JVA Regensburg verwanzt – So kam die Kripo der festgenommenen Justizbeamtin auf die Schliche

Eine 38-Jährige soll über Monate Handys und Drogen ins Gefängnis in Regensburg geschmuggelt haben. Der Fall hat das Potenzial für einen Skandal: Die Frau ist nicht die einzige, gegen die ermittelt wird. Wie das Netzwerk hinter Gittern auffliegen konnte, offenbaren jüngste Recherchen der Mediengruppe Bayern.
Obwohl die Mauern meterhoch sind, gibt es auch in Gefängnissen Drogen, Handys oder Waffen. Kriminelle Netzwerke finden immer neue Wege, um Illegales in Justizvollzugsanstalten zu schmuggeln. In Regensburg ist ein Fall aufgeflogen, der Brisanz birgt. Im Zentrum steht eine Frau, die in Diensten des Freistaats und wohl auch des Verbrechens gestanden haben soll.
Die Beamtin sitzt nun in Untersuchungshaft. Ermittler der Kripo sollen sogar Räume in der JVA in Regensburg verwanzt haben, um sie und die Hinterleute zu überführen. Das zeigen Recherchen der Mediengruppe Bayern.
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In der JVA Regensburg warten Gefangene in Untersuchungshaft auf ihre Prozesse oder sitzen ihre Freiheitsstrafen ab. Es ist – nachvollziehbarerweise – ein Leben mit Einschränkungen: Es gibt feste Auf- und Einschlusszeiten, Schleusen mit massiven Eisentüren, vergitterte Fenster und kaum Kontakt zur Außenwelt; zumindest normalerweise. Handys sind hier gefragte und heiße Ware, genauso wie alle Arten von Drogen.
Schwunghafter Handel hinter Gittern
Sollte sich bestätigen, was die Ermittler der Regensburger Kripo zusammengetragen haben, spielte eine Vollzugsbeamtin im schwunghaften Handel hinter Gittern eine gewichtige Rolle. Die 38-Jährige soll über Monate hinweg Handys, SIM-Karten und Rauschgift ins Gefängnis geliefert haben. Und damit gemeinsame Sache mit Gefangenen gemacht haben, die in der JVA damit dealten.
Auch in den Diensträumen des Gefängnisses soll die heiße Ware übergeben worden sein. Davon sind die Ermittler überzeugt. Und genauso wäre es wohl auch am Sonntag (28. Dezember) geplant gewesen – stattdessen klickten für sie auf ihrem Weg zur Arbeit in der JVA die Handschellen. Die Beamtin wurde von der Kripo festgenommen.
Paket voll mit Handys im Auto sichergestellt
Bei Durchsuchungen fanden die Ermittler im Auto der Frau ein Paket mit 24 Handys samt SIM-Karten und Rauschgift im niedrigen Grammbereich. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher, der Sprecher der Regensburger Staatsanwaltschaft, auf Nachfrage. Vermutlich mit Spice (eine Droge, die aus synthetischen Cannabinoiden und verschiedenen getrockneten Pflanzenteilen besteht) getränkte Blätter und anderes Rauschgift. Genaueres müssten die weiteren Untersuchungen im Labor ergeben.
Gegen die Justizvollzugsbeamtin, die aus dem Raum Regensburg stammen soll, werde wegen „gewerbsmäßiger Bestechlichkeit und Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in drei Fällen“ ermittelt. Sie ist deutsche Staatsbürgerin. Laut Rauscher liefen aktuell auch Ermittlungen gegen weitere Mitarbeiter der Anstalt.
Im engeren Fokus stehe neben der beschuldigten Justizbeamtin nur ein 55-Jähriger, der die heiße Ware bestellt und verpackt haben soll. Der Mann sei aber kein JVA-Mitarbeiter, so Rauscher. Gegen diesen Deutschen habe das Amtsgericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehl erlassen. Selbiger sei aber unter Auflagen außer Vollzug gesetzt worden.
Ermittelt werde laut der Staatsanwaltschaft zudem gegen mehrere Insassen der Justizvollzugsanstalt in Regensburg, die durch den Handel mit den eingeschmuggelten Handys und Drogen wohl gute Geschäfte gemacht haben dürften. Denn hinter Gittern gelten andere Preise als auf der Straße.

Hinter den Mauern der JVA sollen für diese Männer auch andere Regeln gegolten haben – es besteht offenbar der Verdacht, dass diese Gefangenen sich in der Anstalt teils völlig frei bewegen konnten, um ihre Geschäfte zu machen. Auch das soll die beschuldigte Vollzugsbeamtin ermöglicht haben, während andere Insassen längst in ihren Zellen eingeschlossen waren. Offiziell bestätigen will Rauscher das jedoch nicht. Auch nicht, wie man der 38-Jährigen und ihrem JVA-Netzwerk auf die Spur kam – dafür nutzten die Ermittler nämlich einen höchst ungewöhnlichen Weg.
Kripo verwanzt bei Übung mehrere Räume in JVA
In verschiedenen Räumen der Regensburger JVA wurde nach MZ-Recherchen extra Abhörtechnik installiert. Dafür nutzte die Kripo wohl eine Großübung Mitte November als passende Gelegenheit. Spezialkräfte aus ganz Bayern probten damals den Ernstfall bei einer Geiselnahme hinter Gefängnismauern. Während das SEK in der Anstalt übte, wurden durch die Ermittler mehrere Diensträume verwanzt. „Sämtliche Maßnahmen sind aufgrund richterlicher Beschlüsse ergangen“, betonte Rauscher. „Details von Ermittlungstaktiken“ kommentiere er „aus sicher nachvollziehbaren Gründen“ jedoch nicht.
Fakt ist: Bei Durchsuchungen wurden zahllose Datenträger, darunter einige Handys, sichergestellt. Auch in der JVA in Regensburg gab es solche Maßnahmen. Die Geräte müssten aber erst ausgewertet werden, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, was meist einige Monate in Anspruch nehme. In dem Fall sei „einige Monate intensiv ermittelt worden“. Weil auch Tatvorwürfe gegen Beamte „nicht einfach hingenommen, sondern stringent und hart verfolgt werden“, betonte Rauscher.
Auch Tatvorwürfe gegen Beamte werden von uns nicht einfach so hingenommen, sondern stringent und hart verfolgt.Thomas Rauscher, Oberstaatsanwalt
Für die Justizvollzugsbeamtin aus Regensburg, die im Verdacht steht, mit den Gefangenen gemeinsame Sache gemacht zu haben, dürfte es ein sicher einschneidender Seitenwechsel sein – sie sitzt nun als Insassin in einer dieser Anstalten, in denen sie bis Sonntag selbst für Ordnung und Sicherheit sorgen hätte sollen. Bei einer Verurteilung droht der 38-Jährigen zum Ende ihres Beamtenverhältnisses auch eine durchaus empfindliche Freiheitsstrafe.
Für alle Beschuldigten, das betonte die Staatsanwaltschaft in Regensburg, gelte bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung.