Regensburger Einzelhandels-Karussell dreht sich immer schneller

Von Marion Koller · 24. September 2025 um 19:00

Die durchschnittliche Ladenmiete im Regensburger Welterbe sinkt. Weil manche Hausbesitzer weiterhin zu viel fordern, wechseln die Geschäfte. Einige Newcomer eröffnen mit individueller Mode.

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Tanja Willnecker und Belinda Simmel haben am Dienstag im Münchner Mode-Großhandel für ihren neuen Laden eingekauft. Mützen, Schals und Taschen packten die Frauen ins Auto. Kleidung in den Größen 42 bis 54 haben sie längst geordert. Beim Regensburger Herbstfest am Sonntag, 11. Oktober, eröffnen sie das „Frauenzimmer“ in der Unteren Bachgasse. „In Regensburg gibt es stationär so gut wie keine curvy Mode“, sagt Willnecker. Deshalb spezialisieren sich die Einzelhändlerinnen auf Trends für kurvige Kundinnen.

Eröffnen ein neues „Frauenzimmer“: Tanja Willnecker und Belinda Simmel. - Foto: Willnecker

In der Altstadt dreht sich das Einzelhandels-Karussell immer schneller. Das liegt auch an den Mieten. In den letzten zwölf Monaten sind sie im Schnitt gesunken, doch eine Reihe von Hausbesitzern langt weiterhin kräftig zu. Kaufleute suchen sich günstigere Räume oder geben wegen der hohen Belastung auf. Wegen der Kaltmiete von 5565 Euro im Monat und der Online-Konkurrenz haben Andrea Baumgärtner und ihre Tochter das „Frauenzimmer“-Vorgängergeschäft in der Obermünsterstraße kürzlich aufgegeben. Die Räume stehen noch leer. 21 Euro kostet der Quadratmeter. „Ich würde das nicht bezahlen“, sagt ein Innenstadtmakler. In dem Viertel seien zwölf bis 15 Euro üblich.

Manche holen raus, was geht

Tanja Willnecker hat im früheren „Frauenzimmer “ Vollzeit gearbeitet. „Ich musste mich entweder selbstständig machen oder einen Job suchen“, sagt die 52-Jährige. Als ein Spezialitätengeschäft in der Unteren Bachgasse aufhörte, haben die Freundinnen zugegriffen. „Der Hausbesitzer ist begeistert von uns“, sagt Willnecker. Und ein Glücksfall. Denn Erhard Starzinger verlangt 23 Euro für den Quadratmeter - allerdings in 1a-Lage. Tanja Willnecker findet den Mietpreis für den Standort „absolut human“. Erhard Starzinger legt Wert auf langjährige Mieter für die 66 Quadratmeter: „Je länger, desto besser.“

Am Dienstag hat der Immobilienverband Deutschland Süd den aktuellen Marktbericht Gewerbeimmobilien für die bayerischen Großstädte vorgelegt. Die Regensburger Ladenmieten liegen demnach in den Toplagen (1a) bei durchschnittlich 27,50 Euro je Quadratmater für kleine Geschäfte (60 Quadratmeter) und 23 Euro für größere (150 Quadratmeter). Die Mieten haben seit dem Frühjahr deutlich nachgegeben: Bei kleinen Läden um mehr als acht Prozent, bei großen um rund zwei Prozent.

Bald beim Alten Rathaus: Individuelle Mode bietet Gloria Petersson ab Dezember. - Foto: Petersson

Auch bei den nicht ganz so gut frequentierten 1b-Lagen werden bei kleinen Läden für den Quadratmeter im Schnitt 19,50 Euro verlangt – sieben Prozent weniger als im Frühjahr. „Wir haben ein paar Geschäfte vermietet in den letzten zwölf Monaten, da ging es um 30 bis 40 Prozent runter“, sagt Immobilienmakler Thomas Vogel. „1a-Lagen bringen keine 1a-Mieten mehr.“ Er erlebt viele vernünftige Eigentümer, die sich mit moderaten Erlösen zufriedengeben. Doch es gebe auch Hausbesitzer, „die kein Maß haben“. Sie holen raus, was möglich ist. Das beschleunigt das Einzelhandels-Karussell. Die Kaufleute schauen genau auf Lage und Preis.

Maria Müller, Geschäftsführerin von Faszination Altstadt, sieht „durchaus die Gefahr, dass sich bei hohen Mieten inhabergeführte Läden nicht halten können und nur noch Filialisten, Automatenläden, Döner-Imbisse und Asia-Läden kommen“. Das entscheide der Hausbesitzer. Freilich spielt das Umfeld eine wichtige Rolle. Thomas Vogel vermisst seit der Kaufhof-Schließung einen Magneten, der die Leute ins Zentrum zieht. Auch ein Viktualienmarkt fehle. Müller betrachtet Gesandten-, Goliath-, Wahlenstraße und Untere Bachgasse als Top-Standorte. Dort würden häufig mehr als 30 Euro pro Quadratmeter erwartet. Das österreichische Unternehmen Sonnentor hat laut Expansionsleiter Berndt Kienmeyer dort knapp 35 Euro bezahlt. Wegen der Miethöhe und der zu großen Räume sei die Filiale in die Brückstraße umgezogen. Einen Nachmieter mit Schmuck, Uhren und Geschenken gibt es bereits.

Freude über „Schnäppchen“

Optimistisch betrachtet Makler Gerald Loers die Entwicklung. „Die Expansion von Ketten wie Triumph und Jack Wolfskin ist vorbei.“ Er hat in letzter Zeit etliche Läden an Regensburger Unternehmer „mit Ideen und Herzblut“ vermittelt. Dazu gehört Schuhdesigner Josef Baldauf, der zusammen mit Modeschöpferin Christine Wallinger Flächen Hinter der Grieb umbaut. Mit dem Label Raubirl wollen sie Regensburg erobern. Bei ihnen stimmt auch die Miete: 2200 Euro für 130 Quadratmeter und ein Gratis-Keller. Baldauf spricht von einem Schnäppchen. Einen Neustart wagt Gloria Petersson. Anfang Dezember wird die 27-Jährige in der Neue-Waag-Gasse ein Modegeschäft mit individuellen Stücken aufsperren. „Keine Massenware, kleinere Namen, hochwertige Eu-Qualität“, betont sie. Die Miete liegt bei knapp 26 Euro je Quadratmeter. Petersson findet: „Das ist vollkommen okay.“