„Eine neue Ära begonnen“: So lief 2025 für die beiden großen Autozulieferer in Regensburg

Von Lorenz Nix · 15. Dezember 2025 um 14:00

Für das Regensburger Aumovio-Werk war 2025 ein Jahr des Umbruchs. Auch am früheren Vitesco-Hauptsitz hat sich vieles verändert: Dort prägen inzwischen Schaeffler-Schriftzüge das Bild. Gegenüber der Mediengruppe Bayern ziehen beide Zulieferer Bilanz – und blicken nach vorn.

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Wer an Autozulieferer in Regensburg denkt, dem kommen große Namen in den Sinn: Der Geschäftsbereich des Siemens-Konzerns war in der Domstadt angesiedelt. Später entstand daraus die Autotechniksparte von Continental. Diese spaltete ihr Geschäft mit Antriebstechnik 2016 ab: Die neue Vitesco AG hatte sogar ihren Hauptsitz in Regensburg, wurde 2024 aber von Schaeffler übernommen. Sichtbar wurde das allerdings erst in diesem Jahr: Seit dem Sommer prangen die grünen Schriftzüge des fränkischen Zulieferers am früheren Vitesco-Sitz. Und auch von Continental ist in Regensburg nichts mehr zu sehen. Das große Werk im Osten der Stadt gehört seit September zum neuen Zulieferer Aumovio.

Continental hatte im Vorjahr beschlossen, seine Autotechniksparte abzuspalten und als eigenständiges Unternehmen an die Börse zu bringen. „2025 war für uns ein Jahr des Wandels und der Weichenstellung“, sagt die Regensburger Standortleiterin Alexandra Bornemann. Mit dem Start von Aumovio habe man „eine neue Ära begonnen“.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Oberpfälzer Werk bedeutete das jede Menge Arbeit. Die Vorbereitungen seien auf Hochtouren gelaufen, sagt Bornemann. „Dabei wurden Prozesse angepasst, Strukturen neu ausgerichtet und IT-Systeme separiert, ohne die laufende Produktion und Kundenbelieferung zu beeinträchtigen.“

Regensburger Aumovio-Werkschefin mit Lob an Mitarbeiter

Der Standort sei gut aufgestellt, „um die Zukunft der Automobilelektronik aktiv mitzugestalten“. Zum Jahresende möchte Bornemann daher noch ein Lob an ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter loswerden: „Besonders stolz bin ich auf das Engagement unseres Teams, das diesen Übergang mit großer Professionalität gemeistert hat.“

Was es nicht unbedingt einfacher machte: Die Abspaltung fand in einer Phase statt, in der die Autoindustrie besonders zu kämpfen hatte. Technologische Transformation, zunehmender Wettbewerbsdruck, Marktunsicherheiten und geopolitische Herausforderungen hätten die gesamte Branche in diesem Jahr „stark beeinflusst“, sagt Bornemann. In Regensburg habe das bedeutet, „sich auf Effizienzsteigerungen und die Digitalisierung von Prozessen zu konzentrieren, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern“.

Schaeffler liefert Antribesteile für Flugtaxi

Auch Schaeffler spricht gegenüber der Mediengruppe Bayern von einem komplexen globalen Umfeld – „insbesondere im Automobilbereich, der sich in einem Transformationsprozess befindet“, sagt Sprecher Martin Mai. Mit „Investitionen in Innovation, Elektromobilität und Digitalisierung“ wolle man „die Chancen der Zukunft nutzen“. Ein Stärke Schaefflers ist demnach auch das Portfolio des Konzerns über die klassische Autoindustrie hinaus. Tatsächlich gaben die Franken 2025 beispielsweise bekannt, Antriebskomponenten für ein Flugtaxi zu liefern oder sich verstärkt auf humanoide Roboter fokussieren zu wollen. Erst kürzlich hatten Schaeffler und das Rüstungsdrohnen-Start-up Helsing mitgeteilt, künftig miteinander zu kooperieren.

Das Regensburger Werk ist ein reiner Entwicklungs- und Verwaltungsstandort. Im September – fast ein Jahr nach der Übernahme – hatte der Konzern die Beschilderung an und um die Firmengebäude endgültig ausgetauscht. Die Umgestaltungsmaßnahmen seien damit abgeschlossen, hieß es damals vom Unternehmen. Im Hintergrund wird aber weiter an der Eingliederung des früheren Regensburger Unternehmens gearbeitet: „Die Integration von Vitesco in die Schaeffler AG ist ein langfristiges Projekt, das bis 2027 mit klar definierten Meilensteinen umgesetzt werden soll“, erklärt Mai nun. 2025 habe man durch die Fusion Synergien heben und das Schaeffler-Portfolio nachhaltig stärken können. „Das Unternehmen blickt optimistisch auf die weiteren Integrationsschritte im Jahr 2026, auch am Standort Regensburg.“

Wie das Jahr finanziell lief, gibt Schaeffler erst Anfang März bekannt. In den ersten neun Monaten 2025 mussten die Franken allerdings einen leichten Umsatzrückgang um etwa 1,3 Prozent hinnehmen. Auch Aumovio gab im November hier ein Minus bekannt - von 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Bornemann: Attraktivität des Standorts Deutschland stärken

Bornemann spricht für das Regensburger Werk des neuen Zulieferers von einer guten Auftragslage im nun zu Ende gehendem Geschäftsjahr. Man sehe eine „solide Nachfrage“ in den Kernbereichen und sei entsprechend darauf vorbereitet, „die Kapazitäten effizient zu nutzen und flexibel auf Marktanforderungen zu reagieren“. Der Standort mit über 4000 Beschäftigten entwickelt und produziert unter anderem Beschleunigungs- und Crashsensoren sowie Hochleistungsrechner.

Für 2026 sei die wichtigste Aufgabe klar, sagt Bornemann: „Wir müssen wettbewerbsfähig sein.“ Für den Standort Regensburg bedeute das, „Prozesse kontinuierlich zu verbessern und die Balance zwischen Kostenoptimierung und Innovationskraft zu halten“. Die Standortleiterin sieht aber auch die Politik in der Pflicht. Man wünsche sich für die kommenden Jahre, eine „schnellere Umsetzung regulatorischer Rahmenbedingungen, insbesondere für autonomes Fahren und Softwareentwicklung“. Außerdem sind Bornemann zufolge wettbewerbsfähige Energiepreise und Investitionsanreize entscheidend, „um die Attraktivität des Standorts Deutschland zu stärken“.