildungen absolviert, zwei hängen gerade ein Studium an – sie wisse um die Bedeutung von Bildungs-Chancengleichheit, sagt die SPD-Kandidatin. Dazu gehöre auch ein besserer ÖPNV: Bislang scheitere „am Land“ die freie Berufswahl für Jugendliche nicht selten daran, dass der gewünschte Ausbildungsbetrieb unerreichbar sei.

Bewusst hat die Aiglsbacherin das Mainburger Schulzentrum als Treffpunkt fürs MZ-Video und -Bild gewählt: „Über die Lehrschwimmhalle hier wird seit Jahrzehnten diskutiert“; jetzt müsse endlich ein Neubau her, denn „es geht um unsere Kinder“. Und schließlich dürfe man auch die Kleinsten nicht aus dem Blick verlieren: Für sie brauche es mehr Logopädie- und Ergotherapie-Plätze: „Wir müssen mehr Praxen in den Landkreis bringen.“

„Sowohl in Kelheim als auch in Mainburg braucht es eine rund um die Uhr besetzte Anlaufstellen für Notfälle“Beatrix Kappelmeier

Als ihr Hauptthema im Wahlkampf nennt sie indes die Gesundheitsversorgung im Landkreis. Dazu gehöre – neben einem flächendeckenden Rettungsdienst – eine rund um die Uhr besetzte Notfallversorgung an beiden kreis-eigenen Krankenhäusern.

In Kelheim ist dies, wie berichtet, bereits einstimmige Beschlusslage. Heiß umkämpft ist das Thema derzeit in Mainburg. Dort sei eine 24/7-Anlaufstelle genauso unabdingbar, urteilt Kappelmeier. (Nur) dann kann sie sich die „Sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung“ fürs jetzige Krankenhaus vorstellen. Über den Umfang der dortigen Notfallversorgung müsse man noch diskutieren: „was wollen und können wir uns leisten“.

Dazu müsse sie sich im Falle ihrer Wahl erst ein genaues Bild verschaffen: über die Finanzlage des Landkreises und Einsparpotenziale im Haushalt, ergänzt die SPD-Politikerin. Eher organisatorisch in der Pflicht sieht sie den Landkreis in der Seniorenpolitik: Das Landratsamt müsse alle Initiativen fördern, die mehr Pflege- und Wohnprojekte für Ältere schaffen, fordert sie.

Zur Person

Privat: Beatrix Kappelmeier stammt aus Ingolstadt. Mit ihrem Mann Josef lebt sie in Aiglsbach, wo auch die zwei Töchter und der Sohn großwurden. In der Freizeit werkelt sie gerne in Haus und Garten – oder spielt Waldhorn. Für feste Ensembles fehlt ihr aktuell die Zeit.

Beruf: Die gelernte Bürokauffrau im Kfz-Großhandel hatte – neben der Arbeit als dreifache Mutter – verschiedenste Stellen inne, u.a. im Krematorium und einem Nachhilfeinstitut. Dann war sie im Vorzimmer der Geschäftsführung der Landes-SPD, als Bindeglied zwischen Haupt-, Ehrenamtlichen und Abgeordneten. Als die SPD Stellen abbauen musste, ging sie ans Rathaus Ingolstadt.

Partei: Kaum bei der SPD, wurde sie zur Schriftführerin im SPD-Unterbezirk Kelheim gewählt. Seit Mai ist sie dessen Chefin, sprich: Kreisvorsitzende.