So viele menschenähnliche Roboter will Schaeffler bis 2035 in seinen Werken einsetzen

Von Lorenz Nix · 4. November 2025 um 12:21

Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler hat eine neue Partnerschaft mit einem Robotik-Unternehmen verkündet – und eine Zahl genannt, wie viele der sogenannten Humanoiden in der eigenen Produktion mithelfen sollen. Die Integration des früheren Regensburger Unternehmens Vitesco liegt indes ein Jahr nach der Übernahme „voll im Plan“.

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Seit dem Frühjahr geht es für die Schaeffler-Aktie fast nur in eine Richtung: nach oben. Notierte der Kurs Anfang April noch bei einem historisch niedrigen Wert von 3,15 Euro, stieg der Preis je Anteilsschein seitdem um mehr als das doppelte auf zuletzt etwa sieben Euro. Seinen jüngsten Aufschwung verdankte der fränkische Auto- und Industriezulieferer, der nun seit über einem Jahr auch ein großes Werk in Regensburg betreibt, besonders einem Thema: humanoide Robotik. Schaeffler präsentiert sich hier seit einiger Zeit als besonders gut aufgestellt. Am Dienstag – kurz nach Veröffentlichung der aktuellsten Quartalszahlen – verkündete der Konzern in dem Bereich eine neue Partnerschaft.

Aus der entsprechenden Mitteilung geht hervor, dass Schaeffler nun mit dem Baden-Württemberger Hightech-Unternehmen Neura Robotics kooperiert. Die „zukunftsweisende Technologiepartnerschaft“ umfasse die Entwicklung und Lieferung von Schlüsselkomponenten für humanoide, also menschenähnliche Roboter, heißt es weiter. Schaeffler könne beispielsweise mit innovativen Aktuatoren dienen – dabei handelt es sich um technische Bauteile, die elektrische, hydraulische oder pneumatische Energie in eine mechanische Bewegung oder Kraft umwandeln.

Darüber hinaus wird der Konzern der Pressemitteilung zufolge Neura-Roboter in seinen Werken einsetzen. Man kooperiere aber auch mit anderen Herstellern, heißt es weiter. Bis 2035 soll demnach „eine mittlere vierstellige Zahl an Humanoiden“ in den Schaeffler-Fabriken ihre Arbeit machen.

Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld: Humanoide Robotik „ein faszinierender Bereich“

Dass Schaeffler aber nicht nur selbst menschenähnliche Roboter einsetzen, sondern auch bei deren Entwicklung eine Rolle spielen will, erklärte Vorstandsvorsitzender Klaus Rosenfeld im Interview mit der Mediengruppe Bayern kürzlich mit dem aktuellen Portfolio des Konzerns: „Humanoide Roboter bewegen sich wie Menschen – mit Gelenken, Aktuatoren, E-Motoren, Sensorik, Präzisionslagern. Genau das ist unser Terrain.“ Das Feld der menschenähnlichen Roboter sei ihm zufolge „ein faszinierender Bereich“, der Zukunft habe.

Die Aussagen des Schaeffler-Chefs lassen vermuten, dass bei dem Thema auch die früheren Vitesco-Standorte als Vorreiter im Bereich Elektromobilität beteiligt sein werden – allen voran der frühere Hauptsitz in Regensburg. Dazu, ob das Werk bei der Entwicklung von Humanoiden beziehungsweise deren Bestandteilen eine Rolle spielt, könne man aber „zum derzeitigen Zeitpunkt noch keine Aussage treffen“, sagt Standortsprecherin Simone Geldhäuser auf Anfrage.

Schaeffler hatte den Oberpfälzer Konzern Vitesco im Oktober des vergangenen Jahres übernommen. Kurz darauf sorgte dann der Tag, an dem die Zahlen für das dritte Quartal veröffentlicht wurden, für große Aufregung und Unruhe in der Belegschaft: Der fränkische Zulieferer kündigte den Abbau von 2800 Stellen in Deutschland an. Allein in Regensburg sollten nach Informationen der Mediengruppe Bayern über 700 Jobs wegfallen.

Integration des Regensburger Zulieferers liegt „voll im Plan“

Die Umsetzung der Anfang November 2024 angekündigten Maßnahmen schreite „planmäßig in allen Bereichen voran“, erklärt Sprecherin Geldhäuser nun ein Jahr später. „Wir sind zuversichtlich, dass der geplante Abbau im Zeitraum 2025 bis 2027 erfolgt ist und sich das Einsparpotenzial in 2029 vollumfänglich realisieren wird.“ Zu konkreten Details wolle man sich aber nicht äußern.

Schaeffler-Chef Rosenfeld sagte am Dienstag, der Konzern liege „bei der Integration von Vitesco ein Jahr nach der Übernahme voll im Plan“. Künftig werde man die daraus gewonnenen Stärken „noch besser zum Vorteil unserer Kunden ausspielen“.

In den ersten neun Monaten 2025 musste das Unternehmen allerdings einen Umsatzrückgang hinnehmen: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum – unter der Annahme, dass Vitesco schon Anfang 2024 erworben worden wäre – gab es hier ein Minus um 1,3 Prozent auf 17,6 Milliarden Euro. Während in Amerika und Asien die Umsätze jeweils gestiegen seien, habe es in Europa und China Rückgänge gegeben, heißt es in der Quartalsmitteilung.

Unter dem Strich steht für Schaeffler ein Verlust

Demnach konnte sich Schaeffler allerdings beim Gewinn vor Zinsen und Steuern sowie vor Sondereffekten in den ersten neun Monaten um 1,2 Prozent auf 746 Millionen Euro steigern. Auch die entsprechende Marge, also das Verhältnis zum Umsatz, lag mit 4,2 Prozent leicht über dem Vorjahreswert von vier Prozent.

Man habe erneut die eigene „Stabilität und Anpassungsfähigkeit“ unter Beweis gestellt, so Rosenfeld. Es sei gelungen, „erfolgreich auf Nachfrageverschiebungen zu reagieren“. Unter dem Strich stand für Schaeffler Ende September allerdings ein Ergebnis von minus 244 Millionen Euro. Der Verlust entstand laut Mitteilung vor allem, weil der Konzern den Wert einiger Software-Lizenzen abschreiben musste. Ohne solche Sondereffekte hätte man einen Gewinn von 55 Millionen Euro erzielt, heißt es aus Franken.