Kupferbande-Fälle erneut vor Gericht – Prozess in Regensburg startet holprig

Eine Gruppe Männer stiehlt tonnenweise Kabel von Baustellen in und um Regensburg. Am Montag hat Prozess Nummer zwei begonnen und war nach wenigen Minuten schon wieder zu Ende. In Haft ist keiner der neuen Angeklagten.
Innerhalb einer Woche suchen sie viermal ein und dieselbe Baustelle im Kasernenviertel heim. Sie holen sich sieben Kilometer Kupferkabel, isolieren ihre Beute mit Profi-Equipment ab und machen das Edelmetall zu Geld. So steht es in der Anklage. Nach dem Urteil gegen die Kupferbande stehen nun wohl vier Helfer vor Gericht. Der erste Prozesstag gegen die Männer war jedoch gleich wieder vorbei.
Vor der zehnten Strafkammer des Landgerichts soll den Angeklagten der Prozess gemacht werden. Doch nur drei von ihnen waren gestern erschienen. Einer ließ sich durch den Anwalt entschuldigen, weil er beim Arzt sei. Ohne ihn aber konnte das Verfahren nicht starten. Nicht einmal die Anklage wurde verlesen – Vorsitzender Richter Gaßmann vertagte auf Donnerstag. Nicht das erste Problem: Das Verfahren gegen einen fünften Angeklagten wurde kurz vor dem Termin schon abgetrennt. Gegen ihn muss später wohl gesondert verhandelt werden.
Nach erster Razzia einfach weitergemacht?
Die Männer, allesamt Deutsche mit Wurzeln in Kasachstan, Sibirien und der Ukraine, sollen ein weiterer Teil der sogenannten Kupferbande gewesen sein. Von Februar bis Mai 2022 hatten ihre bereits verurteilten Komplizen auf Baustellen in und um Regensburg tonnenweise Kupfer und Werkzeuge gestohlen. Was Bauarbeiter tagsüber verbauten, wurde nachts mit teils brachialer Gewalt herausgerissen. Die Männer, die nun vor Gericht stehen, machten nach der ersten Razzia offenbar völlig unbeeindruckt weiter. Sie wurden von Ermittlern nur Monate später ebenfalls geschnappt.
Der Chef hinter dem groß angelegten Edelmetall-Klau blieb nach dem ersten Prozess als einziger hinter Gittern. Er und seine Mitangeklagten hatten Deals gemacht und gestanden. Die Kennzeichen der genutzten Mietwägen führten die Kripo einst auf ihre Spur. So fanden die Ermittler auch die Plätze, an denen die heiße Beute verarbeitet wurde: eine Halle in Obertraubling, ein leerer Supermarkt in Regenstauf, ein Container in Wenzenbach und eine Garage in Regensburg. Hier standen Abisoliermaschinen sowie eine Schneidemaschine. Außerdem konnte eine Vielzahl von Wiegebelegen sichergestellt werden.
Täter machten Beute bei Recyclingbetrieb zu Geld
Das wahre Ausmaß ließ sich so leicht rekonstruieren. Drei Tatkomplexe liegen den Angeklagten im zweiten Prozess zur Last; zudem Verkäufe des Kupfers an einen Recyclingbetrieb in Regensburg. Wie im ersten Verfahren zeichnet sich aber eine mögliche Einigung ab. Tag eins nutzen die Juristen nach dem frühen Ende nämlich für ein längeres Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen.
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In Untersuchungshaft sitzt keiner der vier Angeklagten aktuell. Sollte es gut für sie laufen, könnten auch womöglich sie am Ende mit Bewährungsstrafen davonkommen. Ein Urteil soll es erst Anfang März geben.