Tragisches Ende einer Reh-Rettung aus dem Eis bei Cham: Jäger tötet das Tier

Das war eine Aktion, die auch hartgesottene Feuerwehrler so schnell nicht vergessen werden. Um 14.04 Uhr rückten am Dienstag rund 50 Einsatzkräfte zur Rettung eines Rehs aus, das neben dem Satzdorfer See bei Cham eingebrochen war. Die Aktion erwies sich als extrem aufwendig und ihr Ende als schwer erträglich.
Wie Kreisbrandmeister Thomas Wittmann berichtete, erwies sich das Eis als zu dünn für den Einsatz von Steckleitern, war aber andererseits durch das Gewicht der Boote samt Mannschaft nicht zu brechen. Und so musste Wehren aus Niederrunding, Cham und Chamerau sich den Weg zum Reh mühsam freischlagen. Schließlich gelang es, das völlig entkräftete und unterkühlte Tier mit einem Seil zu sichern und mit vereinten Kräften ans Ufer zu bringen.

Dort wurde es von der gesamten Mannschaft liebevoll umsorgt. Die Feuerwehrler brachten eine warme Decke, trockneten das Reh ab und wickelten das zitternde Tier ein. Anschließend wurde auch noch der Rüstwagen aufgeheizt und das Reh dort im Fußraum untergebracht.
„Wart halt no!“
Rund eine Viertelstunde lang betreute die Chamer Feuerwehr das völlig erschöpfte Tier. Dann traf der zuständige Jagdpächter ein und wollte das Reh vor dem Rüstwagen auf den Beinen sehen. Das Tier kam aber nicht gleich hoch. Als der Jäger ein kleines Messer aus der Tasche zog und auf das Reh zuging, baten ihn mehrere Feuerwehrler: „Wart halt no. Gib eam halt no a bisserl Zeit.“

Der Jagdpächter entschied sich aber dagegen. Er schlitzte dem Tier die Kehle auf, um es ausbluten zu lassen. Der darauf folgende Todeskampf war dann sogar hartgesottenen Einsatzkräften zu viel. Sie wandten sich ab und traten zur Seite. Die meisten sagten nichts. Aber es war trotzdem schnell klar, dass dieser Tag von den vielen gebrauchten Tagen im harten Einsatzleben der Feuerwehr ein besonders gebrauchter bleiben wird.
Die Frage nach dem Sinn
Einer der Retter, dem noch das Eiswasser von der Schutzkleidung triefte und langsam wieder zu gefrieren begann, brachte auf den Punkt, was vielen in diesem Moment durch den Kopf ging: „Wofür dann der Aufwand, wenn es so zuendegebracht wird?“
Es wurde ein stiller Abzug der rund 50 Einsatzkräfte vom Regenufer. Zurück blieben zwei große Blutflecken am Boden und die Frage eines Feuerwehrmanns: „Das musste doch gar nicht sein. Darf der das überhaupt?“ Eine Antwort darauf hatte an diesem Nachmittag niemand.
