Millionen-Schaden für Anleger: Regensburger Ermittler verfolgen Mega-Betrug

Von André Baumgarten · 26. Januar 2026 um 18:00

Neuer Erfolg gegen dreiste Online-Betrüger gelungen. Im internationalen Cybertraiding-Verfahren der Kriminalpolizei für Zentralaufgaben (KPI-Z) in Regensburg ist nach mehr als drei Jahren die Auslieferung von zwei Israelis geglückt. Die Männer (41 und 51) waren weitere Köpfe der Bande. Auch ihnen soll nun der Prozess gemacht werden.

Video ansehen

Mit täuschend echt wirkenden Portalen, die „Kunden“ das Plus ihrer Investments aber nur vorgaukeln, zocken Online-Betrüger zig Millionen ab. Die Opfer verlieren am Ende alles – wie in den Fällen, die Spezialermittler der KPI-Z in Regensburg aufklärten. Im Mega-Betrug um rund 77 Millionen Euro wurden nun zwei weitere Bandenmitglieder gefasst. Ihnen soll in Kürze der Prozess gemacht werden.

Lesen Sie dazu auch: Cybertrading: Mega-Betrug schnell abgeurteilt – doch wo ist ein Teil der Millionenbeute?

Seit 2018 ermittelt die Kriminalpolizeiinspektion mit Zentralaufgaben (KPI-Z) in der Domstadt zusammen mit der Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) mit Sitz in Bamberg gegen die Gruppierung. Die internationale Bande soll Tausende Anleger betrogen haben, darunter Opfer in Ostbayern. Im Frühjahr 2023 standen in Regensburg bereits die Bosse des weltweiten Betrugssystems vor Gericht.

Die Angeklagten legten allesamt Geständnisse ab und zahlten fast fünf Millionen Euro zurück. Das Landgericht verurteilte die Drahtzieher sowie weitere Mitglieder (vier Männer und eine Frau) in bislang drei Prozessen zu Haftstrafen zwischen zweieinhalb Jahren und fünf Jahren und neun Monaten Gefängnis.

Spuren führen Regensburger Ermittler in die Karibik

Wie die Bamberger Generalstaatsanwaltschaft, wo die ZCB angegliedert ist, die die Ermittlungen gegen Portale wie GetFinancial, ProCapitalMarkets, MyCoinBanking oder ProfitTrade leitete, gestern mitteilte, sollen zwei weitere Israelis vor Gericht: Ein 41-Jähriger und ein 51-Jähriger sollen ebenfalls der Führungsriege angehört haben. Der Jüngere der beiden ist Anwalt und soll als Chef der „Rechtsabteilung“ der Bande das kaum zu durchschauende Konstrukt von Firmen weltweit aufgebaut haben.

Die Ermittler hatten einst Spuren in Steueroasen gefunden. Um Geldflüsse und Identitäten zu verschleiern, gab es zig Unternehmen in der Karibik – von St. Vincent and the Grenadines, den Marshall-Inseln bis zu Vanuatu. Sogar Parallelen zu den „Panama Papers“ tauchten dabei auf. Der 41-Jährige soll bis zum Miteigentümer aufgestiegen sein und so mehr als drei Millionen Euro Gewinn gemacht haben.

Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Anklage gegen Ex-Vorsitzende in Regensburg: Auch Gelder von Tafel-Kunden fehlen

Der zehn Jahre ältere Beschuldigte, der von 2017 bis zur Razzia im Okotber 2021 als Geschäftsführer aktiv gewesen sein soll, hatte laut der Generalstaatsanwaltschaft rund 1,7 Millionen Euro damit gemacht. Der 51-Jährige soll die Leiter von Callcentern in Israel, Georgien, der Republik Moldau und Armenien ausgesucht und das Betrugsnetzwerk immer profitabler gemacht haben. Ihm allein werden weltweit mehr als 30 Millionen Euro vom Gesamtschaden zugeschrieben.

Neue Prozesse vor spezialisiertem Gericht in Bamberg

„Es handelt sich bereits um die achte bzw. neunte Anklage der Zentralstelle Cybercrime Bayern in diesem Verfahrenskomplex“, teilte Oberstaatsanwalt Dr. Nino Goldbeck mit. Anfang Februar startet der Prozess gegen den Älteren. Verhandelt werde nicht in Regensburg, sondern vor der Cyber-Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts in Bamberg. Die Auslieferungsverfahren gegen beide Männer dauerten mehr als drei Jahre. Sie wurden erst im April 2025 von Israel nach Deutschland ausgeliefert.

In dem Komplex standen zuletzt die IT-Chefin und der Marketing-Boss in Regensburg vor Gericht. Sie wurde zu drei Jahren und acht Monaten Haft und er zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Auch die beiden hatten gestanden, Teil des weltweiten Betrugsnetzwerks gewesen zu sein, das Tausende Anleger um ihr Geld brachte – auch in Regensburg.

Die ehemalige IT-Chefin (Im Bild mit Strafverteidiger Jörg Meyer, 2. v. re.) der Gruppierung hat Deutschland mittlerweile verlassen. Sie wurde in ihre Heimat Russland abgeschoben. - Foto: Baumgarten/Archiv

Bis heute wird in Regensburg noch gegen weitere Mitglieder der Gruppierung ermittelt, heißt es in der Pressemitteilung der Generalstaatsanwaltschaft in Bamberg weiter. Ebenfalls unter Federführung der Zentralstelle Cybercrime Bayern und der Kriminalpolizeiinspektion mit Zentralaufgaben Oberpfalz.