Zehn Kilo sichergestellt: Cannabis-Senioren aus Regensburg beweisen „grünen Daumen“

Ein Regensburger Ehepaar (62 und 65 Jahre) steht wegen Drogenhandels vor Gericht. Lief ihr illegales Geschäft seit über zehn Jahren, ohne das jemand etwas bemerkte? Im Garten des Paars standen mannshohe Pflanzen aus eigener Anzucht – im Keller ihres Hauses mitten in einem Wohngebiet. Jetzt drohen Haftstrafen.
Als die Kripo bei Hans und Edeltraud (Namen geändert) vorfährt, ist das Ehepaar gerade dabei, die Ware zu verschneiden. Im gemieteten Bauernhof im Bayerwald und in ihrem Wohnhaus mitten in einer Regensburger Siedlung stellen die Ermittler Ende 2023 fast zehn Kilo Cannabis sicher. Der 62-Jährigen und ihrem drei Jahre älteren Mann gelang sogar die Zucht unter freiem Himmel. Nun stehen die Cannabis-Senioren mit dem grünen Daumen vor Gericht. Ihnen droht eine saftige Strafe.
Seit April 2024 ist der Besitz von Cannabis in ganz bestimmten Mengen legal – was die Kripo knapp ein halbes Jahr vor dieser Legalisierung bei dem Ehepaar fand, lag weit darüber. Gut das 200-fache des heute Erlaubten karrte die Kripo damals weg. Es mussten Unterstützungskräfte angefordert werden, um das alles zu katalogisieren. „In jeder Ritze, fast in jedem Raum war das gelagert“, erinnert sich einer der Ermittler. „Überall am und im Haus und im Garten standen die mannshohen Pflanzen.“
Als die Kripo anrückt, sind sie „aus allen Wolken gefallen“
Hans und Edeltraud hätten auf ihn überrascht und perplex gewirkt, als die Kripo Mitte November 2023 im Landkreis Straubing-Bogen anrückte. „Sie sind beide aus allen Wolken gefallen“, hätten sich aber auch bald wieder gefangen. Zwei über 60-jährige Verdächtige vor sich zu haben, sei ungewöhnlich gewesen. „Normal haben wir es mit Tätern zu tun, die maximal halb so alt sind“, erklärt der erfahrene Drogenfahnder vor Gericht.
Den Hinweis gab eine Nachbarin im Bayerwald,wo die beiden Regensburger einen liebevoll her- und eingerichteten Freizeitwohnsitz hatten. Überall antike Möbel, erinnert sich der Ermittler voller Lob, „sehr geschmackvoll“. Offenbar nicht die einzige Leidenschaft des Pärchens: Die teils über 180 Zentimeter hohen Pflanzen gediehen gar unter freiem Himmel. Eine Kunst, die nicht viele beherrschen. Einen Wirkstoffgehalt von bis zu 18 Prozent THC wies ein Labor nach.

Die Grundlage, zarte Cannabispflänzchen mit den charakteristisch-gezackten Blättern, zogen die Senioren in der Aufzuchtanlage im Keller ihres Wohnhauses mitten in Regensburg heran. Die sei „ganz einfach, aber wohl effektiv“ gewesen. Glaubt man der Anklage der Staatsanwaltschaft, lief das Geschäft von Hans und Edeltraud schon weit vor 2016 an. Seither könnten sie so über 300 000 Euro an Einnahmen erzielt haben, wird geschätzt. Genau dieser Betrag soll von Amts wegen eingezogen werden.
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Das ist beileibe nicht der einzige Aspekt des Falles, mit dem sich die siebte Strafkammer am Regensburger Landgericht auseinandersetzen muss, den die Anwälte der Senioren kritisch sehen. Denn in einem Sekretär des 65-Jährigen fanden die Ermittler eine Pistole samt Patronen, einen Schlagring und eine Schreckschusswaffe. Deshalb wird Hans bewaffnetes Handeltreiben mit Cannabis, Besitz einer halbautomatischen Kurzwaffe und eines verbotenen Gegenstand vorgeworfen. Drei Jahre Mindeststrafe stehen darauf. Für Bewährung (maximal bis zwei Jahre möglich) sieht die Anklage keine Chance.
Das war vorläufig das Ergebnis eines gut eineinhalbstündigen Rechtsgesprächs zu Prozessbeginn. Doch verkauft habe ihr Mandant in dem Zimmer im Obergeschoss, wo die Waffen lagen, nie, argumentierten die Strafverteidiger Marius Hoser und Jörg Meyer. Da sei nur etwas zum Trocknen gelegen. Und: Das Geld auf einem Depot, das die Anklage dem Drogenhandel zuschreibt, stamme aus legalen Immobilienverkäufen. Die Angeklagten räumten ein, Cannabis angebaut und es auch verkauft zu haben. Mehr als 60 000 Euro hätten sie damit aber nicht gemacht. Einer Einziehung von 100 000 Euro stimmten die Senioren zu.
An Freunde, Bekannte und Kollegen wurde verkauft
Strafverteidiger Johannes Büttner, der die 62-Jährige vertritt, verwies auf den „sehr grünen Daumen“ seiner Mandantin, „weshalb das immer mehr“ geworden sei. Daher hätten sie an Freunde, Bekannte und Kollegen verkauft. Auch, weil man geglaubt habe, es später legal zu Geld machen zu können. Ein Trugschluss der Cannabis-Senioren: Besitz mag nun erlaubt sein, der Verkauf ist auch nach der Legalisierung strafbar. Fragen wollten beide Angeklagten nach ihren Geständnissen nicht beantworten.
Einer Strafe auf Bewährung für die Ehefrau stellte sich der Staatsanwalt im Rechtsgespräch nicht entgegen. Wie das Landgericht entscheidet, wird sich aber erst Anfang Februar zeigen. Dann soll das Urteil in diesem alles andere als alltäglichen Fall gesprochen werden.