Großes Regensburger Wohnquartier füllt sich mit den letzten Häusern

Von Marion Koller · 24. September 2025 um 09:00

Im Kunstpark im Stadtosten haben 800 Regensburger ein Zuhause gefunden, darunter viele Familien – Die Immobilienzentrum Gruppe baut in dem Viertel ihre neue, energieeffiziente Zentrale

Mareike Becker kickt mit drei Kindern einen Ball hin und her. Die 40-Jährige nimmt sich kurz Zeit für ein Gespräch. An ihrem Wohnquartier Kunstpark Ost schätzt sie die Innenstadtnähe. „Wir können viel mit dem Rad machen.“ Über die Eröffnung des neuen Hallenbads, das nur einen Kilometer entfernt liegt, freut sich die Anwohnerin. Becker deutet auf die Baustelle mitten im Wohngebiet. „Wenn noch mehr Kinder kommen, könnte es mit den Spielflächen eng werden.“ Doch es ist noch mehr Grün geplant.

Fast 100 Jahre lang hat im Stadtosten das Betonwerk Lerag Josef Oppacher produziert, bis sich 2009 die Eigentümer entschlossen, die 25 000 Quadratmeter an die Immobilienzentrum Gruppe (IZ) zu verkaufen. Nun steht das Quartier vor dem Abschluss. Die letzten 15 Stadthäuser werden hochgezogen. Alle sind verkauft. Damit hat das IZ in den letzten Jahren über 400 Wohneinheiten für mehr als 800 Menschen geschaffen.

Vor allem recycelte Baustoffe werden verwendet

Das Immobilienzentrum errichtet in dem Wohnviertel auch seine neue Firmenzentrale. „Wir zeigen, was wir können und wie moderner Gewerbebau aussieht“, sagt Raphael Krevet, zuständig für die strategische Unternehmensentwicklung. Der Rohbau mit den Arkadenbögen aus Recyclingbeton, die für Schatten sorgen werden, steht fast. Hinter den Bögen liegen der Arkadengang und künftig die Eichenfenster. „Der energetische und nachhaltige Aspekt ist uns wichtig“, betont Krevet. Fernwärmeanschluss, Luft-Wasser-Wärmepumpe und Photovoltaikanlage sorgen für Energie. Für den Innenausbau werden hauptsächlich recycelte Baustoffe verwendet. Die Raumhöhen und -zuschnitte helfen, den Energieverbrauch vor allem für die Kühlung zu minimieren. Wegen der Arkaden wie in Bozen oder Meran heißt das Gebäude Arcus, lateinisch für Bogen. Ein junges Planungsteam aus Deutschland und der Schweiz hat die Aufgabenstellung für das Bürogebäude innovativ interpretiert.

Arkaden wie in Bozen: Die Immobilienzentrum Gruppe setzt bei ihrem neuen Unternehmenssitz auf extravagenten Sonnenschutz. - Foto: altrofoto.de

„Die Entwicklung von Büro- und Dienstleistungsflächen wird in den nächsten Jahren eine große Herausforderung darstellen, dies gilt vor allem für das Thema sommerlicher Wärmeschutz“, ist Raphael Krevet überzeugt. Der Wärmeschutz müsse konzeptionell gelöst werden. „Einfach eine Klimaanlage einzubauen, ist weder nachhaltig noch sinnvoll.“ Voraussichtlich Ende 2026 zieht das Unternehmen mit den rund 40 Beschäftigten um. Das bisherige Gebäude in der Thurmayerstraße im Westen wird saniert.

Anne Pfeifer aus München hat eine Klangbank mit drei gebogenen Sitzreihen entwickelt. Die Sitzfläche kann als Percussion-Instrument zum Klingen gebracht werden. Zwei weitere Kunstwerke im Wohngebiet folgen noch. Den Unternehmenssitz wird ebenfalls ein Objekt schmücken: eine sogenannte Möbiusschleife.

Sitzmöbel und Percussion-Instrument: die Klangbank - Foto: altrofoto.de

Namengebend für das Quartier sind die öffentlichen Grünanlagen mit Objekten bekannter, internationaler Kunstschaffender. Zu sehen ist bisher die Map of Korea der aus Seoul stammenden Minyoung Paik: eine Tischtennisplatte mit dem Umriss von Nord- und Südkorea. Das Netz markiert die Grenze zwischen den Ländern, das Pingpong der Spieler spiegelt den politischen Schlagabtausch.

Städtebaulich gelungen

Mit einer Investitionssumme für den Kunstpark von rund 215 Millionen Euro wurden Wohnungen, Häuser sowie eine Kita mit 24 Krippen- und 50 Kindergartenplätzen gebaut. Laut IZ werden nach der Baufertigstellung die öffentlichen Grünanlagen auf 8000 Quadratmetern gestaltet, 5000 davon im Wohngebiet.

Tischtennisplatte und Politik-Kommentar: die Map of Korea - Foto: altrofoto.de

Das Viertel mit seiner Häuservielfalt ist städtebaulich gelungen. Darüber waren sich zumindest Burkard Wiesmann und Johann Brandl vom Bürgerverein Süd-Ost bei einem Ortstermin bereits im Januar einig.

Riesige Tasse und ungewöhnlicher Meteorit

Geplante Kunstwerke: Zwei der namengebenden Skulpturen werden noch aufgestellt im Kunstpark Ost.

Überdimensionale Tasse: Eine riesige Tasse mit Sitzbank, in die man hineinklettern kann, schafft die Französin Laure Prouvost. Die schwarze Skulptur „Tea Swallowing You Cup“ bietet einen Rückzugsort mit einer anderen Realität, in die die Passanten hineingezogen werden. Prouvost hat den Turner-Preis erhalten.

„Einfach eine Klimaanlage einzubauen, ist weder nachhaltig noch sinnvoll“, sagt Raphael Krevet vom Immibilienzentrum. - Foto: Immobilienzentrum Gruppe

Meteoriteneinschlag: Der Berliner Bildhauer Felix Kiessling greift mit seinem Werk „Impakt“ die Geschichte des Lerag-Areals mit dem Betonteilwerk auf. Er mischt Stein- und Betonbrocken in seinen eigenen Werkstoff ein und fertig daraus seine Meteoriten, die aus einer beträchtlichen Höhe auf Aluminiumteile einschlagen und somit den Impakt, die Einschlagskraft, visualisieren.