Yogastudio wird Ferienwohnung: Trainerin und Momo nach 18 Jahren plötzlich auf der Straße

Von Jonas Raab · 15. Oktober 2025 um 17:00

Tanja Dziubiel fühlt sich im Minoritenweg pudelwohl. So sehr, dass sie ihr kleines Yogastudio nach dieser Gefühlslage benannt hat. Nun – nach knapp 18 Jahren – müssen sie und „Therapiehündin“ Momo den Laden räumen. Die neue Eigentümerin will ihn zur Ferienwohnung umbauen. Eine Petition kritisiert, Dziubiels Fall stehe exemplarisch für ein wachsendes Problem in Regensburg.

Video ansehen

60 Quadratmeter am Altstadtrand – und das für eine wirklich überschaubare Miete. Recht viel bessere Rahmenbedingungen kann man sich heutzutage für ein kleines Gewerbe nicht wünschen. Sie waren wohl zu gut: Vergangenes Jahr wechselte Dziubiels Yogastudio den Besitzer. Obwohl ihr mündlich zugesichert worden sei, sie könne bleiben, flatterte im August die Kündigung ins Haus. Kurz zuvor, am 24. Juli, hatte die Stadt die Baugenehmigung für die Nutzungsänderung von einem Yogastudio in eine Ferienwohnung erteilt.

Bis Mitte November soll Dziubiel ihr liebevoll eingerichtetes Studio, in dem seit fünf Jahren Goldendoodle-Hündin Momo als „Kuschelfaktor“ und „Eisbrecher“ immer mit von der Partie ist, räumen. Wo sie ab dann ihre Kurse – sie laufen bis Weihnachten – abhalten soll, das ist die große die Frage. „Ich bin auf der Suche nach einem Unterschlupf. Aber es ist sehr schwer, etwas in dieser Größenordnung zu finden“, sagt sie. Entweder seien die Räume, die auf dem Markt sind, nicht geeignet – oder viel zu teuer. Die Rede ist teils vom Vierfachen der derzeitigen Miete.

Regensburger Yogastudio fällt Ferienwohnung zum Opfer: Petition gestartet

Jennifer Hermann, die im „pudelwohl“ zum Yoga geht, hat Dziubiels Fall zum Anlass für eine Online-Petition genommen. „In der Regensburger Altstadt verschwinden immer mehr kleine Betriebe, kulturelle Treffpunkte und Studios – verdrängt durch hohe Mieten und die zunehmende Umwandlung von Gewerbeflächen in Ferienwohnungen“, erläutert sie auf der Plattform openPetition. Hermann fordert strengere Auflagen bei Umnutzungen, Maßnahmen zur Sicherung bezahlbarer Gewerberäume, ein Konzept für den Erhalt sozialer und kultureller Treffpunkte und ein öffentliches Statement der Stadt, wie sie mit der zunehmenden Nutzung von Immobilien als Ferienwohnungen umgehen will. Seit Freitag ist die Petition online. Mehr als 300 Menschen haben sie seitdem unterschrieben.

Lesen Sie dazu auch: Anwohner wundern sich über neue Ferienwohnungen im Candis-Viertel – Das steckt dahinter

„Den Verfall der Altstadt in den vergangenen zehn Jahren finde ich heftig“, sagt Hermann zur MZ. Sie meint damit kleine Läden, die reihum zusperren müssten, weil Gewerbeflächen unbezahlbar geworden seien. Immer mehr lokale Anbieter würden verdrängt – und die Innenstadt zunehmend zur Touristenkulisse. „Wir als Anwohner leiden darunter.“

Mit ihrem Anliegen wandte sich Hermann auch an alle Stadtratsfraktionen und Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Die Rückmeldungen bislang: Der SPD sei das Problem durchaus bewusst und man sei auf der Suche nach Lösungsvorschlägen; auch die Oberbürgermeisterin werde sich melden, kündigte deren Büro laut Hermann an.

Nach 18 Jahren muss sich Tanja Dziubiel nach neuen Räumen für ihr Yogastudio umschauen – in Regensburg keine leichte Aufgabe. - Foto: Beate Michalke

Die Stadt habe die „wachsende Zahl an Ferienwohnungen, nicht nur in der Innenstadt“, schon vor längerer Zeit als Handlungsfeld erkannt, sagt Sprecherin Juliane von Roenne-Styra. Im Fokus habe jedoch stets die Problematik gestanden, dass durch die Umwandlung von „regulären“ Wohnungen in Ferienwohnungen dem ohnehin angespannten Markt zusätzlicher Wohnraum verloren geht.

Jetzt wollen sich alle die kleinen Gewerbe schnappen.Tanja Dziubiel, Yogalehrerin

Deshalb trat 2019 die Zweckentfremdungssatzung in Kraft. Seitdem brauchen Eigentümer, die Wohnungen für andere Zwecke, zum Beispiel als Büroeinheit oder Ferienwohnung, nutzen wollen, eine Genehmigung, und dürfen sie auch nicht leerstehen lassen. Als „super sinnvoll“ bezeichnet das Yogalehrerin Dziubiel. Nur: „Jetzt wollen sich alle die kleinen Gewerbe schnappen“, gibt sie zu bedenken.

Lesen Sie dazu auch: Von Gloria bis Kaufhof: Immer mehr Petitionen im Umlauf – Was bewirken sie wirklich?

Eine „Schutzsatzung“ für unterschiedliche gewerbliche Nutzungen – wie eben Yogastudio versus Ferienwohnung – gebe es nicht, sagt von Roenne-Styra. „Die Stadt hat keine rechtliche Handhabe, um den jeweiligen Hauseigentümern Vorgaben für ihr wirtschaftliches Handeln zu machen.“

Ferienwohnungen in Regensburg: Petition fordert „Grenzsätze“

Genau da will Petentin Hermann ansetzen. Sie fordert allgemeine „Grenzsätze“ für Ferienwohnungen und eine Mietpreisbremse für Gewerbeflächen. Yogalehrerin Dziubiel sagt dazu: „Es ist schon ein Thema in dieser Stadt, dass immer mehr kleine Oasen und Treffpunkte in Vierteln wegfallen, während Souvenirläden und Ferienwohnungen immer mehr werden. Darum geht es, nicht dass ich gerettet werde. Das ist relativ unwahrscheinlich.“

Ganz hat die Yogalehrerin, trotz allem eine echte Frohnatur, die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben. „Am liebsten würde ich natürlich hier drin bleiben.“