Mega-Betrug schnell abgeurteilt – doch wo ist ein Teil der Millionenbeute?

Cyberbetrüger prellen Anleger weltweit um fast 77 Millionen Euro – in Regensburg gab es dafür nun die Quittung. Das Landgericht verurteilte die drei Angeklagten zu Gefängnisstrafen. Schon am zweiten Prozesstag gab es einen Schuldspruch.
Blitz-Urteil im Prozess um einen Mega-Betrug und nahezu 77 Millionen Euro Schaden: Das Landgericht Regensburg hat drei Männer wegen gewerbs- und bandenmäßige Betrugs schuldig gesprochen. Mit immer neuen Fake-Plattformen im Internet sowie professionellen Callcentern in Israel und Georgien hatten sie Kunden in aller Welt regelrecht ausgequetscht – viele „in den Ruin getrieben“, betonte Marian Rübsamen von der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg.
Nach umfassenden Geständnissen reichten der sechsten Strafkammer ein einziger Zeuge, gut drei Stunden Beweisaufnahme und zwei Stunden Beratung für ihr Urteil: Ein 35-Jähriger war der Kopf des hochprofessionellen Systems. Er muss fünf Jahre und neun Monate ins Gefängnis, sein Vater für vier Jahre und zwei Monate. Der 62-Jährige hatte als „Technischer Direktor“ die Fäden in der Hand. Den „Vertriebschef“ verurteilte der Vorsitzende Richter Marcus Lang zu vier Jahren und neun Monaten.
Strukturen wie bei der Mafia – Strohfirmen und Steueroasen
Die Vorwürfe gegen die drei Angeklagten erinnern an mafiös organisierte Strukturen: Seit 2015 wurden Tausende Anleger ganz systematisch abgezockt – und um rund 77 Millionen Euro betrogen. Immer neue Web-Plattformen unter wohlklingenden Namen wie „GetFinancial“, „MyCoinBanking“ oder „ProCapitalMarkets“ und „ProfitTrade“ wurden eigens programmiert.
Doch das, was die Tausenden Anleger in aller Welt dort sahen, war nichts als eine Fälschung. Kein Cent wurde jemals investiert. Alles in dem System war „allein darauf angelegt, sich möglichst das gesamte Vermögen der Opfer einzuverleiben“, wie der Staatsanwalt im Plädoyer hervorhob.
Dafür schuf der Hauptangeklagte ein fast undurchschaubares Konstrukt mit Strohfirmen in Steueroasen in der Karibik. Die konnten jedoch auf den 35-Jährigen zurückverfolgt werden. Die internationale Betrüger-Bande flog dank akribischer Ermittlungen der Kriminalpolizeiinspektion mit Zentralaufgaben (KPI-Z) Oberpfalz in Regensburg auf.
Ursprung der Ermittlungen waren Fälle in der Oberpfalz
Seinen Ursprung hatte das Verfahren und die drei Jahre langen Ermittlungen in Anzeigen von Fällen aus Weiden und Eschlkam im Landkreis Cham. Quer durch Bayern und Deutschland fielen reihenweise Anleger auf die Cyberkriminellen herein. Auch in Regensburg verlor eine Frau fast 275000 Euro. Ein anderer Geschädigter aus dem Landkreis Regen investierte 2019 knapp 183000 Euro. Beide verloren alles.
Federführend war die Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) bei der Generalstaatsanwaltschaft in Bamberg. Spezialermittler fanden eine Vielzahl von Chats, die tief blicken ließen: Die „Financial Gangstars“, wie sich einige selbst nannten, tauschten sich über ihre Kunden eng aus – und rühmten sich unverblümt, wenn man ihnen „alles genommen hatte, was sie hatten“ und nichts mehr zu holen wäre, weil die „jetzt völlig blank“ seien.
Vor Gericht gaben sich die drei Männer reuig, hatten aber schon bei den Ermittlern umfassend ausgesagt und voll kooperiert. Das hielt ihnen auch der Staatsanwalt zugute. Und, dass der 35-Jährige fast 4,9 Millionen Euro zur Wiedergutmachung des Schadens freigegeben hatte. Er forderte für alle Angeklagten das oberste Maß des Strafrahmens, den das Gericht zu Prozessbeginn genannt hatte.
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Die Riege der Münchner Verteidiger blieb in ihren Plädoyers dagegen deutlich darunter: Sie beantragten viereinhalb Jahre für den Haupttäter, drei Jahre und zehn Monate für dessen Vater und nicht mehr als vier Jahre für den „Vertriebschef“.
Gericht sieht „schwerste Form organisierter Kriminalität“
Einen minderschweren Fall sah das Gericht nicht. Es handele sich um gewerbsmäßigen Banden-Betrug und die „schwerste Form organisierter Kriminalität“, so Lang. Alle Strukturen des Firmenkonstrukts seien gezielt und ausschließlich für den Mega-Betrug geschaffen worden. Auch alle Geldflüsse, die nicht selten über Kryptowährungen liefen, wurden ganz bewusst verschleiert. Und: Der Verbleib eines Teils der Gelder blieb bis heute ungeklärt.
Ermittler konnte bei der Razzia fast fünf Millionen Euro auf Auslandskonten einfrieren. Der Hauptangeklagte stimmte zu, das dieses Geld für Schadensersatz genutzt werden kann. Ob der gesamte Betrag für die rund 6,8 Millionen Verlust bei deutschen Opfern verfügbar wird, ist noch offen. Liechtenstein und die Schweiz könnten für Geschädigte aus ihren Ländern womöglich Zahlungen einbehalten.

