Völkermord angeklagt: Terror-Paar aus Regensburg und Roth steht nun vor Gericht

Von André Baumgarten · 19. Mai 2025 um 08:10

Ein bereits verurteilter IS-Terrorist aus Roth und seine Frau sollen zwei Kinder gefoltert haben. Dem Paar wird nun am Oberlandesgericht in München der Prozess gemacht – zum ersten Mal verhandelt der Strafsenat in der bayerischen Landeshauptstadt eine Anklage wegen Völkermordes.

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Im Namen des IS (Islamischer Staat) sollen die Angeklagten zwei junge Jesidinnen versklavt, gefoltert und sogar vergewaltigt haben: Eine 29-Jährige aus Regensburg und ihr 14 Jahre älterer Mann aus Roth stehen seit heute in München vor Gericht. Verantworten muss sich das Paar wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen. Es ist die erste Völkermord-Anklage, die am Oberlandesgericht in München jemals verhandelt wird.

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Die Vorwürfe des Generalbundesanwalts, der die Ermittlungen in der Sache führte, wiegen schwer: Laut der Anklage soll das Paar von Herbst 2015 bis Ende 2017 der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) angehört haben. Der 43-jährige in Deutschland bereits verurteilte Terrorist soll ein damals fünfjähriges Mädchen als Sklavin für seine Braut gekauft haben. Asia A. soll sich das Kind als Geschenk zur Hochzeit gewünscht haben. Anfang Oktober 2017 kam eine zweite, damals Zwölfjährige dazu. Beide Kinder soll der Mann vergewaltigt haben, die 29-Jährige dafür das Zimmer hergerichtet und eines der Mädchen sogar geschminkt haben.

Zugriff in Asylunterkunft mitten in Regensburg

Sonderermittler von UNITAD – einem Team der Vereinten Nationen, das die Gräueltaten des IS aufarbeiten sollte – und das Bundeskriminalamt trugen die Erkenntnisse, auf denen die Anklage fußt, zusammen. Am 9. April 2024 erfolgte der Zugriff: Spezialkräfte verhaften die 29-Jährige in einer Asylunterkunft im Stadtnorden von Regensburg. Dort hatte Asia A. mit ihren Kindern seit Jahren unauffällig gelebt. Ihr Mann wurde in Roth bei Nürnberg festgenommen. Erst wenige Monate zuvor waren die neuen Vorwürfe gegen beide ans Licht gekommen. Nach Recherchen der Mediengruppe Bayern stammen sie offenbar aus erster Hand – eines der Opfer konnte nämlich aussagen.

Oberlandesgericht plant Termine bis Januar 2026

44 Prozesstage bis Anfang Januar 2026 hat der achten Strafsenat des Oberlandesgerichts, zuständig für Staatsschutzverfahren, bislang angesetzt. Dabei soll das ältere der beiden mutmaßlichen Opfer ihren Peinigern wohl auch direkt ins Gesicht blicken können: Denn die junge Frau soll in München aussagen und für den Prozess gegen das Terror-Pärchen womöglich sogar nach Deutschland eingeflogen werden. „Das ist natürlich eine wichtige Zeugin in diesem Verfahren“, sagte Pressesprecher Dr. Laurent Lafleur. Ob oder wann es zu deren Aussage kommt, vermochte er auf Nachfrage allerdings nicht sagen.

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Klar ist: Sagt diese Zeugin im Münchner Völkermord-Prozess aus, würde das nur unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen passieren – die junge Frau würde rund um die Uhr beschützt und auch der Ort, an dem sie dann untergebracht wäre, streng geheim gehalten. Auch der Prozess selbst wird, wie bei solchen Verfahren aber durchaus üblich, besonders gesichert.