Mega-Betrug um 77 Millionen: Zwei weitere Mitglieder der Bande verurteilt

Von André Baumgarten · 14. Mai 2023 um 17:00

Eine Bande von Cyber-Betrügern zockte weltweit Anleger um fast 77 Millionen Euro ab. Das Landgericht in Regensburg spricht jetzt auch zwei Komplizen der Drahtzieher schuldig.

Nach demBlitz-Urteil um einen Mega-Betrug mit nahezu 77 Millionen Euro Schadensind nun zwei führende Helfer einer internationalen Bande zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. Die große Wirtschaftskammer des Landgerichts verhängte gegen die IT-Chefin drei Jahre und acht Monate Haft und den Marketing-Boss zu zweieinhalb Jahren. Sie gestanden, Teil eines Betrugsnetzwerks gewesen zu sein, das Tausende Anleger um ihr Geld brachte – auch in Regensburg.

Jahrelang waren Regensburger Ermittler und die Generalstaatsanwaltschaft in Bamberg den Drahtziehern des weltweiten Anlagebetrugs im Internet auf der Spur. Im Sommer 2021 schlugen sie zu – doch da hatte die Bande von Cyber-Kriminellen schon rund 77 Millionen Euro erbeutete. Sie lockten Anleger auf eigens dafür programmiertePlattformen wie „GetFinancial“, „ProCapitalMarkets“, „MyCoinBanking“ oder „ProfitTrade“. Doch alles, was die Kunden dort sahen, war Täuschung. Vom Geld der Anleger wurde nie auch nur ein Cent investiert. Das gestanden die Köpfe der Bande im Prozess.

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Bereits Anfang April standen der 35-jährige Hauptangeklagte, dessen Vater (62) und der auch 35 Jahre alte Vertriebschef vor Gericht. Alle drei kooperierten von Anfang an – sie taten das schon nach der Groß-Razzia. Regensburger Ermittlern war es zuvor gelungen, das komplizierte Firmengeflecht zu entwirren.Sie fanden Spuren in Steueroasen in der Karibik. Um das Geld verschwinden zu lassen, gründeten Strohleute aus Osteuropa sogar eigene Firmen. Und: Es fanden sich sogar Parallelen zu den Panama Papers, wie der Sachbearbeiter der Kriminalpolizeiinspektion mit Zentralaufgaben (KPI-Z) Oberpfalz in Regensburg vor Gericht sagte.

Doch selbst in diesen Enthüllungen über Offshore-Konten, Steuervermeidung und Geldwäsche fanden sich keine Hinweise, wohin ein Teil der Millionenbeute der Anlagebetrüger verschwand. Den Kopf des Mega-Betrugs mit mafiösen Strukturen verurteilte Vorsitzender Richter Marcus Lang zu fünf Jahren und neun Monate Haft, seinen Vater zu vier Jahren, zwei Monaten. Der mitangeklagte Vertriebschef bekam vier Jahre und neun Monate. Auch eine Anlegerin aus Regensburg prellten die Männer um fast 275000 Euro. Ein Opfer aus dem Landkreis Regen verlor knapp 183 000 Euro.

Daran hatten auch die jetzt verurteilten Komplizen ihren Anteil. Auch die IT-Chefin und der 44-jährige Marketing-Boss gestanden vorm Regensburger Landgericht. Vertreten wurden sie in den Prozessen von den Strafverteidigern Jörg Meyer sowie Malte Magold und Hagen Richter. Der Schuldspruch gegen die junge Frau, die in Georgien lebt, wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig.

Auch der Marketing-Boss (2.v.l.) gestand die Taten vor Gericht. Seine Anwälte machten einen Deal für ihn. -Foto: Baaumgarten