Deutliches Umfrage-Ergebnis: Welcher OB-Kandidat für Regensburg überzeugt die Jugend?

Bei einem „Wahlkarussell“ stellten sich drei Oberbürgermeister-Bewerber von SPD, CSU und Grünen am Regensburger Pindl Gymnasium Fragen von Schülern. Diese konnten danach votieren, wer sie am meisten überzeugen konnte. Bei den Themen dominierte die Sicherheit am Bahnhof, der Verkehr und die Zukunft für das Kaufhofgebäude in der Altstadt.
Der Gong läutet. „Eine letzte Frage noch“, sagt Helene Sigloch. Hastig antwortet die Grünen-Politikerin über ihre Vision für eine Zukunft des Ex-Kaufhofs und eines stärkeren ÖPNV. In der Klassenzimmertür steht schon SPD-Konkurrent Thomas Burger. Sigloch geht, Burger schnappt sich ihren quietschgelben Stuhl und legt los. Lange hat er nicht, um sein Publikum zu überzeugen: 30 frisch volljährige Schüler fixieren ihn mit ihren Blicken, bereit, ihn mit Fragen zu teils kritischen Themen zu löchern.
Der Wahlkampf befindet sich in der heißen Phase und für drei der aussichtsreichsten Kandidaten um die Nachfolge von Regensburgs Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer bot das Pindl Gymnasium gestern – als einzige Schule – eine solche Möglichkeit, sich Wählern von Morgen zu präsentieren. Beim „Wahlkarussell“ konfrontierten Schüler Astrid Freudenstein (CSU), Thomas Burger (SPD) und Helene Sigloch (Grüne). Die Brücke und weitere Parteien waren nicht eingeladen.

Bahnhofsumfeld ist Thema
Die Fragen der drei Schülergruppen, aufgeteilt in Über-18-jährige Wähler sowie Unter-18-Jährige aus Stadt und Landkreis, waren vielfältig. Sie rangierten vom eher sanftmütigen „Wie sind Sie zur Politik gekommen?“ bis hin zu „Wie kann man erreichen, dass mehr Obdachlose die Unterkünfte der Stadt nutzen?“ Häufiges Thema war das Bahnhofsumfeld. „Da sind Obdachlose, Alkoholiker, Leute, die handeln“, sprach ein junger Schüler die CSU-Kandidatin Astrid Freudenstein an. Sie antwortete mit den Ausgaben für Streetworker, die verdoppelt worden seien und mit der guten Arbeit der Polizei, gab aber auch zu: „Die Zahlen sind immer noch sehr hoch, die Szene verlagert sich zu Maxstraße und Römermauer.“ Für etwas Schmunzeln unter den Jugendlichen sorgte bisweilen, als sie die Skater vor dem Kaufhof ansprach oder die Parkour-Anlage nahe des Marina-Quartiers bewarb.

Generell, so zeigte sich über die rund zwei Stunden des Wahlkarussells, hatten die drei Kandidaten zwar vereinzelt Jugend-Themen eingebracht, Schulen erwähnt oder Freizeitangebote in Aussicht gestellt. Allgemein aber waren die Antworten wie auch Fragen nicht viel anders, als man es von einer klassischen Podiumsdiskussion erwartet. Aber, zog Thomas Burger im Nachhinein sein Fazit: „Es war erfrischend, wie sehr es um Themen ging und nicht das Parteiische. Bei Podiumsdiskussionen kommen sonst die meisten Besucher vorgeprägt, hier waren die Schüler sehr offen.“

Mit Blick auf die durchaus radikalisierende Wirkung von politischem Inhalt auf TikTok habe ihn das positiv überrascht. Ähnlich war es bei Astrid Freudenstein. „Kommunalpolitik darf keine Parteipolitik sein“, sagte sie. Deshalb habe sie bewusst keine Parteinamen um sich geworfen. „Es war ein wirklich schöner Austausch“, sagte sie. Auch Helene Sigloch freute sich über die vielfältigen Fragen. Vor allem bei den Ü18-Jährigen habe man an den informierten Fragen gemerkt, wie ernst sie ihr Wahlrecht nehmen.
Wer konnte punkten?
So viel zu den Kandidaten – aber wer überzeugte die Schüler am meisten? Nachdem die Gruppen alle drei kennenlernen durften, konnten sie per QR-Code abstimmen. Das Ergebnis könnte an so manchen Vorurteilen über den Jugend-Appeal von Parteien durchaus rütteln: Freudenstein (CSU) erhielt mit Abstand am meisten Top-Wertungen, Burger bekam die wenigsten Negativ-Wertungen. In diese niedrigeren Kategorie, umschrieben mit „braucht noch ein paar Trainingseinheiten“, fiel vor allem Sigloch. Als jüngste der drei Kandidaten sieht sie das aber gelassen.
Gespräche mit Schülern bestätigen das: „Astrid Freudenstein hat uns vor allem bei den Problemen am Bahnhof am meisten ernst genommen“, sagt der 17-jährige Essam Abdal Hadi. Auch Burger habe mit seinen reflektierten und realistischen Einschätzungen viel Kompetenz und bei persönlichen Geschichten Nähe gezeigt. „Helene Sigloch hat interessante Blickwinkel eröffnet aber sich ein bisschen festgefahren mit dem Verkehrsthema“, fügt die ebenso 17-jährige Luise Steinbauer hinzu. Ihr Fazit: „Ich finde es echt cool, dass wir die Chance hatten, mit den Kandidaten zu reden.“ Hadi nickt nur: „Es hilft mir auf jeden Fall für die Zukunft weiter.“