Regensburger haben keine Lust mehr auf den Führerschein – Kosten in Fahrschulen steigen

3000 bis 4000 Euro: Diese stolze Summe müssen bayerische Fahrschüler durchschnittlich für den Führerschein ausgeben. Auch in Regensburg sei dieser Preis „absolut realistisch“, sagt Matthias Weiß, Inhaber der Fahrschule Weiss in der Isarstraße.
Energiekrise, Inflation und Lohnanpassung hätten dazu geführt, dass die Preise für die Fahrerlaubnis in den letzten Jahren noch einmal deutlich angestiegen sind. Wie Weiß erklärt, seien unter anderem auch die Autos teurer geworden. Im Vergleich zu den BMW-1ern, die er vor drei Jahren bestellt habe, zahle er heute pro Fahrzeug 8000 bis 9000 Euro mehr. Auch der Fahrsimulator für „Trockenübungen abseits des Straßenverkehrs“, den Weiß seinen Schülern anbietet, sei mit 20000 Euro kein Schnäppchen gewesen.
Einen weiteren Grund für die gestiegenen Führerscheinkosten sieht Weiß bei den Fahrschülern selbst. „Die Leute haben weniger Lust darauf, den Führerschein zu machen. Oft werden 19-Jährige von Mama und Papa in die Fahrschule geschleppt“, sagt er. Bemerkbar mache sich das dann sowohl bei den Theoriestunden als auch bei den Übungsfahrten. „Der Anreiz fürs eigenständige Lernen fehlt“, sagt er. Statt sich aufs Fahren zu konzentrieren, sei für viele Fahrschüler außerdem das Handy wichtiger, fällt Weiß auf. „Statt aufzupassen, will man dann an der roten Ampel ein Selfie an die Freunde schicken.“
Betreuungsaufwand für Fahrschüler nimmt zu
Harry Maier, Niederlassungsleiter von Fahrschulbayer in der Margaretenstraße, berichtet Ähnliches. Im Vergleich zu vor zehn Jahren werde der Betreuungsaufwand einzelner Fahrschüler immer höher.
„Da werden Fahrstunden verschoben oder wir müssen immer wieder nachhaken wegen des Erste-Hilfe-Kurses“, sagt er. Wie Maier noch erklärt, nehme auch die Zahl der ausländischen Fahrschüler zu, die aufgrund fehlender Sprachkenntnisse mehr Theorie- und Praxisstunden nehmen müssten. „Wenn etwas extra erklärt und aufgemalt werden muss, kostet das Zeit – und in diesem Fall dann auch Geld.“
Generell bleibe bei einer Fahrstunde, die 45 Minuten dauert, nicht viel Gewinn für die Fahrschule übrig. „Wenn wir von einem Preis von 60 bis 70 Euro ausgehen, geht davon die Mehrwertsteuer weg. Der Fahrlehrer muss bezahlt werden und ebenso die Nebenkosten mit Versicherung und Leasing-Gebühr für die E-Fahrzeuge“, erklärt er. Auch die Mietkosten für Büro und Schulungsraum seien gestiegen.
Steigen Preise noch weiter?
Alfons Hemauer von der gleichnamigen Fahrschule mit Regensburger Büros in der Brandlbergerstraße und der Landshuter Straße spricht von einer „Kostenspirale“. Auch er bestätigt, dass der Führerschein in den letzten beiden Jahren noch einmal teurer geworden ist. „Und wahrscheinlich werden die Preise weiter steigen“, sagt er.
Gleichzeitig sei die Durchfallquote höher geworden. „Das ist allerdings schon längere Zeit so, seit 2010“, so Hemauer. Das liege zum Teil an fehlender Konzentration oder mangelnder Selbstreflexion der Schüler – aber auch daran, dass die Prüfungszeiten länger und der Straßenverkehr anspruchsvoller geworden sei. „Vor 20 Jahren lag die Prüfzeit bei einer halben Stunde. Heute sind es 55 Minuten“, erklärt er.
Führerschein gilt nicht mehr als Statussymbol
Ein nicht allzu positives Bild zeichnet auch Mario Biedermann. Als Kreisvorsitzender des bayerischen Fahrlehrerverbandes im Bereich Regensburg berichtet er, dass der Führerschein für viele junge Leute nicht mehr als Statussymbol gelte: „Das hat definitiv an Priorität verloren.“
Nicht nur in der Stadt, sondern auch im Landkreis Regensburg fehle im Unterricht das Engagement. „Jemanden auszubilden, der gar nicht so richtig will, ist schwierig“, so Biedermann. Während der Führerschein früher etwa drei Monate Zeit in Anspruch genommen habe, brauchen Schüler heute nicht selten ein ganzes Jahr. „Das wird dann natürlich teuerer“, sagt er.
