Terror-Paar in München vor Gericht: Junge Jesidin schildert unter Tränen ihr Martyrium

Von André Baumgarten · 10. Dezember 2025 um 18:30

Nach Festnahmen in Regensburg und Roth: Eine 20-Jährige, die vom IS versklavt worden sein soll, sagt in München aus. Ins Gesicht sehen konnte sie ihren Peinigern, die bis zu ihrer Verhaftung unauffällig mitten in der Oberpfalz und in Mittelfranken lebten, im Staatsschutz-Prozess am Oberlandesgericht aber nicht.

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Im Prozess gegen ein Terror-Pärchen aus Regensburg und Roth wegen der Versklavung zweier jesidischer Mädchen hat eines der Opfer ihr Martyrium geschildert. „Ich wurde von sechs Männern gekauft und verkauft“, sagte die 20-Jährige vor dem Oberlandesgericht München. Auf die Frage, ob sie Twana S. – Kampfname „Abu Abdullah“ – als einen dieser Männer identifizieren kann, brach sie jedoch in Tränen aus: „Ich kann ihn nicht anschauen.“

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Der in Deutschland bereits verurteilte Terrorist und seine Frau sollen laut Ermittlern dem Islamischen Staat (IS) angehört haben und zwei junge Jesidinnen (5 und 12 Jahre) versklavt, misshandelt, ausgebeutet und sogar vergewaltigt haben. Der Generalbundesanwalt wirft dem Paar aus dem Irak Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.

Beide Opfer waren noch Kinder, als sie versklavt wurden

Das Opfer schilderte ihr Martyrium am Mittwoch so: „Bevor er mich gekauft hat, hat er mich angeschaut.“ Er habe ihren Schleier abgenommen und ihr Haar betrachtet. „Er und seine IS-Freunde verspotteten mich und sagten: Kaufe sie, sie ist noch nicht vergewaltigt worden.“ Da war sie noch ein Kind, ebenso das zweite Mädchen, deren Schicksal Teil einer viele Hundert Seiten umfassenden Anklage ist.

Der Angeklagte hatte mehr als zehn Jahre lang als Asylbewerber in München gelebt, ehe er sich laut Bundesanwaltschaft radikalisierte und 2015 in den Irak reiste, um sich dem IS anzuschließen. Bis November 2017 sollen er und seine Frau erst im Irak und dann in Syrien gelebt, ehe sie mit eigenen Kindern wieder nach Deutschland kamen. Die Sklavinnen sollen an andere Kämpfer weitergereicht worden sein.

Das aufwendige Verfahren wird in einem hermetisch abgeriegelten Saal und unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen vor dem Staatsschutz-Senat des Oberlandesgerichts in München verhandelt. - Foto: Baumgarten

Was mit der Fünfjährigen geschah, die sich die mitangeklagte Frau einst als Brautgeschenk gewünscht haben soll, war bis zu Prozessbeginn völlig offen – sie galt jahrelang als verschollen. Mittlerweile ist aber bekannt: Sie lebt, sieht sich jedoch außerstande, in dem Prozess gegen ihre Peiniger selbst auszusagen. Mit Sonderermittlern der Vereinten Nationen, die den Gräuel des IS an den Jesiden aufarbeiten sollten, sprach nur die nun als Zeugin extra eingeflogenen 20-Jährige.

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Unitad und das Bundeskriminalamt in Wiesbaden trugen die Erkenntnisse, auf denen die Anklage fußt, zusammen. Anfang April 2024 griffen Spezialkräfte zu und verhafteten die Terror-Braut in einer Asylunterkunft im Stadtnorden Regensburgs. Dort hatte Asia A. mit ihren Kindern seit Jahren unauffällig gelebt. Ihr Mann Twana S. wurde im mittelfränkischen Roth festgenommen.

Erste Anklage wegen Völkermordes am OLG in München

Seit Mai läuft der Prozess vor dem Oberlandesgericht – erstmals wird dort eine Anklage wegen Völkermordes verhandelt, wie Sprecher Laurent Lafleur der Mediengruppe Bayern bestätigte. 44 Prozesstage waren ursprünglich bis Anfang Januar 2026 geplant. Mittlerweile gibt es weitere Termine bis ins Frühjahr hinein. Wann ein Urteil fällt, ist aktuell offen.