Billig-Führerschein: Verband warnt vor „historischem Kollaps“ – Lohnt sich Warten?

Der Führerschein soll billiger werden. Das hat Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) im Oktober angekündigt. Für potenzielle Fahrschüler stellt sich die Frage: Warten oder starten? Regensburger Fahrschulen haben darauf eine klare Antwort.
Der Branchenverband warnte im Dezember vor einem „historischen Kollaps“ der Fahrschulen – und schlug kürzlich erneut Alarm. „Mindestens die Hälfte der Fahrschulen ist sogar von einem 70-prozentigen Anmeldeeinbruch betroffen“, sagte Kurt Bartels von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände der „Bild“. Besonders für Familienbetriebe sei Schnieders Ankündigung existenzbedrohend. Wie ist die Lage in Regensburg?
Das mit den 70 Prozent hat Mario Biedermann auch gehört. Er ist Regensburgs Kreisvorsitzender im Landesverband Bayerischer Fahrlehrer (LBF) und sagt: „Alle warten darauf, dass der Führerschein billiger wird. Das merken wir gscheid.“ Biedermann berichtet von Betrieben in Kurzarbeit und ersten Geschäftsaufgaben in Bayern. „Viele jammern.“ Er selbst – seine Familie betreibt das Berufskraftfahrerzentrum Regensburg sowie Fahrschulen in Wenzenbach und Bruck – sei glimpflich davongekommen. Denn: „Uns in Regensburg geht es besser als anderswo. Warum, weiß ich nicht.“
Jürgen Bemmerl, Inhaber von Regensburgs ältester Fahrschule, sagt, dass die Anmeldungen „ein bisschen“ weniger geworden seien. „Aber das ist öfter mal so.“ Er habe schon gehört, dass es „zurückgehen soll ohne Ende“, seine Fahrschule sei aber nicht betroffen.
Führerschein: Kosten sollen sinken – aber so schnell geht es nicht
Daniel Polo, Geschäftsführer von Peter’s Driving School, sagt: „Wir sind gut voll. Aber es gab Zeiten, da waren wir randvoll.“ Er werde öfter gefragt, ob es sich lohne, auf niedrigere Preise zu warten, erzählt Polo. Seine Antwort: „Du kannst schon warten, aber das wird dauern.“
Schnieders Ministerium hat bislang nur Eckpunkte einer Reform vorgelegt. „Ein Abwarten lohnt sich nicht“, betonte auch der Verkehrsminister kürzlich. Selbst wenn alles reibungslos ablaufe, werde das Gesetz frühestens 2027 in Kraft treten – und der Führerschein dann nicht unmittelbar billiger.
Die Reform sieht einen schlankeren Theorie-Unterricht, kürzere Fahrprüfungen, Online-Kurse und den Einsatz von Fahrsimulatoren vor. Knapp 1200 Fragen umfasst der Katalog für die theoretische Führerschein-Prüfung derzeit. Er soll um ein Drittel reduziert werden. Der Präsenzunterricht an Fahrschulen soll nicht mehr verpflichtend sein, die Zahl der Sonderfahrten soll reduziert werden.
Zu behaupten, dass der Führerschein durch eine kürzere Prüfzeit billiger wird, ist QuatschMario Biedermann, Fahrlehrer
Polo ist skeptisch: „Wenn sich jemand nicht anstrengt, braucht er genau so viele Fahrstunden wie vorher.“ Auch Biedermann sagt: „Zu behaupten, dass der Führerschein durch eine kürzere Prüfzeit billiger wird, ist Quatsch.“ Dass mehr Simulatoren zum Einsatz kommen sollen, hält der Fahrlehrer für sinnvoll, die Abschaffung von Präsenzunterricht dagegen für einen „ganz großen Fehler“. Beim Führerschein gehe es um Leben und Tod.
Stephan Landgraf von der Fahrschule R-Drive am Bismarckplatz gibt nichts auf Simulatoren. „Das wird niemals die Realität ersetzen“, sagt er. Zudem koste so eine Gerätschaft „locker“ 30.000 Euro. „Da kann ich mir auch ein Auto kaufen.“ Weniger Theoriefragen hält er für sinnvoll.
Landgraf bemerkt keinen Rückgang bei den Anmeldungen und erklärt sich das mit seinem Kurs-Konzept. Auch er sagt: „Die Lage scheint regional unterschiedlich zu sein.“ Vom deutschlandweit agierenden Anbieter seiner Verwaltungssoftware weiß er: In anderen Regionen sind die Anmeldezahlen sehr wohl zurückgegangen. „In Hamburg scheint es ganz extrem zu sein, warum auch immer.“

Eigentlich hätte Landgraf die Preise zum Jahreswechsel erhöhen müssen, sagt er. „Die CO2-Abgabe ist höher geworden, die Sozialversicherung gestiegen – und ich habe eine Mietpreiserhöhung bekommen.“ Aufgrund von Schnieders Ankündigung habe er vorerst darauf verzichtet, die Preise zu erhöhen. „Jetzt warten wir erst mal, was kommt“, meint Landgraf.
Fahrschulen in Regensburg: Hohe Durchfallquote bei Theorieprüfung
Laut ADAC kostet ein Führerschein der Klasse B in Deutschland zwischen 2500 und 4500 Euro. Auch ein Grund, warum der Lappen immer teurer wird: die hohe Durchfallquote bei der Theorieprüfung. „Das wird von Jahr zu Jahr schlimmer“, sagt Biedermann vom LBF. Es sei „fast schon normal“, dass Schüler drei bis fünf Anläufe brauchen. Polo bestätigt das: „Das Engagement nimmt ab, obwohl der Preis steigt.“
Die Fahrlehrer können sich nicht vorstellen, dass die Reform den Führerschein viel billiger macht. „Da reden wir vielleicht über 100 bis 300 Euro“, sagt Landgraf. Polo nennt ähnliche Beträge. „Ja, der Führerschein ist zu teuer“, sagt er. Aber: „Ich weiß nicht, wie er billiger werden soll, wenn man nicht die Fahrschulen an sich entlastet.“ Würde dagegen die Mehrwertsteuer reduziert, könnten die Fahrschulen weniger verlangen. Laut Biedermann seien Förderungen – etwa für Azubis über Betriebe – der richtige Weg.