Terror-Pärchen soll Kinder als Sklaven gehalten haben – Nachbarn in Regensburg schockiert

Versteckte sich die Braut eines IS-Kämpfers mit ihren Kindern in dieser Asylunterkunft in Regensburg? Ihr im Landkreis Roth verhafteter Mann (42) ist ein verurteilter Terrorist. Recherchen zu dem Fall bringen Unfassbares zutage.
In Regensburg und im Landkreis Roth werden am Dienstag zwei Terrorverdächtige verhaftet, die dem Islamischen Staat (IS) angehören sollen. Was die Bundesanwaltschaft gegen die 28-Jährige und ihren Ehemann zusammengetragen hat, ist kaum zu ertragen. Sie sollen über Jahre zwei junge Jesidinnen versklavt haben. Nun sitzt das Paar wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen in U-Haft.
Dienstagfrüh, 6 Uhr, rücken schwarz vermummte Spezialkräfte der Polizei und Beamte des Bundeskriminalamts an. Ihr Ziel: eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber im Stadtnorden Regensburgs. In Zimmer 27 lebt die 28-Jährige mit ihren beiden kleinen Kindern allein. Der Zugriff im Morgengrauen erfolgt nahezu geräuschlos – selbst Nachbarn bekommen kaum etwas mit. „Es war alles ruhig“, sagt ein junger Mann. Als er von der Nachtschicht heim kommt, fallen ihm nur drei Mannschaftsbusse und zwei Polizeiwagen vor der Unterkunft auf.
Am Tag danach deutet nichts darauf hin, dass hier eine mutmaßliche IS-Terroristin verhaftet wurde. Die Irakerin lebte seit Jahren völlig unauffällig und sehr zurückgezogen, sagen Nachbarn. Nähere Kontakte zu anderen Bewohnern pflegte Asia A. kaum. Als sie erfahren, warum die Polizei angerückt ist, reagieren sie fassungslos und schockiert. „Niemals hätte ich das gedacht.“ Augenzeugen sahen: Als Ermittler die Wohnung akribisch durchsuchten, saß die zierliche Frau streng bewacht von Einsatzkräften im Innenhof der Containeranlage. Um ihre zwei Kinder kümmerten sich Vertreter des Jugendamts – beide werden in Obhut genommen.
IS-Paar soll Kinder versklavt, misshandelt und vergewaltigt haben
Von dem, was laut Generalbundesanwalt von 2015 bis November 2017 im Irak und in Syrien geschah, dürften sie aufgrund ihres Alters nichts mitbekommen haben: Von Versklavung ist die Rede, Ausbeutung, Misshandlung und auch Vergewaltigung. Opfer waren zwei damals fünf und 12 Jahre junge Jesidinnen. Sie mussten unentwegt im Haushalt arbeiten und auch die Erstgeborene des nach islamischen Recht verheirateten Paars betreuen. Gehorchten sie nicht, gab es Prügel. Einmal verbrühte die 28-Jährige die Jüngere sogar mit heißen Wasser.
Ihr Mann Twana S., nach Recherchen der Mediengruppe Bayern ein Kämpfer des IS, vergewaltigte die Mädchen mehrfach. Seine Frau richtete das Zimmer dafür her und schminkte ein Mädchen sogar für ihn. So fasste es der Generalbundesanwalt in einer Mitteilung zusammen. Ehe das Paar im November 2017 Syrien verlässt, reichen sie die Opfer an andere IS-Kämpfer weiter. Ein Mädchen soll später nach Saudi-Arabien verkauft worden sein. Sie leidet bis heute unter dem, was ihr widerfahren ist, heißt es. Womöglich wird sie als Zeugin gegen ihre Peiniger aussagen. Das Schicksal der Zweiten ist indes ungewiss.
Auch dieser Fall eines Top-Gefährders sorgte für Schlagzeilen: Als falscher Polizist kam er trotz Ausweisung zurück nach Deutschland und kämpft nun gegen seine neue Ausweisung in die Türkei
Dass die Minderheit der Jesiden, zu der die zwei Opfer gehörten, während der brutalen Herrschaft des IS systematisch verfolgt wurde, ist bekannt. Spätestens seit dem Vormarsch des Islamischen Staats ab 2014 wurden sie gezielt gejagt und ermordet. Frauen und Mädchen zu versklaven war legal, galt nach islamischem Recht als gerechtfertigt, heißt es. „Die ganze Behandlung der Mädchen entsprach dem erklärten Ziel des IS, die jesidische Religion zu vernichten“, erklärt Ines Peterson, Sprecherin des Generalbundesanwalts in Karlsruhe, auf Anfrage. Die Gräueltaten der Terrormiliz an zig Tausenden Jesiden werden in Deutschland mittlerweile als Völkermord bewertet – das hatte der Bundestag erst im Januar 2023 beschlossen. Ein wichtiges Signal.
Sechs mutmaßliche IS-Kämpfer und -Sympathisanten seit Jahresbeginn verhaftet
Die Bundesanwaltschaft konnte dazu bereits mehrere rechtskräftige Verurteilungen erwirken, so Peterson. Seit Jahren werden Taten auch in Deutschland intensiv verfolgt. Allein seit Jahresbeginn wurden sechs mutmaßliche IS-Kämpfer und -Sympathisanten in Deutschland verhaftet, gegen einen weiteren Anklage erhoben. Fälle wie der von Asia A. aus Regensburg und Twana S. sind ein noch neues Phänomen. Prominentester Fall dürfte eine Deutsche sein, die sich dem IS anschloss und als Frau eines Kämpfers ein jesidischen Mädchens grausam verdursten ließ. 14 Jahre Haft gab es dafür.
Die Vorwürfe gegen die 28-Jährige aus Regensburg und ihren zuletzt von ihr getrennt lebenden Mann klingen ganz ähnlich. Das Procedere mit Vernehmungen, U-Haft und Prozess vor einer Staatsschutzkammer am Oberlandesgericht dürfte vor allem für Twana S. nichts Neues sein. Der 42-Jährige wurde bereits 2019 in München verurteilt – zu vier Jahren und drei Monaten Haft wegen der Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat, wie der Gerichtssprecher Laurent Lafleur gestern auf eine Anfrage bestätigte.
Nach Recherchen der Mediengruppe Bayern soll der nun erneut verhaftete Mann schon über zehn Jahre in Deutschland gelebt, dann im Irak und Syrien dem IS angeschlossen und für die Terroristen gekämpft haben. Nur Wochen nach der Wiedereinreise mit seiner muslimischen Frau klickten für ihn im Mai 2018 die Handschellen. Das dürfte einer der Gründe sein, warum weder die gemeinsamen Kinder noch Ehefrau Asia A. eine Aufenthaltserlaubnis bekamen.
Laut Bundesanwaltschaft dauern die Ermittlungen an. Nach der Mediengruppe Bayern vorliegenden Informationen wird die mutmaßliche IS-Terroristin aus Regensburg von Strafverteidiger Shervin Ameri vertreten. Auch er wollte sich jedoch nicht äußern.