„Werde ich nie mehr vergessen“: Explosion in Chamerauer Wohnhaus ist noch immer präsent

Von David Salimi · 14. Januar 2026 um 13:11

In der Bergstraße in Chamerau (Landkreis Cham) ist es wieder ruhig geworden. Die Fenster der Nachbarhäuser müssen nicht mehr wegen dichten Rauchs geschlossen werden, keine Einsatzfahrzeuge blockieren die Straße, kein Blaulicht spiegelt sich in den Fassaden. Und doch ist da noch immer dieser Ort, an dem der Alltag vor gut einem Monat abrupt aus dem Takt geraten ist.

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Rückblick auf den 5. Dezember: Kurz vor 11 Uhr wird ein Wohnhaus in der Bergstraße durch eine Explosion schwer beschädigt. Was folgt, ist ein Brand, der das Gebäude komplett zerstört, und ein Einsatz, der die Gemeinde für Stunden in einen Ausnahmezustand versetzt. Ein 29-jähriger Bewohner erleidet schwerste Brandverletzungen. Mehrere weitere Menschen werden leicht verletzt. Mehr als 200 Kräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, Technischem Hilfswerk und Polizei sind den ganzen Tag im Einsatz.

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Während die Kriminalpolizei nach Spuren sucht, lebt die Gemeinde gut einen Monat später weiter – mit einer Lücke, die nicht nur baulich ist, und vielen offenen Fragen. Bürgermeister Stefan Baumgartner berichtet, dass ihn bis heute immer wieder Bürger ansprechen – mit Fragen nach dem Zustand des Verletzten und nach der Zukunft des zerstörten Hauses. Das Grundstück sei inzwischen von der Kriminalpolizei freigegeben worden, bleibe aber weiterhin abgesperrt. Auch die Beseitigung des Bauschutts beschäftige die Gemeinde derzeit. Zugleich kursieren verschiedene Gerüchte. „Da ist es schon wichtig, dass man für Klarheit sorgt“, sagt Baumgartner.

Viele Schaulustige in den ersten Tagen

In den Tagen nach der Explosion habe der Unglücksort zahlreiche Schaulustige von auswärts angezogen. Zeitweise ist das Verkehrsaufkommen in der Bergstraße entsprechend hoch gewesen, erzählt der Rathauschef. Inzwischen habe sich die Lage aber wieder beruhigt. Von einer gedrückten Stimmung im Ort könne keine Rede sein – wohl aber von Nachdenklichkeit. „Die meisten sagen: Gott sei Dank ist nicht mehr passiert“, erzählt Baumgartner. Man spüre deutlich, dass der Vorfall die Menschen beschäftige. „Auch ich bin im Großen und Ganzen dankbar, dass nicht mehr passiert ist.“

Für die Gemeinde sei das Ereignis ein Einschnitt gewesen. Ein Unglück dieser Art habe es in Chamerau seit Jahrzehnten nicht gegeben. „In den vergangenen Jahren waren wir vor allem von Hochwasser oder schweren Unfällen an der B 85 betroffen“, sagt Baumgartner. Die Explosion aber habe eine andere Dimension gehabt. Dass er selbst als Einsatzkraft und Gruppenführer vor Ort gewesen sei, habe die Eindrücke noch verstärkt.

Das ist ein Erlebnis, das ich nie mehr vergessen werde.Stefan Baumgartner, Bürgermeister in Chamerau

„Diese Bilder haben sich bei mir eingeprägt“, sagt er. „Das ist ein Erlebnis, das ich nie mehr vergessen werde.“ Gerade bei einem Vorfall dieser Größenordnung werde man „schon demütig und nachdenklich“, gibt er zu.

Ein Großaufgebot an Einsatzkräften kämpfte am Vormittag des 5. Dezembers gegen die Flammen in der Bergstraße in Chamerau an. - Foto: Stefan Weber

Auch für die Einsatzkräfte war jener Freitag kein gewöhnlicher Tag. Kreisbrandrat Michael Stahl beschreibt den Beginn des Einsatzes als das, was in der Fachsprache bei der Feuerwehr eine „Chaosphase“ genannt wird: eine Situation, in der viele Einheiten vor Ort sind, die Lage aber noch voller Ungewissheiten steckt. „Am Anfang stehen jede Menge Fragen“, sagt Stahl. Etwa: Gibt es Gas im Boden? Gibt es Tanks? Oder eine andere, zunächst verborgene Ursache, die im schlimmsten Fall eine weitere Explosion auslösen könnte?

In Chamerau habe sich zwar rasch gezeigt, dass weder eine Gasleitung noch Gastanks eine Rolle spielten – doch bis diese Punkte geklärt gewesen seien, habe die Unsicherheit den Einsatz geprägt. „Mit jeder neuen Information konnten wir unseren Einsatz Stück für Stück anpassen“, sagt der Kreisbrandrat. Auch das sei ein Grund gewesen, warum sich die Arbeiten über viele Stunden hingezogen hätten.

Mit jeder neuen Information konnten wir unseren Einsatz Stück für Stück anpassen.Michael Stahl, Kreisbrandrat

Eine weitere entscheidende Frage sei gewesen, ob sich noch Menschen im Gebäude befinden. „Das war am Anfang die wichtigste Frage überhaupt“, so Stahl. Als feststand, dass niemand mehr im Haus war, konzentrierten sich die Kräfte auf die Löscharbeiten von außen. Klar sei zugleich gewesen: Das einsturzgefährdete Gebäude durfte auch von Einsatzkräften nicht mehr betreten werden. Aus solchen Großeinsätzen zieht man intern durchaus Lehren, sagt Stahl. Entscheidend sei, möglichst schnell belastbare Informationen zu bekommen – und dabei natürlich den Eigenschutz nicht aus dem Blick zu verlieren. „Am Anfang herrscht oft ein gewisser Aktionismus“, sagt er. „Den kann man nicht immer sofort ordnen.“

Bis in die Nacht hinein waren die Einsatzkräfte mit den Löscharbeiten am Unglücksort beschäftigt. - Foto: Richard Richter

Was die Größenordnung betrifft, ordnet Stahl den Einsatz eher nüchtern ein. Vergleichbare Aufgebote habe es im Landkreis etwa beim Großbrand der Firma MBO in Roding oder zuletzt beim erneuten Brand der Bäckerei in Waldmünchen gegeben. In einem Punkt aber sei Chamerau eine Ausnahme gewesen: „Eine Explosion in dieser Form hatten wir so im Landkreis Cham bisher noch nicht.“

Ermittlungen der Polizei dauern an

Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberpfalz vom 8. Dezember dauern die Ermittlungen zur Explosion im Wohnhaus in Chamerau weiter an. Die Ursache des Unglücks ist weiterhin unklar.

Nur noch Schutt und Asche: Das Wohnhaus in der Bergstraße in Chamerau wurde bei der Explosion im Dezember so schwer beschädigt, dass es nicht mehr bewohnbar ist. Mehr als einen Monat nach dem Unglück ist die Ursache weiterhin unklar. - Foto: Martin Hennings

Brandermittler der Kriminalpolizei Regensburg hatten den Brandort an mehreren Tagen untersucht, unterstützt von einem Brandmittelspürhund und Gutachtern des Bayerischen Landeskriminalamts. Im Inneren des stark beschädigten Gebäudes wurden mehrere Gasflaschen sichergestellt, die einer weiterführenden technischen Untersuchung unterzogen werden. Zudem wurde ein Gutachten zur Klärung der Brand- und Explosionsursache in Auftrag gegeben.

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Ein Ergebnis liegt bislang noch nicht vor. Hinweise auf eine Fremdbeteiligung haben sich nach dem bisherigen Ermittlungsstand nicht ergeben. Die bisherigen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Ursache im Inneren des Gebäudes zu suchen ist.

Der 29-jährige Bewohner des Hauses, der bei der Explosion schwerste Brandverletzungen erlitt, befand sich zuletzt noch im Krankenhaus.