Terror-Braut lebte in Regensburg: Fall bietet tiefe Einblicke in die Abgründe des IS

Bot die mutmaßliche Islamistin einer Deutschen ihre Sklavin an? Nach der Verhaftung in Regensburg gibt es neue Details zur 28-Jährigen und ihrem Mann, der für den IS kämpfte. Er ist ein 2019 verurteilter Terrorist.
Sie soll zwei junge Jesidinnen als Sklavinnen im Haushalt gehalten haben, während ihr Mann für den Islamischen Staat (IS) kämpfte: Am 9. April wird das Terrorpärchen verhaftet. Bei Asia A. klicken die Handschellen in einer Regensburger Asylunterkunft. Nun kommen immer mehr Details zur mutmaßlichen Terror-Braut ans Licht – sie bot ein Opfer in Syrien wohl einer Deutschen an, deren Mann mit Twana S. für den IS kämpfte. Nun äußert sich auch Strafverteidiger Shervin Ameri.
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Mehr als zwei Jahre lang soll das Paar zwei zu Beginn ihres Martyriums fünf und zwölf Jahre junge Jesidinnen versklavt haben. Was die Bundesanwaltschaft der 28-Jährigen und ihrem im Raum Roth festgenommenen Mann vorwirft, liest sich unerträglich: Der 42-Jährige soll eines der Mädchen vergewaltigt haben, seine Frau das Kind dafür extra geschminkt und ein Zimmer hergerichtet haben. Die Sklavinnen wurden ausgebeutet und misshandelt. Für das erklärte Ziel, „die jesidische Religion zu vernichten“, so Ines Peterson, Sprecherin des Generalbundesanwalts in Karlsruhe.
Fest steht: Twana S. ist schon verurteilter Terrorist – Kampfname „Abu Abdullah“. Laut Urteil des Münchner Oberlandesgerichts (OLG) lebte er seit 2002 in Deutschland, arbeitete unter anderem als Friseur in der bayerischen Landeshauptstadt. Bevor er in den Dschihad zog, radikalisierte er sich wohl ab 2013 in der längst aufgelösten Darul-Quran-Moschee in München. Ende März 2015 reiste er aus und schloss sich dem IS an, so die Richter. Gemeinsam mit einem Glaubensbruder, Kampfname „Abu Omar al-Maghrebi“, und dessen deutscher Frau – eben jene, der später eine der Sklavinnen angeboten wurde.
Sklavin soll ein Brautgeschenk gewesen sein
Asia A. lernte der heute 42-Jährige auch 2015 kennen, nach seiner Kampfausbildung beim IS, so die Ermittler. Beide heirateten nach muslimischem Recht, lebten erst in Raqqa, dann bei Mossul und zuletzt in al-Bukamal in Syrien. Die Fünfjährige, die die Frau aus Regensburg als Brautgeschenk bekommen haben soll, hielten sie laut Bundesanwaltschaft ab Ende 2015 als Sklavin. Gehorchte sie nicht, gab es Prügel. Einmal soll die 28-Jährige das Kind mit heißem Wasser verbrüht haben. Im Oktober 2017 kaufte sich das Terror-Paar laut Ermittlern ein weiteres Mädchen. Jesiden wie sie zu jagen, zu töten und zu versklaven, galt nach dem islamischen Recht als „legal“ und gerechtfertigt.
Diese damals Zwölfjährige ist laut Recherchen der Mediengruppe Bayern wohl die Hauptbelastungszeugin. Ihre Familie soll sie 2018 von einem IS-Kämpfer freigekauft haben. Was sie als Sklavin der Terrormiliz erlebte, soll sie Sonderermittlern der Vereinten Nationen erzählt haben. Laut Chats, die dem Generalbundesanwalt wohl vorliegen, war ihr Peiniger in der „Anwar Al Aulaki“-Katiba aktiv, wie Kampfeinheiten des IS heißen. Twana S. stand bereits 2019 wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor Gericht und gab an, als Krankenwagenfahrer gearbeitet zu haben. Die Richter bewerteten das jedoch als Schutzbehauptung, um seine „Tätigkeit für den IS abzuschwächen und herunterzuspielen“, heißt es im Urteil.
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Wie tief Asia A.s Mann tatsächlich im IS-Terror integriert war, wird wohl erst der neue Prozess zeigen. Sollte das Pärchen angeklagt werden, könnte auch die Aussage einer deutschen IS-Rückkehrerin zum Thema werden – sie trat in mehreren Prozessen als Zeugin auf. Der Bundesgerichtshof hatte die Münchnerin, die 2015 mit Twana S.s Bekannten Deutschland verließ, vor fast genau zwei Jahren überraschend freigelassen. Der Fall sorgte für Schlagzeilen.
Haushalt führen und Kinder erziehen reichten für eine IS-Mitgliedschaft nicht aus, so die obersten Richter. „Das letzte Verfahren wurde erst vor wenigen Tagen eingestellt“, bestätigte Anwalt Nicolas Frühsorger gestern auf Nachfrage. Und genau dieser Frau soll Asia A. Ende 2017 das jüngere Mädchen angeboten haben. Letztlich sei es an andere Kämpfer verschenkt worden, ehe das Paar nach Deutschland kam. Das Schicksal des Kindes ist ungeklärt.
Verteidiger Ameri sagt: Es war eine Zwangsheirat
Gegen die 28-Jährige und ihren Mann wird weiterhin wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Völkermordes sowie Kriegsverbrechen ermittelt. Das bestätigte die Bundesanwaltschaft. Die beiden Iraker sitzen in U-Haft. Vertreten wird die vor gut einer Woche in Regensburg verhaftete Mutter zweier Kinder von Strafverteidiger Shervin Ameri. Der verwies zuerst auf die Unschuldsvermutung, die für seine Mandantin gelte.
Zu Details des Falls wollte sich der bekannte Anwalt weiter nicht äußern, betonte aber: Von einem Kennenlernen mit Twana S. zu sprechen, wäre irreführend – sie sei als junges Mädchen zwangsverheiratet worden. „Dort spielt es keine Rolle, was eine Frau denkt und will.“ Sie hätte ihrem Mann gehorchen müssen, er habe sie beherrscht.