Allee in Regensburger Wohngebiet muss gefällt werden – ist Bautätigkeit daran schuld?

Von Rainer Wendl · 5. Februar 2026 um 18:00

Schon wieder sorgt eine bevorstehende Baumfällung für Aufregung in Regensburg. Dieses Mal ist es gleich eine ganze Allee, der noch im Februar das Aus droht.

Anwohner sind traurig, ein Stadtrat ist sauer, der für das Areal verantwortliche Stadtbau-Chef findet’s schade: Kalt lässt die Pappelallee, die auf über 200 Metern Länge hinter der Guerickestraße verläuft und die alteingesessene Wohnbebauung vom neuen Quartier Kunstpark abtrennt, keinen. In wenigen Tagen wird sie Geschichte sein, ein rundes Dutzend stadtbildprägender Bäume wird innerhalb der erlaubten Frist bis Ende Februar gefällt werden.

Wir sind ziemlich betrübt darüber, dass es jetzt wirklich so schnell gehen muss.Robert Wolf, Anwohner

Eine bedauerliche, aber alternativlose Maßnahme, wie Stadtbau-Geschäftsführer Götz Keßler erklärt: „Wir müssen es machen, weil die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet ist.“ Ein Baumsachverständiger habe daher den Kahlschlag empfohlen, das Einvernehmen mit der Unteren Naturschutzbehörde, also dem städtischen Umweltamt, sei hergestellt.

„Wir sind ziemlich betrübt darüber, dass es jetzt wirklich so schnell gehen muss“, sagt dazu Robert Wolf. Der Chemie-Professor wohnt im Kunstpark-Quartier, die prächtige Pappel-Reihe war für ihn und seine Familie sogar ein Kriterium, sich hier einzukaufen – denn wo findet man sonst ein innerstädtisches Neubaugebiet mit natürlich gewachsener Einfassung?

Fatale Wurzelschäden wegen Entwässerungsbauwerk?

Als Naturwissenschaftler weiß Wolf freilich, dass die Lebenszeit von Bäumen endlich ist. Doch diesen scheinbar prächtig dastehenden Pappeln hätte er noch einige Jahre zugetraut.

Keßler kann das verstehen. „Von außen schauen die super aus. Aber bei bereits älteren Exemplaren wie diesen wird innen der Stamm hohl – und dann fallen sie irgendwann um“, gibt er die Information des Sachverständigen wieder. Quasi zum Beweis ist im Herbst eine der Pappeln umgeknickt. Für die Stadtbau war dies ein deutliches Signal, im Sinne der Verkehrssicherungspflicht tätig zu werden.

All das leuchtet im Prinzip auch Jakob Friedl ein. Doch nach Meinung des Ribisl-Stadtrats ist der Prozess des natürlichen Verfalls ohne jede Not beschleunigt worden. Schon seit 2020 ist ihm bewusst, dass die Allee unter Stress steht. „Damals wollte ich in dem Bereich der Allee Johannisbeeren anpflanzen. Das wurde seitens der Stadtbau abgelehnt mit der Begründung, dass die Bäume eh schon so gelitten hätten“, erzählt er.

Seither war er in Sorge um die Pappeln und glaubt nach jahrelangen Beobachtungen und Nachforschungen zu wissen, was ihnen letztlich früher als nötig den Rest gegeben hat: die Errichtung eines Entwässerungsbauwerks für das neue Wohnviertel.

In der Sitzung des Umweltausschusses am kommenden Dienstag fordert er nun Aufklärung. „Wie kann so etwas genehmigungsfähig sein?“, fragt er in seinem Berichtsantrag, und will die Bauhistorie noch einmal ganz genau aufgedröselt bekommen.

Mein Eindruck ist, dass das Umweltamt in diesem Fall massiv versagt hat. Da wurde offenbar weggeschaut.“Jakob Friedl, Stadtrat

Dass die Kontrollmechanismen der Unteren Naturschutzbehörde und der ökologischen Baubegleitung nicht gegriffen haben und somit die fatalen Wurzelschäden erst möglich geworden sind, steht für den Stadtrat aber bereits vorab fest: „Mein Eindruck ist, dass das Umweltamt in diesem Fall massiv versagt hat. Da wurde offenbar weggeschaut.“ Stellung zu diesen Vorwürfen nimmt die Stadt im Vorfeld der Ausschusssitzung nicht. Bestätigt wird hingegen, dass es aufgrund der beeinträchtigten Verkehrssicherheit Fällgenehmigungen gibt.

Das sind Flachwurzler, die Nachverdichtung hat ihnen vielleicht nicht wahnsinnig gut getan.Götz Keßler, Stadtbau-Geschäftsführer

Mit den Worten „Das sind Flachwurzler, die Nachverdichtung hat ihnen vielleicht nicht wahnsinnig gut getan“ schließt auch Keßler einen negativen Einfluss der Nachbarbebauung nicht grundsätzlich aus. Doch eine „forensische Untersuchung“ der Ursache hält er für ebenso unnötig wie konkrete Schuldzuweisungen. „Das Kind ist in den Brunnen gefallen“, meint er lapidar und richtet den Blick bereits nach vorn, sprich auf die anstehende Ersatzpflanzung.

„Ob ich noch erlebe, dass neue Bäume so groß werden wie die jetzigen?“, fragt sich der Endvierziger Wolf und hofft zusammen mit seinen Nachbarn: „Wenn sich die Pappeln schon nicht erhalten lassen, soll wenigstens die Ersatzpflanzung anspruchsvoll sein und Aufenthaltsqualität haben.“

Forderung: Nachbarn bei Ersatzpflanzung einbinden

Bei allem Ärger sieht Friedl darin auch eine Chance: „Da könnte man einen schönen kleinen Park entwickeln, ökologisch wertvoll und mit entsprechendem Artenreichtum.“

Der Ribisl-Stadtrat pocht deshalb darauf, dass die Kompensation zu 100 Prozent auf dem gleichen Areal und nicht irgendwo anders im Stadtgebiet erfolgt. Außerdem plädiert er dafür, dabei die Nachbarschaft einzubinden und offen für deren Ideen zu sein. „Die Sorge um die Bäume zeigt doch, dass sich die Bewohner der alten wie der neuen Bebauung Gedanken um ihr Lebensumfeld machen.“ So traut er den bald fallenden Pappeln eine letzte integrierende Funktion zu.