Mehr als 310.000 Euro Beute – „Kupfer-Bande“ soll in Regensburg vor Gericht

Von André Baumgarten · 24. Februar 2023 um 05:00

Professionell organisiert hat eine Bande Kupferdiebe im vergangenen Jahr einige Großbaustellen in und um Regensburg heimgesucht. Abgesehen hatten sie es dabei auf Werkzeuge und vor allem wertvolle Kupferkabel. Nun sollen die mutmaßlichen Täter vor Gericht.

Was fleißige Arbeiter tagsüber verbaut hatten, rissen die Täter mit roher Gewalt nachts aus den Wänden. Zwölf Verdächtige konnte die Kripo ermitteln – gegen die Hälfte hat die Staatsanwaltschaft nun Anklage erhoben: Die Männer im Alter von 29 bis 39 Jahren sollen wegen schweren Bandendiebstahls vor Gericht. Darunter sind die mutmaßlichen Planer der Coups.

Exakt 22 Fälle im Zeitraum vom 4. Februar bis 26. August vergangenen Jahres haben Ermittler für die erste Anklage zusammengetragen. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher. Die Verfahren gegen sechs weitere Beschuldigte, die nicht in U-Haft sind, seien abgetrennt worden. Zur Abarbeitung größerer Verfahren wie diesem wurden vor gut einem Jahr zwei Gruppenleiter-Referate geschaffen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. „Das ist der erste größere Erfolg dieser Konzentration auf Bandenkriminalität.“ Weniger als fünf Monate nach den letzten Festnahmen im August habe man nun Anklage erhoben.

Monatelang soll die Bande auf Baustellen in der Region ihr Unwesen getrieben und dabei tonnenweise Kupfer gestohlen haben. Bei ihren nächtlichen Raubzügen gingen die Männer offenbar organisiert vor. Bosse der Kupfer-Bande sollen zwei 29 und 35 Jahr alte Männer gewesen sein. Sie hatten die Zielobjekte wohl im Vorfeld auch ausgespäht.

Isolierung teils am Tatort entfernt

In Obertraubling und Regenstauf wurde die Beute außerdem weiterverarbeitet, hieß es aus Ermittlerkreisen. Dafür sollen eine Halle und ein früherer Supermarkt angemietet worden sein. Und dort kam offenbar ganz spezielles Werkzeug zum Einsatz – die Isolierung der Kabel wurde aber teils auch schon am Tatort entfernt, hieß es. Das nötige Equipment dafür sei bei bei einer ersten Durchsuchungsaktion im Juli 2022 beschlagnahmt worden. Für die Diebestouren sollen die beiden mutmaßlichen Bandenbosse gezielt Fahrzeuge und Transporter angemietet haben.

Womöglich waren sie sich ihrer Sache aber doch zu sicher: Man kam ihnen offenbar durch die Kennzeichen an diesen Mietfahrzeugen auf die Schliche. Bestätigen wollten die Behörden das aber nicht. Fest steht jedoch: Die Ermittler überwachten viele Telefone und observierten die mutmaßliche Bande längere Zeit. So wurde wohl früh bekannt, dass die Kabel in den Lagern nicht selten in aller Ruhe abisoliert wurden. Zudem sei die Beute in etwa einen Meter lange Stücke zerteilt worden. Erst danach habe man das Kupfer bei mehreren Verwertern in der Region schließlich zu Geld gemacht.

Geschätzter Wert der Beute: 310.000 Euro

Den Gesamtwert der Beute schätzen Ermittler auf mehr als 313 000 Euro – verkauft wurde das Diebesgut aber nur für etwa ein Drittel dessen. Laut Anklage lassen sich die Erlöse auf rund 130 000 Euro beziffern. Bei aller Professionalität sollen die Angeklagten aber am Ende auch nicht so klug agiert haben. Bei den Durchsuchungen soll nämlich eine Vielzahl von Wiegebelegen beschlagnahmt worden sein. Heißt: Zum Verkauf des Kupfers scheint es eine gute Dokumentation zu geben. Damit dürften sie es den Ermittlern bei deren Arbeit sehr leicht gemacht haben. Neben ihrer Beute richteten die Diebe ganz immense Schäden an – von fast 50 000 Euro ist laut Anklage die Rede. Zimperlich gingen sie bei ihren Raubzügen wohl nicht vor. Allein bei einer angeklagten Tat vom 12. Mai in der Zeißstraße in Regensburg wurden fast sieben Kilometer Kupferkabel entwendet. Diese schnitten die Täter einst sogar aus den neu verbauten Verteilerkästen, aus Deckenschienen sowie hinter den Verkleidungen heraus. Für Polizei und Staatsanwaltschaft soll keiner der sechs Angeklagten ein Unbekannter gewesen sein. Ausnahmslos alle sollen vorbestraft sein, war aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren.

Empfindliche Strafendrohen

Für schweren Bandendiebstahl drohen den Angeklagten bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Gefängnis. Vor allem die mutmaßlichen Bosse der Kupfer-Bande erwarten womöglich ganz empfindliche Haftstrafen.

Über eine Zulassung der Anklage hat die zuständige Strafkammer aber noch nicht entschieden, erklärte Landgerichtssprecher Thomas Polnik. Prozesstermine gebe es daher bisher auch noch keine.