Gelände von Schaeffler, Aumovio und Siemens in Regensburg heißt jetzt „Innovation Campus“

Was noch vor wenigen Jahren als „Siemens-Standort im Osten der Stadt“ die Wirtschaftsstruktur Regensburgs prägte, hat seit Mittwoch ein neues Etikett: „Innovation Campus“ – ein „Name, den er tatsächlich verdient“, wie die drei Unternehmen betonen, die dort gemeinsame Wurzeln haben und auch künftig die Infrastruktur auf dem Gelände teilen.
Vor allem aber wollen sie mit ihren rund 8000 Mitarbeitern der gesamten Region Impulse verleihen, wie Alexandra Bornemann, Regensburger Standortleiterin von Aumovio, in Übereinstimmung mit ihren Kollegen André Kühnle (Schaeffler) und Axel Kagerer (Siemens) versichert. Von dem Campus-Konzept zeigt sich auch Regensburgs Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) überzeugt. Schließlich sei der neue Name Programm für all das, was die Unternehmen an diesem Standort unternehmen – Innovation. Toni Lautenschlager vom Amt für Wirtschaft und Wissenschaft der Stadt ergänzt, der Campus-Gedanke habe sich in Regensburg mit den unterschiedlichsten Partnern ohnehin bestens bewährt.
CO2-freie Stromversorgung auf dem Campus
Konkret hat sich der „Innovation Campus“ zum Ziel gesetzt, mit dem Projekt „Energieareal Regensburg Ost (ERO)“ neue Maßstäbe für die Energiewende am Industriestandort Regensburg zu setzen. Mit einer Photovoltaikanlage von rund elf Megawatt entsteht hier für den gesamten Campus eine lokale CO2-freie Stromversorgung. Damit wird – wie Kühnle, der für die gesamte Region Deutschland zuständige Schaeffler-Standortleiter, erinnert – an eine Entwicklung angeknüpft, die hier bereits vor Jahrzehnten begonnen hat: Der Standort hat sich immer wieder in Richtung neuer, zukunftsweisender Technologien weiterentwickelt.
„Mit einer langen industriellen Tradition im Rücken richten wir den Blick nach vorne auf die Anforderungen von morgen“, betont auch Siemens-Werkleiter Kagerer. Tatsächlich ist der Name Siemens seit dem Zweiten Weltkrieg eng mit dem wirtschaftlichen Aufstieg Regensburgs verbunden. Nach der deutschen Teilung verlegte das Unternehmen große Teile seiner Produktion: 1948 entstand auf der Irler Höhe ein Installationswerk – mit zunächst 17 Frauen in der Belegschaft.
Aus dem Werk entwickelte sich ein Vorzeigestandort der elektrischen Installationstechnik, der 1964 in „Gerätewerk Regensburg“ umbenannt und ab den 1970er-Jahren ein wichtiger Player der Automobiltechnik wurde. 1989 machte Siemens diesen Sektor AT (Automobiltechnik) zu einem eigenständigen Geschäftsbereich.
Siemens-Werk erhielt Deutschen Zukunftspreis
Von Regensburg – damals Hauptsitz im Gewerbepark – und Toulouse aus steuerte Siemens das Geschäft mit Steuer-, Regel- und Informationssystemen. Auf der Irler Höhe dominierten in den 1990er-Jahren Schutz- und Schaltsysteme. Für die Mitentwicklung des Gebäudebus-Standards instabus EIB erhielt das Werk den Deutschen Zukunftspreis – jener Technikpreis, der am Dienstag erneut vom Bundespräsidenten verliehen wurde.
Die Automobiltechnik-Sparte Siemens VDO Automotive dagegen wurde 2007 abgespalten und an die Continental AG verkauft. Zehn Jahre später erfolgte die Ausgliederung der Antriebssparte von Continental als Vitesco Technologies. 2021 ging das Unternehmen als eigenständiger Konzern mit Sitz in Regensburg an die Börse.
Fusion von Vitesco und Schaeffler
Schließlich kam es im Herbst 2024 zur Fusion von Vitesco mit Schaeffler, einem der mit rund 120.000 Mitarbeitenden weltweit größten Familienunternehmen. Rund 3000 Beschäftigte sitzen in Regensburg, einem Entwicklungs- und Verwaltungsstandort für mehrere Sparten.
Der ehemalige Unternehmensbereich Automotive von Continental firmiert seit September 2025 als eigenständiges Unternehmen Aumovio mit Sitz in Frankfurt und einer Belegschaft von 86 000 Beschäftigten firmiert. Allein In Regensburg sind bei Aumovio 4000 Mitarbeiter tätig.
Doch zurück zur Siemens AG, deren Aktivitäten nicht nur im Osten Regensburgs über lange Zeit Wirkung zeigten. Vielmehr kam es bereits zehn Jahre nach dem 1959 von dem gebürtigen Regensburger Professor Eduard Mühlbauer angestoßenen Start auf dem Gelände der ehemaligen Messerschmitt-Flugzeugwerke im Westen der Stadt zu einem wahren Quantensprung in der Halbleitertechnologie. Unternehmen wie Infineon oder Osram gehen auf Siemens und diese Entwicklungen zurück.
Heute betreibt der Konzern im künftigen „Innovation Campus“ ein zentrales Fertigungs- und Kompetenzzentrum für Schutzschaltertechnik. Zudem gilt der Standort Regensburg heute mit 1200 Beschäftigten als internationaler Hauptsitz des Geschäftsbereichs Energy Products, spezialisiert auf Produkte und Systeme für die elektrische Energieverteilung in Industrie und Infrastruktur.