Kaufhof mitten in Regensburg: So steht es um den riesigen Leerstand am Neupfarrplatz

Von Philip Hell · 6. Januar 2026 um 05:00

Seit August 2024 steht das Kaufhof-Gebäude am Regensburger Neupfarrplatz leer. Seither sorgt der Beton-Klotz verlässlich für Schlagzeilen. Viele Regensburger treibt die Zukunft des Baus um, zahlreiche Fragen sind offen. Ein Überblick über den Stand der Dinge.

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Wem gehört der Kaufhof am Neupfarrplatz in Regensburg?

Das Gebäude ist nach wie vor im Besitz der Kaufhof Regensburg GmbH. Das bestätigte die Stadt der MZ am Montag noch einmal. Vor einem Jahr wurde bekannt, dass die Kaufhof Regensburg GmbH den Bau verkauft hat – dazu kam es letztlich allerdings doch nicht. Ein Teil des Gebäudes gehört der Firma aber „nur“ in Erbpacht der Familie Fischl.

Wie war das mit dem islamischen Kulturzentrum im Regensburger Kaufhof?

Im Dezember 2024 ging ein Kaufvertrag bei der Stadt Regensburg ein. Aus diesem ging hervor, dass die Kaufhof Regensburg GmbH das Gebäude an eine Investorengruppe aus dem Nahen Osten veräußern möchte. Teil des Vertrags war der Hinweis, dass sich die Käufer mit dem Gedanken tragen, ein islamisches Kulturzentrum errichten zu wollen. Die MZ machte die Pläne Anfang Januar 2025 in Form eines Interviews mit einem Investorensprecher publik. Schnell wurden Stimmen laut, es könnte sich um einen Bluff handeln. Genährt wurden die Zweifel dadurch, dass die Investoren auf das Vorkaufsrecht der Stadt hinwiesen. Letztlich entschied sich der Stadtrat Ende Februar gegen das Vorkaufsrecht, erließ jedoch eine Satzung, die ein islamisches Kulturzentrum verhindern soll, so zumindest das Kalkül der Politik. Wie unseriös der geplatzte Verkauf war, zeigten MZ-Recherchen im Frühjahr. Demnach trat ein Taxifahrer aus Tel Aviv als Käufer auf. Interne Quellen sprachen von einem „Strohmann“.

Will die Stadt Regensburg den Kaufhof am Neupfarrplatz kaufen?

Auch wenn die Stadt das Vorkaufsrecht nicht gezogen hat, laufen Verhandlungen über einen möglichen Kauf. Die Stadt stehe in Verhandlungen mit den Grundstücksberechtigten, bestätigte die Stadt am Montag erneut. Ein Erwerb könne ein Ergebnis dieser Verhandlungen sein, betonte eine Sprecherin. „Im Hinblick auf die laufenden Verhandlungen sowie die mit der Verhandlungspartnerin vereinbarte Geheimhaltung sind weitere Auskünfte derzeit nicht möglich.“

Wer verhandelt mit wem über die Zukunft des Kaufhof-Gebäudes in Regensburg?

Von Seiten der Stadt dürfte insbesondere die Task Force Kaufhof am Verhandlungstisch sitzen. Teil der Gruppe sind Mitarbeiter der Verwaltung. Auf der Seite der Kaufhof Regensburg GmbH tritt Roland Koch als Verhandler auf. Der CDU-Politiker war Ministerpräsident von Hessen und arbeitet heute als Rechtsanwalt. Koch pochte im MZ-Gespräch auf die Vertraulichkeit der Verhandlungen.

Was ist der Kaufhof in Regensburg eigentlich wert?

Die zentrale Frage hinter verschlossenen Türen dürfte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sein, wie viel das Gebäude kosten soll. Im Kaufvertrag, der der Stadt vor rund einem Jahr vorlag, wurden nach MZ-Informationen 33 Millionen Euro aufgerufen. Spitzenpolitiker in Regensburg sprachen dagegen von einem Verkehrswert von rund 5 Millionen Euro. Unstrittig scheint, dass das in die Jahre gekommene Gebäude den Wert des Grundstücks eher schmälert als steigert.

In welchem Zustand befindet sich der Kaufhof in Regensburg?

Kurz zusammengefasst: Der Kaufhof ist in keinem guten Zustand. Nach einem langen Hick-Hack hatten Vertreter der Stadt Ende Juni Zugang zum Gebäude. Der Besuch ist laut Stadt allerdings „von überschaubarer“ Dauer gewesen. Laut einer ersten groben Einschätzung habe es allerdings keine großen Überraschungen gegeben, teilte die Stadt zum Besuch mit. „Gebäude und Technik entsprechen dem zu erwartenden, damaligen Stand der Technik und einer jahrzehntelangen Nutzung als Großkaufhaus, wie zuletzt durch Galeria Kaufhof.“ Das dürfte den Preis mithin eher drücken.

Wird der Kaufhof zum Wahlkampfschlager?

In etwa zwei Monaten steht in Regensburg eine Richtungsentscheidung an. Die Domstadt bekommt einen neuen Oberbürgermeister oder eine neue Oberbürgermeisterin. Zwei aussichtsreiche Kandidaten, Astrid Freudenstein (CSU) und Thomas Burger (SPD), haben bereits Stellung bezogen zum Thema Kaufhof. Beide plädierten für einen Kauf der Brache. Freudenstein betonte in einem Video Ende November, dass die Gegend unter dem Leerstand leide. „Wenn es nach mir geht, kann man das Gebäude abreißen und etwas ganz Neues, wirklich Gutes für unsere Stadtmitte entwickeln.“ Auch SPD-Politiker Burger würde den Bau gerne kaufen. Dabei sieht er die Stadt idealerweise in der Rolle eines Zwischeninvestors. Er stehe im Kontakt mit Leuten, die Ideen haben, so Burger weiter. Die Vision: eine gemischte Nutzung mit Wohnen, Büros und Kultur. Allein diese beiden Äußerungen zeigen, dass im Wahlkampf wohl keiner um das Thema Kaufhof herumkommen wird.

Kaufhof-Brache in Regensburg: Wann passiert endlich etwas?

Über allem schwebt indes die Frage: Wann geht endlich etwas vorwärts? Eine seriöse Antwort gibt es darauf schlicht und einfach nicht. Die Stadt teilte nach dem endgültigen Kaufhof-Aus im August 2024 jedenfalls mit, dass man mit einer nachhaltigen neuen Nutzung „in einigen Jahren“ rechne. Das ist nun eineinviertel Jahre her. Wie es weitergeht? Völlig offen.

Diese Ideen gibt es für den Kaufhof in Regensburg

• „Jahrtausend-Chance“: Die Initiative „Unser Stadtraum – Zukunft Neupfarrplatz“ plädiert für einen Erhalt des Komplexes. Er sei ein Geschenk an die Stadt, ja sogar eine „Jahrtausend-Chance“. In einem Papier ist von kulturellen, sozialen und gastronomische Nutzungen sowie kleinteiligem Einzelhandel die Rede. Das Haus könne viel, sagt die Initiative.

• Jugendzentrum: Außerdem gibt es eine Petition der Gruppierung „Galeria für Alle“, die für ein selbstverwaltetes Jugend- und Kulturzentrum in den Räumen des ehemaligen Kaufhofs wirbt. Seit September werden Unterschriften gesammelt, bislang haben rund 1220 Menschen unterzeichnet.

• Ministerium: Kurz vor Weihnachten meldete sich auch das Bayerische Wirtschaftsministerium zu Wort. Im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit haben sich Studenten aus Israel, Amerika und Deutschland mit dem Gebäude befasst. Heraus kam eine Vielzahl von Vorschlägen. Darunter eine Rooftop Bar, ein Club oder ein Museum im Ex-Kaufhof.

Anmerkung der Redaktion: Die Gruppe „Galeria für Alle“ hat sich nach Veröffentlichung des Artikels an die Redaktion gewandt und bestreitet, linksextrem zu sein. Die entsprechende Passage des Textes wurde geändert.