Landratskandidaten im Gespräch: Wo sollen die Menschen im Kreis Kelheim künftig arbeiten?

Von Beate Weigert · 13. Februar 2026 um 19:00

Sechs der sieben Kelheimer Landratskandidaten und die Kandidatin nehmen im Wahl-Talk mit MZ und TVA zum Fibres-Aus Stellung und sagen, wo sie die Zukunft der Wirtschaft in der Region sehen und welche Weichen sie stellen würden.

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Das Drama von Kelheim Fibres (KF) lässt niemanden im Landkreis kalt. Ende März macht der Industriebetrieb dicht. Knapp 500 Menschen verlieren ihre Jobs. Beim Wahltalk von Mittelbayerischer Zeitung und TVA, der am Sonntag ausgestrahlt wird, fragten die Moderatoren die Landratskandidaten, was die Kreis-Politik hier jetzt noch tun kann und welche Branchen sie künftig besonders unterstützen würden.

Zum Kelheimer Industrieareal hatten zwei Kandidaten ganz konkrete Ideen. Einer befand, dass man die Zukunft der Wirtschaft nicht ohne passende Infrastruktur (Ausbau Donautalbahn und B16) denken kann.

Amtsinhaber Martin Neumeyer (CSU) - Foto: Manfred Forster

Ins TV-Studio kamen Amtsinhaber Martin Neumeyer (CSU), Dr. Andreas Fischer (SLU), Beatrix Kappelmeier (SPD), Dr. Heinz Kroiss (FDP), Christian Nerb (FW) und Peter-Michael Schmalz (ÖDP). Krankheitsbedingt entschuldigt war Florian Geisenfelder (Bayernpartei). Der Großteil der Kandidaten bringt viel Erfahrung in Kreistag und Gemeinderäten mit, teils als Bürgermeister. Die einzige Frau machte keinen Hehl daraus, „ganz neu“ zu sein. Vielleicht sei „das aber auch ganz gut“, schlussfolgerte sie.

SLU-Landratskandidat Dr. Andreas Fischer - Foto: Manfred Forster

Ideen der Kandidaten für das Kelheim Fibres-Areal

Amtierender Landrat Neumeyer betonte, wie wichtig auch künftig Industriearbeitsplätze seien. Bezüglich KF führe man mit Staatskanzlei, Wirtschaftsministerium und KF-Verantwortlichen Gespräche, später gegebenenfalls auch mit möglichen Finanziers und Investoren. „Ohne Wirtschaft geht nichts,“ betonte Neumeyer.

Nerb, Schmalz, Kappelmeier und Kroiss machten ihrem Ärger über aktuelle und frühere Bundesregierung(en) Luft. Im Studio waren aber eigene Ideen für Kelheim Fibres und die Region gefragt. Christian Nerb ist seit zwölf Jahren Bürgermeister von Saal, wo eben ein Wärmenetz geplant wird. Er fragte sich, ob man das Industriegelände (Anm.d. Red.: mit eigenem Kraftwerk) künftig nicht zur Stromerzeugung oder Klärschlammverbrennung nutzen könne. Wichtig sei es, ins Gespräch zu kommen, „bevor der Rückbau beginnt“ und solange man noch reagieren könne.

SPD-Landratskandidatin Beatrix Kappelmeier - Foto: Manfred Forster

Peter-Michael Schmalz könnte sich ein Energiezentrum für den Landkreis mit (saisonalen) Langzeitspeichern vorstellen. Dieses würde er mit dem Industrie- und Raffineriestandort Neustadt vernetzen. Überhaupt würde er als Landrat dafür sorgen, dass der Landkreis „energieautark wird“, sagte der Langquaider. Davon könnten auch Landwirte profitieren, die Wertschöpfung bliebe in der Region.

Heinz Kroiss findet, dass Kelheim Fibres wohl „ähnlich wie die Automobilindustrie“ in den vergangenen zehn bis 15 Jahren wichtige (energetische) Weichenstellungen „verschlafen“ habe. Generell sei es „nicht Aufgabe der Lokalpolitik oder des Landkreises, Unternehmensentscheidungen zu korrigieren oder zu treffen“.

FPD-Landratskandidat Dr. Heinz Kroiss - Foto: Manfred Forster

Wenn Industriearbeitsplätze wegfallen, wo liegt dann die Zukunft, fragte Moderator Matthias Feuerer weiter. Im Tourismus vielleicht?

Großes Potenzial, „sensationelles Angebot“ (Neumeyer) und „starkes Kapital“ (Fischer) sehen in diesem Bereich alle Kandidaten. Kappelmeier würde hier aber nicht zu sehr aufs Gas steigen. Denn: Die heimische Bevölkerung solle die schöne Natur auch noch genießen können. Für Nerb wäre es falsch, bei der Unterstützung des Tourismus zu sparen. Die Bad Abbacher Therme dürfe man nicht schließen.

Dass „der Strukturwandel kommt“, steht für den Abensberger Andreas Fischer außer Frage. „Breit aufstellen“ wäre seine Devise. So sahen es auch Kroiss, ebenfalls aus Abensberg, Kappelmeier und Schmalz. Neue Monostruktur mit einem Großprojekt wie Amazon wäre ihnen „zu riskant“.

FW-Landratskandidat Christian Nerb - Foto: Manfred Forster

Christian Nerb sieht die Perspektiven in der Industrie nicht so düster, vor allem auch im Süden des Landkreises. Aber die Rahmenbedingungen müssten stimmen. Er forderte, den zweigleisigen Ausbau der Donautalbahn „endlich anzugehen“, und hielt „in Teilen“ einen weiteren B16-Ausbau für nötig.

„Auch bei Mahle wird um viele Arbeitsplätze gekämpft“

Auch Beatrix Kappelmeier, die aus Aiglsbach im Landkreis-Süden stammt, sieht „viele sehr gute Industriearbeitsplätze“ im Landkreis, die man halten müsse. Die frühere Gewerkschaftsmitarbeiterin forderte: „Wenn es hakt, muss man früh genug an höhere Stellen rangehen“, um Werke und Arbeitsplätze zu stabilisieren und zu erhalten. Sie merkte an, dass bei Mahle in Neustadt aktuell um genauso viele Arbeitsplätze gekämpft werde, wie bei KF verloren gehen.

Martin Neumeyer sieht - neben der Industrie - im Hafen einen wichtigen Wirtschaftsfaktor für den Landkreis. Drei Technologietransferzentren seien an den Start gebracht, eines davon im Kelheimer Hafen mit Schwerpunkt Wasserstoff. Die Wirtschaftsförderung müsse man „stärken“.

Genau da legte Heinz Kroiss den Finger in die Wunde. Es brauche kontinuierlichen Kontakt zu den Betrieben. „Feierlich Bänder durchschneiden“ sei nett, Bürokratieabbau deutlich hilfreicher.

ÖDP-Landratskandidat Peter-Michael Schmalz - Foto: Manfred Forster

Auch Fischer teilte die Einschätzung. Während Kroiss und Kappelmeier künftig unter anderem mehr auf Dienstleistungen im Gesundheitssektor setzen würden, findet Fischer, dass es mehr Digitalisierung und Technisierung braucht, und mehr Einsatz bei der Investorensuche. Einig waren sich Fischer, Kappelmeier, Kroiss und Schmalz, dass sie im Falle ihrer Wahl Handwerk, Landwirtschaft (Schmalz die ökologische), Mittelstand und Handel fördern und hier Bürokratieabbau angehen würden.

Sendetermine und Kandidaten

• Ausstrahlung: Den 60-minütigen Wahl-Talk der Kelheimer Landratskandidaten und der Landratskandidatin können Sie am Sonntag, 15. Februar, 20 Uhr, auf TVA sehen. Ab 21.15 Uhr ist die Sendung mit weiteren wichtigen Themen zum Landkreis – von Kliniken bis „Leben am Land“ und Bürgerbeteiligung auf www.mittelbayerische.de abrufbar.

• Kandidaten: Den Fragen der Journalisten stellten sich Amtsinhaber Martin Neumeyer (CSU), Dr. Andreas Fischer (SLU), Beatrix Kappelmeier (SPD), Dr. Heinz Kroiss (FDP), Christian Nerb (FW) und Peter-Michael Schmalz (ÖDP). Krankheitsbedingt nicht dabei beim Wahl-Talk im TV-Studio war Florian Geisenfelder (Bayernpartei).

• Weiterer Talk: Eine weitere Aufzeichnung mit den Kelheimer Bürgermeisterkandidaten – Christian Schweiger (CSU), Dennis Diermeier (FW), Daniel Elsner (Grüne) und Stephan Schweiger (SPD) – wird am Sonntag, 22. Februar, 20 Uhr, auf TVA ausgestrahlt. Zeitversetzt wird diese ebenfalls ab 21.15 Uhr auf www.mittelbayerische.de zu finden sein.